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Auda CineMaster


Anmeldedatum: 14.08.2007 Beiträge: 885
Wohnort: Kölner Bucht
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Verfasst am: Mo Sep 07, 2009 18:56 Titel: Antichrist |
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Antichrist (Dk, D 2009)
Drama | Horror
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Premiere (Deutschland): 10.09.2009
Regisseur: Lars von Trier
Drehbuchautor: Lars von Trier
Besetzung: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg
Länge: 109 Min | 104 Min
Sprache: Englisch
Farbe: Farbe / Schwarzweiss (einige Szenen)
Altersfreigabe: Deutschland: ab 18 | keine Jugendfreigabe
Drehorte: Köln, Bergisches Land
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Lars von Trier, der für seine sperrigen Dramen bekannt ist, hat ein neues Opus Antichrist vorgelegt, in dem er sein Arbeitsfeld des tragischen Dramas um eine intensive Horror-Komponente erweitert.
Auf dem Cannes Filmfestival hat der Film flugs die Position des Skandalfilms eingenommen und hat das Publikum gespalten. Der Film ist hart, unversöhnlich und von düsterer Poesie. DAbei bedient sich von Trier aller filmischen Mittel und schöpft gestaltereisch aus dem Vollen, keine Spur von den selbstauferlegten Dogma-Regeln oder eine Set-Reduktion, wie in Dogville. Anders als andere Regisseure, die technische Möglichkeiten ausschöpfen, steht jedoch weder der Effekt noch der Look im Vordergrund. Es geht ihm um die Geschichte und die Sache (was genau ihn umtreibt, kann man wohl kaum exakt erfassen). "Die Sache" ist seine pessimistischer Blick auf die Welt, den er in seinen Film für sich selbst zu ergründen und durchbrechen sucht.
Die Geschichte des Films handelt von einem Ehepaar, dessen Sohn bei einem Unfall stirbt, während sie sich in einem anderen Zimmer der selben Wohnung lieben. Die Schuld, die besonders die Frau verspürt, versucht der Mann (der Psycholge ist) selbst durch eine Therapie zu bearbeiten. Diese findet in einer Hütte im Wald statt, in der Die Frau zuvor in Abgeschiedenheit eine wissenschaftliche Arbeit über Hexen geschrieben hat. Die Ängste und Visionen, die die Frau entwickelt, scheinen auch bald dem Therapeuten real, er merkt, dass vieles an diesen Ängsten sehr wohl begründet ist und nicht als Wahnvorstellungen einer verstörten Frau abgetan werden kann. Der Zustand bessert sich nicht. Vielmehr geraten beide in einen Kreislauf aus Sex und aus psychischer und physischer Gewalt. Vor drastischen Darstellungen des Kampfes der beiden mit sich und der Welt scheut von Trier dabei nicht zurück. Aus der Schuld- und Trauerbewältigung gleitet der Film in sein zweites Thema: der Existenz des Bösen. Der Antichrist existiert und die Natur ist sein Tempel.
Die Gewaltdarstellung soll expliziet sein. In der Zeit war zu lesen, daß man die entsprechende Darstrellung nie wieder vergessen können wird. Obwohl mich der Film sehr interessiert, wie bisher keiner von Lars von Trier, ist das ein Grund für mich zu überlegen, ob ich mir den Film ansehe. Sowohl der Zeitartikel als auch eine TV-Beitrag in der Sendung ttt hat mich allerdings so positiv gestimmt, daß es wohl auf eine DVD-Sichtung herauslaufen wird. (Was leider bedeutet, das ich noch eine halben Jahr warten muß.)
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Trailer:
Interview mit von Trier:
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offizielle Seite des Verleihs: http://www.mfa-film.de/kinofilme/kino-titel/antichrist-lars-von-triers/
offizielle Filmseite: http://www.antichristthemovie.com/?language=en (gute Bilder!)
