plam CineMaster


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Verfasst am: So Jan 20, 2008 17:08 Titel: Adaption Filmkritik |
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Adaption (Adaptation)
Regie: Spike Jonze
Drehbuch: Charlie und Donald Kaufman
Darsteller: Nicolas Cage, Nicolas Cage, Meryl Streep
Worum geht es? Vielleicht versuche ich es mal folgendermaßen: Charlie Kaufman, ein erfolgreicher Drehbuchautor, erhält den Auftrag, das Drehbuch für den Roman „Der Orchideen-Dieb“ zu verfassen. Das Buch, ob seines Inhaltes im Grunde unverfilmbar, stellt Kaufman vor ungeahnte Schwierigkeiten, die ihn fast zur Aufgabe zwingen. Erst sein Zwillingsbruder Donald hilft ihm entscheidend auf die Sprünge und Charlie vollendet sein Drehbuch. Es handelt von Charlie Kaufman, dem erfolgreichen Drehbuchautor, der den Auftrag erhält, das Drehbuch für den Roman „Der Orchideen-Dieb“ zu verfassen. Das Buch, ob seines Inhaltes im Grunde unverfilmbar, stellt Kaufman vor ungeahnte Schwierigkeiten, die ihn fast zur Aufgabe zwingen. Erst sein Zwillingsbruder Donald hilft ihm entscheidend auf die Sprünge und Charlie vollendet sein Drehbuch. Es handelt von Charlie Kaufman, Drehbuchautor, der den Auftrag erhält….usw., usw., usw….
Es ist einmal mehr verrückt, was Charlie Kaufman hier auf die Kinoleinwand bringt. Kaufman, dies sei hier gleich vorweg angemerkt, ist tatsächlich Drehbuchautor und zeichnet sich seinerseits verwantwortlich für die Drehbücher für so genial verdrehte Filme wie „Beeing John Malkovich“, „Vergiss Mein Nicht!“, „Human Nature“ oder eben „Adaption“. Die Regie dieses Films übernahm, wie schon bei „Beeing John Malkovich“ der Musikclipregisseur Spike Jonze.
Kaufman vollzieht nun das Kunststück, und schreibt sich selbst in sein Drehbuch hinein. Soweit ist dies zwar aus filmischer Sicht immer interessant, aber keineswegs einzigartig und neu. Doch was Kaufman hieraus zaubert, ist an Ideenreichtum und Genialität kaum mehr zu überbieten, und treibt überdies auch den Betrachter allmählich an den Rande des Wahnsinns, versucht man das hier gezeigte irgendwie logisch-rationalistisch zu fassen. Denn was sehen wir hierbei: Im Grunde sehen wir die Entstehung des Drehbuchs, noch während das Drehbuch, gleichzeitig Inhalt dieses Films, verfasst wird. Kaufmans Existenz verdreifacht sich im Rahmen dieser Erzählung.
Doch zurück zum Anfang. Den Roman, „Der Orchideen-Dieb“ gibt es wirklich und Autorin Susan Orlean schreibt in diesem Roman im Grunde auch davon, wie sie dieses Buch geschrieben hat. In Susan Orleans Buch geht es folglich darum, dass Orlean beschreibt, wie sie das Buch schreibt, in dem es damit darum geht, wie Orlean das Buch schreibt, während sie dieses gerade schreibt.
Wenn sich Kaufman nun also selbst in sein Drehbuch und die Entstehung des selben hineinschreibt, dann zunächst mal vor allem deshalb, weil er damit sehr nah an der literarischen Vorlage bleibt. Doch dann geschieht hierbei Unglaubliches. Und dies vermag wohl keiner besser als Charlie Kaufman.
Ich hatte die Verdreifachung seiner eigenen Existenz in diesem Sinne schon beschrieben. Da wäre einmal der real existierende Kaufman, der ja das Drehbuch zu dem Film geschrieben hat, den wir hier gerade sehen. Gleichzeitig taucht Kaufman, gespielt von Nicolas Cage im Film selbst auf, und wir sehen, wie eben dieser filmische Kaufman das Drehbuch schreibt. Und da wäre schließlich noch der Kaufman, der dann wiederrum, selbst Teil der eigenen Geschichte, in eben dieser Geschichte zu sehen ist.
