|
|
Vorheriges Thema: Sick Nurses Nächstes Thema: Two Women in Red Scarves |
| Autor |
Nachricht |
yun CineMaster


Anmeldedatum: 28.03.2008 Beiträge: 2262
|
Verfasst am: Mi Sep 02, 2009 12:50 Titel: Bilanz eines Lebens |
|
|
bilanz eines lebens (ein leben in furcht)
(japan 1955)
regie: akira kurosawa
drehbuch: akira kurosawa, shinobu hashimoto, fumio hayasaka und hideo oguni
musik: masaru sato und fumio hayasaka
darsteller: toshiro mifune, takashi shimura und andere ...
spielfilmdauer: 103 min.
unter dem eindruck der atombomben auf hiroshima und nagasaki, den bildern der verbrannten und sterbenden menschen in den illustrierten medien, dem gefühl, einem stetig eskalierenden kalten krieg schutzlos ausgeliefert zu sein, lebten nicht wenige japaner in der furcht, das ziel und die nächsten opfer eines atomschlages in einem kommenden dritten weltkrieg zu sein.
kiichi nakajima (dargestellt von toshiro mifune, der zu dieser zeit 35 jahre alt war), ein mann um die siebzig, lebt in der furcht vor der atombombe und seine angst um seine familie ist grenzenlos, bestimmt sein ganzes denken und handeln.
er möchte nicht warten, bis es für alle zu spät ist, deshalb entschließt er sich seine fabrik, die sein lebenswerk darstellt, zu verkaufen und mit seiner familie und allen menschen, die ihm nahe stehen, nach brasilien auszuwandern.
seine familie ist von der vorstellung in ein anderes land auszuwandern, um dort ein neues leben zu beginnen, alles andere als begeistert. gerade sein ältester sohn sträubt sich dagegen und zieht mit einem großen teil der familie vor gericht um seinen vater zu entmündigen.
vor gericht tauschen beide seiten ihre argumente aus, der alte mann begründet seine entscheidung und beschreibt wie er es sich vorstellt in einem fremden land ein neues leben zusammen mit seiner familie aufzubauen und der älteste sohn, bringt alle gründe vor, die dagegen sprechen.
kurosawa ergreift für keine der beiden seiten partei. beide seiten bringen ihre argumente vor und nach wichtigen aussagen entstehen kurze pausen in der handlung in denen nicht gesprochen wird und die dem zuschauer genügend zeit geben, um über das eben gehörte nachzudenken und sich vielleicht auch eine eigene meinung zu bilden.
gefühlsmäßig geben der richter und seine beiden laienbeisitzer (einer von ihnen wird von takashi shimura gespielt) dem alten mann recht, eigentlich fühlen sie gar nicht so anders als er, verstandesmäßig müssen sie aber den argumenten des ältesten sohn recht geben und als zuschauer sitzt man irgendwie zwischen den stühlen.
nach langem hin und her wird der alte mann – trotz eines leisen zweifels – von seiten des gerichtes aus entmündigt.
doch der alte mann gibt nicht auf und da er am ende keinen anderen ausweg mehr sieht, um seine familie zu schützen, entschließt er sich zu einem radikalen schritt.
kurosawa lässt beide seiten in diesem konflikt ausreichend zu wort kommen, beide seiten bringen gute und nachdenkenswerte argumente (in denen natürlich auch ein gewisser egoismus zum ausdruck kommt) vor und es bleibt am zuschauer, sich für das für und wider zu entscheiden.
es ist nicht wichtig, ob der alte mann zurechnungsfähig ist oder nicht, vielmehr geht es um eine unerträgliche situation, vor der niemand fliehen kann, da es keinen sicheren platz vor ihr auf dieser welt gibt … eine mögliche lösung muss anders aussehen …
am ende schaut der alte mann zum fenster seines zimmers hinaus … er hält die brennende sonne für die erde, die unter der wirkung von atombomben am verbrennen ist … der alte mann lächelt glücklich … endlich … endlich … müsse er keine angst mehr haben ...
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
|
|
|
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
|
|
|
| |