Imdb: http://www.imdb.com/title/tt0870984/
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_________________ "Mein Freund, die Wahrheit wie die Kunst liegen im Auge des Betrachters." (Jim Williams) |
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Kat CineMOD


Anmeldedatum: 18.06.2008 Beiträge: 1087
Wohnort: No Man's Land
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Verfasst am: So Sep 13, 2009 17:30 Titel: |
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Vor dem Film:
Danke Auda. Mich hat übrigens der gleiche Artikel von Daniel Kehlmann aus der „Zeit“ dazu bewogen, den Film anzusehen. Was die drastische Gewaltdarstellung angeht, die man angeblich nie wieder vergessen wird, bleibt zu sagen: Abwarten. Genau das wurde über Martyrs auch gesagt. Ja, vor allem die letzte Szene war grotesk und ist wahrlich schwer zu verdauen gewesen, aber was will man den heutzutage noch zeigen? Was bleibt übrig? In The Final Destination ist man z.B. mittels 3D mittendrin in den Eingeweiden des Verstorbenen. - Wobei wir uns hier natürlich auf zwei ganz unterschiedlichen Gebieten befinden.
Der Film hat zumindest Interesse bei mir geweckt, demnach sind meine Erwartungen hoch. Allerdings hat mir der Artikel auch schon ein Stück weit von dem Handlungsverlauf verraten, weswegen mich die Wendung nicht wirklich mehr überraschen wird.
Nach dem Film:
Toller Prolog! Schon in der ersten Minute brach der Film ein Tabu, indem eine Szene gezeigt wurde, die ich so in noch keinem anderen Film gesehen habe. Jedenfalls nicht in diesem Genre. Ich denke aber, der Zuschauer hätte auch ohne diesen Close up verstanden, dass die beiden gerade Sex miteinander haben.
Antichrist ist in vier Kapitel unterteilt. Wobei SCHMERZ nicht gleich SCHMERZ bedeuten muss.
Der Teufel steckt im Detail! Man muss oft genauer hinsehen um das Grauen zu erkennen. Anscheinend kann der Tot und das Unheimliche aber nur anhand von Tieren transportiert werden. Der Rabe hat mich jetzt weniger in Angst und Schrecken versetzt, als es der Überbringer der „CHAOS REIGNS“ Worte tat.
Zu den Gewaltszenen:
Das war's also? Das war der Film mit der Warnung vor den expliziten Gewaltszenen?? Also entweder habe ich in der Zwischenzeit einfach schon zu viele Filme gesehen, als das mich die paar Szenen schocken konnten. Gut, genau wie die Männer ihre Zähne zusammengebissen haben, so hatten auch die Frauen eine, aber das allein macht keinen guten Film. Ich gehe sogar davon aus, dass wenn man sich Antichrist in Erinnerung ruft, immer das Ausschalten der Libido dabei sein wird. Ich werde aber mal bei Herrn Kehlmann nachfragen, welche Szenen genau man denn nun nie wieder vergessen wird.
Zu der Kameraarbeit bleibt zu sagen, dass sie sehr gut ist. Die Naturszenen waren sehr schön und wurden mit mal zu mal düsterer, bis am Ende alles in einen Nebel gehüllt war. Auch die Einstellungen in Zeitlupe sind größtenteils gelungen. Manchmal ziehen sie sich aber auch ewig.
Die Darsteller:
Willem Dafoe, ständig mit Hose auf halb Mast und Charlotte Gainsbourg,- ganz ohne Hose, haben mich beide nicht mitreißen können. Das Problem mit Charlotte ist zudem, dass sie mich ganz stark an Susanne Lothar erinnert, die ich auch nicht leiden kann.
Bleibt zu sagen:
Außer jeder Menge Sex und schönen Bildern an anderer Stelle, hat Antichrist nicht wirklich etwas zu bieten. Die Natur (des Menschen) ist grausam, ja. Und weiter?
Epilog:
Der Film hat bei mir kein Interesse erweckt, mich nach den Beweggründen des Regisseurs zu der Thematik zu erkundigen. Wer also wissen will, was uns Lars von Trier damit sagen wollte, der muss sich die notwendigen Antworten schon selber suchen.
