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Audition

 
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plam
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BeitragVerfasst am: Di Jan 02, 2007 13:19    Titel: Audition

AUDITION (Japan 1999)

Regie: Takashi Miike

Zum Inhalt:

Sieben Jahre lebt Shigeharo nunmehr schon allein mit seinem Sohn, nachdem seine Frau verstorben ist. Nun endlich will er noch einmal neu anfangen. Bei der Suche nach der "richtigen" Frau kommt ihm ein alter Freund und Fernsehproduzent zu Hilfe: Er organisiert ein fiktives Vorsprechen für einen fiktiven Film, bei dem Shigeharo sich die passende Frau aussuchen soll. Tatsächlich entdeckt er eine Frau, für die er sich auf Anhieb begeistern kann: So trifft sich Shigeharo schließlich immer öfters mit der wunderschönen, aber äußerst schüchternen Asami. Doch je mehr er über die neue Frau an seiner Seite erfährt, desto mehr muss er erkennen, dass sich ihre Geschichten in Widersrpüche verstricken. Auf der Suche nach der Wahrheit wird Shigeharo mehr und mehr von blutigen Visionen heimgesucht, die alsbald derart real werden, dass er nicht mehr in der Lage ist, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden...


Kritik:

Eines vorweg: Audition ist ohne jeden Zweifel ein extrem harter Brocken - und dies in vielerlei Hinsicht. Ich wusste selbst nicht was mich erwartet, als ich diese DVD zunächst nur aus einem Grund gekauft hatte, da sie in einer Ramschkiste im ProMarkt für 5 EUR in unrechtmäßiges Dasein fristete.
Regisseur Takashie Miike war mir zu diesem Zeitpunkt durchaus schon wohlwollend bekannt. Doch was ich an diesem Tag unwissend in den DVD Player einlegte, sollte mich nachhaltig beeindrucken:

Zunächst braucht man vor allem Durchhaltevermögen, denn innerhalb der ersten Stunde passiert erstmal (fast) gar nichts. Die Handlung schleicht behäbig vor sich hin und nimmt sich regelmäßig die Zeit, fast im Stillstand zu verweilen. Ich gebe zu, hier bereits daran gedacht zu haben, den Film abzustellen und mich auf Grund des geringen Anschaffungspreises nicht weiter zu ärgern.

Doch irgendwann, wahrlich urplötzlich, schlägt der Film komplett um. Dieser Umbruch ist derart drastisch, dass man meint, ein anderer Film hätte begonnen. Nunmehr begreift man auch die erste Stunde als absolut notwendig, da nur auf diese Weise dieser Umbruch einem Tritt in die Magengrube gleichkommen kann.

Was dann passiert erfordert wahrlich nerven: die Brutalität und die nahezu ungeschnittenen Ekelsequenzen, deren genaue Ausführung ich hier nicht weiter ausweiten kann und will, fordern das Durchhaltevermögen des Zuschauers erneut aufs Schärfste heraus.

Doch damit nicht genug: Wie bereits genannt, kann der Protagonist kaum mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden. Da erscheint es fast überflüssig zu erwähnen, dass auch der Zuschauer nur mit Mühe der Geschichte noch folgen kann, bzw. die Entscheidung treffen kann, was denn tatsächlich passiert und was nur Fantasie ist.

Was Miike hier abliefert ist schließlich ein Psychotrhiller der Extraklasse, der jedoch nur den hartgesottensten Filmfans zu empfehlen ist. Das fehlende Tempo zu Beginn zieht den Zuschauer trotz aller Langsamkeit immer mehr ins Geschehen des Filmes hinein, aus dem er dann, ebenso wie der tragische Held, kaum einen Ausweg zu finden vermag.

Natürlich bleibt eine derart brutale, sadomasochistische Gewaltorgie nicht frei von Kritik. Allen voran musste sich Miike immer wieder fragen lassen, was das Ganze denn nun eigentlich soll. Doch schaut man genauer hin, erkennt man den tieferen Sinn des Filmes. Natürlich provoziert der Regisseur in erster Linie, doch verliert sich der Film dadurch nicht in plumpen Splatterszenen, sondern weiß seine Aussage durchaus gekonnt zum Ausdruck zu bringen.

Damit wird "Audition" meines Erachtens zum bislang besten Film von Takashi Miike, den ich bislang gesehen habe.
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Commander
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BeitragVerfasst am: So Jan 07, 2007 19:10    Titel:

Ich schließe mich dem primär an. Was mich jedoch etwas stört ist die Aussage am Ende, dass man den "Sinn" oder "Was wollte Miike uns damit sagen" sucht.
Natürlich ist es legitim das zu fragen, aber wir werden nie eine Antwort finden Wink
Ich bin allerdings auch ein Verfechter der Werkimmanenten Interpretation.

Hab den Film jetzt schon länger nicht mehr gesehen, hatte mir aber damals mal folgende Notizen gemacht:

Der Film spielt sehr geschickt mit dem Vorstellungsvermögen des Zuschauers. Letztlich gibt der Film dem Betrachter auch keine endgültige Lösung. Am Ende des Films weiss man immer noch nicht ob es sich alles um einen Traum handelt oder die Realität darstellt. Genau dieses verwirrende Element und der brachiale Übergang von Melancholie zu nervenaufreibender Brutalität (keine Angst, es gibt so gut wie kein Blut zu sehen...aber Nadel und Spritzenhasser sollten da lieber wegschauen Wink ) machen das besondere dieses Films aus.

