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Blow-Up

 
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yun
CineMaster
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Anmeldedatum: 28.03.2008
Beiträge: 2262


BeitragVerfasst am: Mo März 29, 2010 14:57    Titel: Blow-Up

Blow-Up

(England 1966)



Regie: Michelangelo Antonioni
Drehbuch: Julio Cortázar, Michelangelo Antonioni und Tonino Guerra

DarstellerInnen: David Hemmings, Vanessa Redgrave, Sarah Miles

Spielfilmlänge: 106 min.

FSK: 16



Über den Spielfilm Blow-Up, den Michelangelo Antonioni 1966 in England drehte, zu schreiben fällt mir irgendwie schwer, denn eine beschreibbare Handlung gibt es nahezu nicht, tolle Dialoge gibt es auch nicht wiederzugeben und der Hauptdarsteller ist auch niemand, mit dem man sich unbedingt identifizieren möchte.

Weshalb aber ist Blowup dennoch einer der faszinierendsten Filme seiner Zeit geworden? Der er, wenn man es recht bedenkt, auch heute noch ist!

Peter (David Hemmings) ist ein vielbeschäftigter Londoner Modefotograph der Swinging Sixties, der, ohne es zu wissen, Zeuge eines Mordes wird. Wer da ermordet wird und aus welchem Grund und wer die Mörder sind, wird weder Peter, noch wir, die Zuschauer des Filmes, je erfahren und es ist für die Handlung des Filmes auch nicht besonders wichtig. Denn um den Mord und seiner Aufklärung wird es nicht gehen. Auch steht Peter, als Hauptdarsteller des Filmes, meiner Meinung nach, nicht wirklich im Zentrum des Handlung.

Wer aber dann?

Wer?

Wir!

Wir sind es, die im Zentrum des Filmes stehen, aber ohne es zu wissen, zumindest nicht von Anfang an! Und gerade dieses Nichtwissen, was uns von Anfang an auszeichnet, macht uns zum idealen Opfer eines genialen Experimentes. Denn der Regisseur spielt mit uns, mit unserer Wahrnehmung, unseren Erwartungen, schlimmer noch, er spielt mit dem, was wir als unsere Erfahrungen ansehen.

Und damit führt er uns ganz schön an der Nase herum!

Können wir wirklich dem trauen, was wir mit eigenen Augen sehen und können wir dem trauen, was wir aufgrund unserer Beobachtungen einordnen, bewerten und schließlich beurteilen?

Wie sicher können wir gegenüber unseren eigenen Erfahrungen sein?

Am Ende des Filmes kommen einem da so langsam Zweifel auf, wir werden misstrauisch und vielleicht sogar so nach und nach unsere Leichtgläubigkeit aufgeben!

Uns selbst gegenüber!













Dies und Das:

Blow-Up bezeichnet den Vorgang, einen Ausschnitt eines Bildes stark zu vergrößern, um damit ein Detail besser sichtbar zu machen. Doch irgendwann ist die Grenze der Vergrößerung erreicht und das Detail verschwindet in der Körnigkeit des Bildes und wird damit für den Betrachter wieder unkenntlich.
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FrEaKnoT
CineMaster
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Anmeldedatum: 24.03.2008
Beiträge: 1166
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: Mo März 29, 2010 18:13    Titel:

Schön geschrieben, aber teilen kann ich deine positive Meinung zu Blow Up ganz und gar nicht.

Was nützt das An-der-Nase-herumführen wenn damit nichts erreicht wird? Ist mir zu selbstzweckhaft, mir fehlt eine Intention dahinter, zumal, wie du schon erwähnt hast, da eine wirkliche Handlung fehlt und die Charaktere nur schwer zu fassen sind. Schade auch, dass sich Blow Up, vom Konzert abgesehen, so gar nicht für seine Zeit interessieren zu scheint, ein Gefühl der 60er vermittelte er mir gar nicht.