Zuletzt bearbeitet von Kat am Sa Aug 07, 2010 14:23, insgesamt einmal bearbeitet |
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plam CineMaster


Anmeldedatum: 20.09.2006 Beiträge: 676
Wohnort: Jena
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Verfasst am: Mo Sep 14, 2009 09:47 Titel: |
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Nochmal bei den Kritikern nachfragen wird nichts bringen. Von Trier war einst das europäische Wunderkind und rannte, vor lauter Umjubelung seiner Person direkt in die tiefe Krise, die jeder Intellektuelle mal durchmachen muss, um tatsächlich als intellektuell bezeichnet werden zu dürfen.
Nun, nachdem der Film weltweit immer mehr verkommt zur digitalen Leere, zur Ideenlosigkeit und zur inspirations- und kreativitätsfreien Zone, muss man den von Trier als DIE europäische Antwort wieder feiern, um vor allen Dingen dem Kino aus Übersee zu zeigen, dass WIR Europäer die besten Filmemacher sind. Immerhin wird Tarantino ja auch immer europäischer, beziehungsweise wäre dies gern. Von Trier wird in diesem Zusammenhang gerade eben wieder hochgejubelt. Dabei gehts doch auch hier nur um Geld, Investitionen aus dem In- und Ausland, die man gern hier haben möchte und nicht da drüben in Hollywood. Von Trier wird benutzt, als Ikone des europäischen Autorenfilms. Dass der Film im Grunde absolut schwach ist, und wie Kat schon sagt, mit einem Satz zusammengefasst werden kann (Die Natur des Menschen ist grausam....Aha erzähl mir was Neues!), stört dabei nicht. Sein Film kam gerade zur rechten Zeit, nicht mehr und nicht weniger. Und selbst das Thema der menschlichen Natur ist dabei so plump und peinlich inszeniert....
...es ist doch traurig, wenn einem einstmals großen Regisseur, wie von Trier nichts Besseres mehr einfällt, als die gesamte Handlung mit Sexszenen aufzupeppen, um auf möglichst vielen Festivals als Skandalfilm zu gelten. Dann doch lieber Lynchs" Blue Velvet", da gehts auch um Sex und die Abgründe des Menschen, jedoch viel, viel eleganter und nicht so plump auf Publikumschock getrimmt. _________________ plams DVD-Sammlung
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FrEaKnoT CineMaster


Anmeldedatum: 24.03.2008 Beiträge: 1166
Wohnort: Hamburg
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Verfasst am: Mi Sep 23, 2009 12:33 Titel: |
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Antichrist
(von Trier, 2009)
Der Prolog ist perfekt, handwerklich bestes Kino. In drei Minuten wird viel erzählt, ohne Worte, in Zeitlupe und großartigen Bildern. Der entscheidendste Moment des ganzen Films ist es, und er bekommt alle Zeit die er verdient.
Danach ist Antichrist erstmal ein düsteres, ruhiges Kammerspiel, handwerklich weiterhin auf hohem Niveau der den Zuschauer in seiner reduzierten Konzentration auf unausgesprochene Gefühle, auf stilles Leiden auf die Probe stellt.
Nach einer Stunde ändert sich das Tempo des Films, endlich finden die vielzitierten Ereignisse statt, die seit Wochen durch die Presse geistern, die letzten 45 Minuten bieten Aktionen und Reaktionen, ohne die Handlung wirklich weiterzuführen, was nach dem Epilog bleibt, sind Fragen, die je nach Interpretationsrichtung gedeutet werden können, aber nicht müssen.
Die Darsteller waren zu allem bereit, eine Voraussetzung, die von Trier erwartet, mit der er seit Jahren arbeitet. Die Schauspieler haben allen Raum den man sich wünschen kann und nutzen diesen, Dafoe und Gainsbourg spielen sehr gut und werden in Erinnerung bleiben.
Das Script ist der Schwachpunkt des Films. Das fängt bei der Handlung an: von Trier lässt nicht nur viele Fragen offen, nein er stellt, ähnlich wie Lynch, viele Fragen nur um sie offen zu lassen. Die unzähligen Metaphern, die Andeutungen, die Tiere, einige Dialoge und Gemütswandelungen dienen dem Selbstzweck, sollen Fragen aufwerfen um den Zuschauer zu beschäftigen. Dies ist nicht unbedingt immer schlecht, in der Zentrierung der Handlung auf eben diese Elemente aber schlicht zuviel.