Habe dem Film damals 8/10 Punkten gegeben, würde aber jetzt im Nachhinein rein gefühlsmäßig auch eher 9 Punkte verteilen. Ich denke ich weiß schon was ich gleich mal wieder gucken werde Wink
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plam
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BeitragVerfasst am: Di Jan 09, 2007 09:54    Titel:

Commander hat Folgendes geschrieben:
Ich schließe mich dem primär an. Was mich jedoch etwas stört ist die Aussage am Ende, dass man den "Sinn" oder "Was wollte Miike uns damit sagen" sucht.
Natürlich ist es legitim das zu fragen, aber wir werden nie eine Antwort finden Wink


Ich möchte nur noch der Vollständigkeit wegen anfügen, dass diese Frage nicht von mir aufgeworfen wird. Es fällt lediglich auf, dass diese Frage immer wieder auftaucht, wenn man nach Informationen zu diesem Film recherchiert. Gerade dadurch erfährt Audition meines Erachtens in manchen Kritiken völlig ungerechtfertigte Bewertungen, nur weil ein interpretationsfanatischer Kritiker sich keinen Reim auf diesen Film machen kann.

Man sollte sich also nicht von durchaus zahlreich vorhandenen, schlechten Kritiken zu Audition abschrecken lassen.
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musashi
CineExpert
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BeitragVerfasst am: Do Jun 14, 2007 22:20    Titel:

Also, ich muss sagen, das ist mit Sicherheit der beste von Miike. Meiner Meinung nach kommt es nicht oft vor, dass ein Film so viele Interpretationen zulässt.
Allerdings ist er ganz sicher nichts für den typischen "300" Gucker.
Was nicht heissen soll dass ich 300 mies gefunden hätte. War ein unterhaltsamer No-Brainer.
Aber zurück zu Audition. Habe den vor einiger Zeit bei ARTE spät nachts gesehen (uncut!). Fand den damals unheimlich schwierig und langweilig.
Später habe ich mich nochmal drauf eingelassen und bin hellauf begeistert. So viele Interpretationsmöglichkeiten hat man selten. Und das von so einem Verrücktem wie Miike-San!
Mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, aber für Leute die Geduld haben und sich auf einen langsamen Film einlassen können eine echte Offenbarung.
Mein Fazit: 10/10
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Nomak
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BeitragVerfasst am: Do Jun 14, 2007 22:30    Titel:

sorry aber das muss ich loswerden.
hab den film leider nicht gesehen und kann daher auch nichts dazu sagen.
aber musashi schau dir mal die diskussion zum thema 300=no-brainer an:
http://www.cineglobe.de/forum/300-t192.html

wollte nur vorsorgen dass nicht wieder so eine ewige diskussion entsteht Wink

weitermachen!

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musashi
CineExpert
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Beiträge: 112
Wohnort: Duisburg

BeitragVerfasst am: Do Jun 14, 2007 23:24    Titel:

Nomak hat Folgendes geschrieben:
sorry aber das muss ich loswerden.
hab den film leider nicht gesehen und kann daher auch nichts dazu sagen.
aber musashi schau dir mal die diskussion zum thema 300=no-brainer an:
http://www.cineglobe.de/forum/300-t192.html

wollte nur vorsorgen dass nicht wieder so eine ewige diskussion entsteht Wink

weitermachen!



Habe ich schon gelesen, aber ich konnte es mir nicht verkneifen. Wink

Fand den ja auch gut, kommt aber immer auf die Erwartungen an, daher fand ich 300 auch cool. (Kannte den Comic vorher schon)
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Namu
Die CineGLobe Perle


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BeitragVerfasst am: So Dez 02, 2007 13:55    Titel:

Also, ich habe Audition extrem anders empfunden als ihr.
Ich fand die erste Stunde überhaupt nicht schleichend und auch nicht langweilig, meines Erachtena passierte da für einen japanischen Film sogar verhältnismäßig viel und manches ist wirklich sehr lustig. Nach ca einer halben Stunde baut sich dann ja schon eine wirklich unheimliche Atmosphäre auf, die sich mehr und mehr steigert. Und meiner persönlichen Meinung nach, fällt die dann in den Szenen, die ihr so wahnsinnig schockierend fandet, auch wieder um Einiges ab. Das ist aber nicht so schlimm, weil dann der Teil folgt, in dem der Zuschauer in Verwirrung kommt, und nicht mehr weiß was real ist und was nicht...
Für mich hat der Film auch eine Aussage, aber das überlasse ich jedem selbst.
Im Übrigen braucht der Film auch den langen Spannungsaufbau. Sonst wäre es nichts weiter als ein 08/15 Schocker geworden.
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musashi
CineExpert
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BeitragVerfasst am: Mo Dez 03, 2007 11:32    Titel:

@Namu: Prinzipiell sehe ich das genauso.
Mich würde nur mal deine Interpretation des Films interessieren.
Obwohl, ich finde wie man den interpretiert kommt auf den Gemütszustand an. Ist bei mir jedenfalls so.
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Namu
Die CineGLobe Perle


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Beiträge: 4973
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BeitragVerfasst am: Mo Dez 03, 2007 13:13    Titel:

Hm, um eine tiefe Interpretation habe ich mir jetzt weniger Gedanken gemacht.

Das Folgende ist zwar jetzt nicht direkt ein Spoiler, aber es ist vielleicht trotzdem besser, man liest es erst, nachdem man sich den Film angesehen hat:

Der Film hat für mich eine humanistische Aussage. Und bringt diese dem Zuschauer ein genzes Stück näher, als die meisten anderen Filme, die ich gesehen habe, weil er gerade am Ende durch die Wahnszenen mit der Täter-Opfer-Rolle und den Sympathien der Zuschauer spielt.
Dadurch bleiben für den Zuschauer (oder blieben zumindest für mich) alle Figuren, egal was passiert, zutiefst menschlich.
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