Wirklich interessant wird dabei der ebenfalls zu sehende Bruder von Kaufman, Donald (ebenfalls gespielt von Nicolas Cage). Dieser will nämlich auch ein Drehbuch verfassen – „The 3“ (AHA, DIE DREI also!!!). In diesem abstrusen Drehbuch geht es um einen Killer, einen Polizisten, der diesen Killer jagt und dessen Opfer, dass er im Keller gefangen hält und Stück für Stück aufisst. Donald beschreibt seinen Film auch als „Psycho“ meets „Das Schweigen der Lämmer“. Und richtig abstrakt wird dieses im Grunde blödsinnige Drehbuch, weil Donald gern den Aspekt der „multiplen Persönlichkeiten“ hineinbringen möchte. Demnach sind für ihn Killer, Polizist und Opfer ein und dieselbe Person, und folglich ist sich der Killer eben selbst auf!
Schräger geht’s kaum noch und doch passiert im Grunde das Selbe mit Charlie Kaufmans Film, den wir hier gerade sehen. Kaufman erwähnt im Film einmal die Schlage „oroboro“ (vorwärts wie rückwärts gelesen das Selbe Wort), die sich in ihren eigenen Schwanz beisst. Und gerade dies passiert ja hier in diesem Film, der seiner eigenen (Drehbuch-) Entstehung hinterherläuft. Wir sehen am Anfang verschiedene Bilder, die sich später erst als Kaufmans Ideen für mögliche Anfänge entpuppen. Wir sehen also Bilder, die noch gar nicht im zugehörigen Drehbuch stehen, die noch gar nicht Film sein können.
Doch auch neben dieser irren Story-Konstruktion weiß der Film durch ständige Querverweise auf Anderes zu überzeugen. Der permanente Drang, Anspielungen auf „Beeing John Malkovich“ einzubinden, sei da nur nebenbei erwähnt. Viel interessanter ist de im Film thematisierte McKee, jener Drehbuchautor-Guru, den es in Hollywood tatsächlich gibt. Dieser gibt im „echten“ Leben tatsächlich auch Seminare zum perfekten Schreiben von Drehbüchern. Und eben jene Tipps, die dieser Mann für die Teilnehmer bereithält, werden vom Film selbst aufgegriffen.
Denn was wir zunächst sehen, ist Charlies Film, so wie dieser ihn gern hätte: ein Film über Blumen, in dem nichts passiert. Dies geht natürlich aus Publikumssicht nicht. Und so kippt der Film im letzten Drittel ganz massiv. Der große „Change“ von dem auch McKee in seinem Gespräch mit Kaufman spricht, ereignet sich also tatsächlich und wir sehen nun einen völlig anderen Film, mit Verfolgungsjagden und sogar einem Mord.
Doch man befolgt McKee nicht nur, man parodiert diesen zugleich, denn Kaufman will ja eigentlich gar keinen Film fürs Publikum machen und so führt man, relativ zu Beginn typische Techniken des Drehbuchschreibens/Filmemachen ad absurdum. Denn gerade am Beginn springt der Film nur allzu oft zwischen verschiedenen Zeitebenen. Dabei helfen ja im Grunde genommen Einblendungen im Bild, wie etwa: „Ein Jahr früher…“; „Der Monate später…“ usw.
In „Adaption“ jedoch mehren sich derartige Hinweise derart oft und schnell und abstrus hintereinander, dass das eigentlich ordnungssstiftende Moment des Filmes alsbald nichts weiter als ein zeitliches Totalchaos anrichtet.
Und tatsächlich sehen wir ja zwei Erzählstränge, die wiederrum in zwei Richtungen verlaufen. Einmal die Geschichte von Susan Orlean, die ihr Buch schreibt und wir beobachten diese Geschichte sowohl rückblickend als auch vorausschauend. Und ebenso sehen wir Charlie beim Drehbuch schreiben, was sich ebenfalls in die Vergangenheit und ins Zukünftige hin entwickelt. Vier Zeitstrahlen in einem Film…
…und da breche ich mit meiner Review mal lieber ab, um nicht für völlige Konfusion zu Sorgen. Denn unverständlich oder nicht nachvollziehbar ist dieser Film in keinem Falle, so sehr das hier Geschriebe auch wirken könnte. Daher bleibt mein Fazit und Rat am Schluss: Unbedingt ansehen! Es lohnt sich und zu entdecken gibt es genug, soviel sollte klar geworden sein.
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