Zudem findet keine Entwicklung statt. Die erste Hälfte ist der lethargischen Trauer gewidmet, die dann nach dem Umschwung in Hälfte zwei einer anderen Konstitution weicht, sodass der Film im Grunde nur zwei Emotionen darstellt, expressiv zu wenig.
Da passt es, dass die Charaktere vom Ist-Zustand abgesehen erstaunlich wenig bieten, die Vergangenheit der beiden koexisitiert nur mit dem toten Kind, sodass Antichrist eher eine Experiment mit zwei sehr überhöhten Protagonisten ist, die den Zuschauer, auch durch die den Charakteren gegenüber kalte Inszenierung bedingt, nicht berühren können.
So sind es dann die Bilder, die das schaffen, was Handlung und Charaktere nicht vermögen: Sie fesseln den Zuschauer. Bäume ächzen bedrohlich und lassen Eicheln regnen, der Wald umschließt die kleine, ihm ausgelieferte Holzhütte, Tiere sind klüger als Menschen. Der Satzbau zeigt es- der Zuschauer sieht die Natur als anonyme Bedrohung, dank der großartigen Aufnahmen der märchen- und alptraumhaften Bilder.
Die Widmung Tarkovkis ist nahe liegend, denn auch er verstand es (z. B. in Stalker), die Natur als Einheit zu zeigen, als Bedrohung ohne offenkundige Sicht auf den boshaften Kern.
Für Alpträume soll wohl auch die Gewalt bei einigen Kritikern gesorgt haben. Kaum einer konnte bei dieser Kontroverse eine ungefärbte Einschätzung hierzu liefern. Nüchtern betrachtet kann man nur attestieren: Ja es fließt Blut. Ein Skandalfilm ist Antichrist aber nicht, zumindest nicht im Vergleich zu anderen Cannes-Filmen, denen dieser Ruf auch anhaftete, Irreversibel sei hier genannt. Antichrist zeigt blutige Gewalt und Folter, wer SAW oder Hostel gesehen hat braucht sich aber nicht weiter zu fürchten, für einen Film wie diesen treibt es von Trier trotzdem zu bunt, hier wäre weniger mehr gewesen.
Auch die Kontroversen um die Nacktheit wurden immer wieder diskutiert, und ja, erigierte Glieder und auch der Schoß der Frau sind zu sehen, aber dies ist weder besonders ausführlich noch plakativ.
Was nach dem Film bleibt ist die Frage nach der Intention.
Jedem sei selbst überlassen ob er in Antichrist eine religiöse Parabel, ein psychologisches Märchen, einen Selbstversuch des depressiven Regisseurs oder gar eine misogyne Tendenz sieht.
Der Vorwurf letzterem haftet von Trier seit jeher an, dabei ist die Frau in Antichrist zwar negativ gezeichnet, schwach, triebgesteuert, doch ist das beim Mann nicht anders, den Vorwurf der Männerfeindlichkeit war dagegen noch nicht zu lesen. Antichrist sagt wohl eher, dass es beim Kampf der Geschlechter keinen Sieger geben kann.
Eine richtige Erklärung für Antichrist wird sich nicht finden lassen, zu eng ist von Trier mit diesem Film verschmolzen, obwohl man die Biographie des Regisseurs nicht einfach auf Antichrist ummünzen sollte.
Fazit:
Antichrist ist ein Filmerlebnis, allein das muss positiv vermerkt werden in der Zeit der 08/15 Blockbuster. Ein besonderer Film also auf jeden Fall, umso schwerer ist zu sagen, ob es ein Meisterwerk, ein guter oder ein schlechter Film ist. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Bilder und Score, die Atmosphäre, die düstere Grundstimmung, das schonungslose Spiel der Darsteller sind sehr gelungen, negativ sind die schlichte Figurenzeichnung,die unnötige Gewalt und die schlichte Handlung zu vermerken.
Antichrist steht und fällt mit der Handlung und diese je nach Interpretationsansatz, Material bietet Antichrist reichlich, wirklich Handfestes dagegen eher nicht.
3 von 5 Punkten. _________________ Mehr als 1200 Kurzkritiken und einige Specials zu Filmen aller Genres und Zeiten:
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