Das Tennisspiel am Ende fand ich dagegen auch außerordentlich gut. Very Happy
_________________
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yun
CineMaster
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Anmeldedatum: 28.03.2008
Beiträge: 2262


BeitragVerfasst am: Mo März 29, 2010 18:44    Titel:

FrEaKnoT hat Folgendes geschrieben:
Was nützt das An-der-Nase-herumführen wenn damit nichts erreicht wird?


hm ... es führt bei dem einen oder anderen vielleicht dazu, etwas kritischer mit bildern (z.b.: aus den medien) umzugehen ... der hauptdarsteller zum beispiel lebt davon illusionen herzustellen (bilder für modemagazine), die, zumindest in den köpfen eines betrachters eine ganz bestimmte wirkung erzielen sollen ... ebenso wird im film in unseren köpfen eben dadurch eine illusion erzeugt, indem er bilder und szenen derart anordnet, dass eine ganz bestimmte erwartungshaltung (und reaktion) in uns hervorgerufen wird ... wir also opfer unserer selbst (unserer vermeintlichen erfahrungen) werden ... die werbung, wie die nachrichten und politiker verwenden ganz ähnliche mechanismen um in uns ganz bestimmte "bilder" und damit verbundene reaktionen hervorzurufen ...

FrEaKnoT hat Folgendes geschrieben:
Ist mir zu selbstzweckhaft, mir fehlt eine Intention dahinter, zumal, wie du schon erwähnt hast, da eine wirkliche Handlung fehlt und die Charaktere nur schwer zu fassen sind.


siehe oben .. die einzelnen charaktere bzw. die handlung des filmes sind wirklich nicht wichtig ... sie sind nur deshalb da, weil wir es gewohnt sind eine handlung mit handelnden charaktere zu folgen ... also ... schon wieder etwas, was mit unserer erwartungshaltung zu tun hat ... Wink

FrEaKnoT hat Folgendes geschrieben:
Schade auch, dass sich Blow Up, vom Konzert abgesehen, so gar nicht für seine Zeit interessieren zu scheint, ein Gefühl der 60er vermittelte er mir gar nicht.


der film handelt ja auch nicht so sehr über die zeit, in der er entstand, sondern entstand nur in der zeit, in der er spielt ... sein thema soll ja auch zeitübergreifend sein ... was er letzten endes ja auch ist ...

FrEaKnoT hat Folgendes geschrieben:
Das Tennisspiel am Ende fand ich dagegen auch außerordentlich gut. Very Happy


das stimmt Very Happy ... und die illusion am ende des filmes beschreibt ja perfekt das thema des filmes ... "wir glauben das, was wir zu sehen bekommen" ... bzw. was man uns zeigt ...

zum thema bilder (wirklichkeit) noch ein gedanke ... stehen wir zu weit von einem bild entfernt, gehen uns wichtige details verloren ... gehen wir aber zu nah heran, sehen wir zwar die details, dafür aber verlieren wir den überblick über das ganze ... bzw. wir verlieren den zusammenhang aus den augen, in denen diese details stehen ...

beides kann nun dafür benutzt werden, um einen betrachter hinters licht zu führen ... der illusionist lässt ein bild aus einen möglichst großen abstand betrachten und lässt dadurch die feinen aber wichtigen details verschwinden ... im gegensatz dazu bläht der politische agitator ein detail zur überlebensgröße auf, dem betrachter geht dadurch aber das verständnis für zusammenhänge verloren, was ja auch in der absicht des agitators liegt ... in beiden fällen wird ein bild und die damit verbundene und zum ausdruck kommende wirklichkeit verfremdet ... so oder so ... der unbedarfte betrachter glaubt in dem ihm gezeigten bild die wirklichkeit zu sehen und wieder zu erkennen ...

und wie leicht das geht, erfahren wir an uns selbst, wenn wir auf unsere reaktionen achten beim betrachten des filmes Blow-Up ... Wink
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