plam CineMaster


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Wohnort: Jena
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Verfasst am: Do Aug 28, 2008 19:25 Titel: Carnival of Souls |
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CARNIVAL OF SOULS
USA/1962
Regie: Herk Harvey
Laufzeit: 78 min (Kinofassung)/ 83 min. (Director´s Cut)
Deutscher Titel: "Tanz der toten Seelen"
Der Film beginnt mit einem Autorennen, welches ein zu frühes Ende durch einen Verkehrsunfall findet. Dabei stürzt ein Wagen mit drei Frauen von einer alten Brücke in einen Fluss. Viel Zeit vergeht, bis die Rettungskräfte endlich eintreffen und gerade deshalb scheint es umso sicherer, dass alle drei Personen im Wagen diesen Sturz nicht überlebt haben können. Doch dann steigt plötzlich eine völlig durchnässte Frau aus dem Wasser auf. Es ist Mary, die ebenfalls im Auto gesessen hat und merkwürdigerweise mit dem Leben davon gekommen ist.
Sie zieht weiter Richtung Salt Lake City, doch auch diese Fahrt verläuft alles andere als normal. Sie glaubt plötzlich das grausige Gesicht eines Mannes in einer der Autoscheiben erkennen zu können.
Anfänglich glaubt Mary noch, es wäre der Schock des Unfalls, an dem sie noch leiden würde, doch zunehmend scheint diese Erklärung nicht mehr hinreichend genug zu sein. In Salt Lake City angekommen beginnt Mary eine Job als Organistin und versucht, den schrecklichen Unfall so gut es geht zu vergessen. Doch die vermeintliche Rückkehr in ihr alltägliches Leben entpuppt sich immer mehr als irreversible Entfremdung vom Leben.
Aus unerklärlichen Gründen fühlt sie sich zu einem alten Vergnügungspark am Strand eines Sees hingezogen. In Alpträumen begegnet sie dort tanzenden Zombies und sieht sich wieder und wieder mit dem Mann konfrontiert, den sie bereits im Auto zu sehen glaubte. Dem Wahnsinn nahe findet sich Mary alsbald in völliger Isolation wieder. Der Lärm der Welt ist verschwunden, und sie kann mit keinem einzigen Menschen mehr Kontakt aufnehmen. Sie ist gefangen in ihrer eigenen, gespenstigen und totenstillen Welt...
Regisseur Herk Harvey ist nur wenigen Menschen tatsächlich als Regisseur bekannt und wenn, dann auch nur mit diesem Meisterwekt des Gruselfilms. Denn "Carnival of Souls" war der einzige fiktionale Spielfilm, den er jemals realisierte. Grundsätzlich machte sich der Regisseur eher durch Schulungs- und Industriefilme einen Namen und war damit unter Cineasten lange Zeit völlig unbekannt.
Doch dann schrieb er gemeinsam mit dem Drehbuchautor John Clifford das Skript zu "Carnival of Souls", basierend auf der Geschichte "An Occurrence at Owl Creek's Bridge" von Ambrose Bierces aus dem Jahr 1890 und drehte in nur neun Tagen für lächerliche 30.000 US-$ den heute als Kultfilm geltenden Gruselfilm.
Harvey hatte keine Mittel für aufwändige Effekte und gerade dies macht diesen Film so einzigartig und gut. Statt teurer Spezialeffekte und krachender Schockmomente setzt der Regisseur auf Atmosphäre - und dies gelingt ihm so gut, wie fast keinem anderen Regisseur bis heute. Die Beklemmung, die Angst, die Ungewissheit - all das, was die Protagonistin des Films durchmacht, können die Bilder des Films perfekt auch auf den Zuschauer übertragen. Ein perfektes Spiel aus Licht und Dunkel, mehr Schwarz als Weiß, mehr Ruhe als Lärm, all das sind Attribute, mit denen man diesen Film beschreiben kann.
Mit einfachsten Mittel schafft Harvey somit eine Zwischenwelt zwischen Realität und Traum, Wahnsinn und Wirklichkeit, Tot und Leben und - bezogen auf den Film - zugleich auch zwischen amerikanischem Genrekino und europäischem Kunstfilm. Lange hat es gedauert, bis dieser Film sein Publikum gefunden hatte. Zu lange, denn den Hype, den der Film (gemessen an seinem Alter) erst vor kurzem auslöste, hat Harvey, der 1996 verstorben ist, nicht mehr miterleben dürfen.
Elfriede Jelinke, österreichische Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin, zählt diesen Film zu ihren Lieblingsfilmen. Sie schreibt: "Gespensterfilme sind Berührungen, denn wir Zuschauer wollen ja, dass uns etwas geschieht, nicht nur, dass wir einfach etwas anschauen.". "Carnival of Souls" schafft genau dies mit seiner ungeheuren Atmosphäre - er berührt uns. Wieviele Filme können dies heute noch von sich behaupten?
Leider gibt es eine adäquate Veröffentlichung dieses Films zuweilen nur in der USA im Rahmen der populären und unerreichten Criterion Collection. Die Doppel-DVD dieses Releases beinhaltet dabei sowohl die Kinofassung, als auch den etwa 5 Minuten längeren Director´s Cut. Zusätzlich gibt es umfassende Dokumentationen zum Dreh und zu den Drehorten, Audiokommentare von Harvey und Autor Clifford, Ausschnitte aus den Industriefilmen von Harvey u.v.a.
Zwischenzeitlich versuchten sich auch andere Regisseure an dem Thema. So gibt es unter dem Label "Wes Craven präsentiert.." ein völlig überflüssiges Remake unter gleichem Titel "Carnival of Souls", von welchem in diesem Zusammenhang nur abgeraten werden kann.
Daneben ist aber auch das Grundthema selbst - die eingangs erwähnte Geschichte von Ambrose Bierces - Inspiration weiterer Filme geworden: "Jacobs Ladder" (Adrian Lyne/1990), ebenso wie "The Sixth Sense" (M. Night Shyamalan/1999) basieren ebenfalls, mehr oder weniger lose, auf "An Occurrence at Owl Creek's Bridge".
Doch gerade "Carnival of Souls" wirkt in diesem Zusammenhang herausragend. Denn für die damalige Zeit besticht der Film vor allem durch etliche Brüche mit gängigen Genrekonventionen. Allein die Kameraführung ist das Ansehen des Films Wert. Vielleicht war dies auch der Grund für das anfängliche Versagen des Films beim Publikum und bei der Kritik gleichermaßen: für einen genretypischen Gruselfilm zu europäisch und kunstvoll, für einen Arthouse-Film aber zu sehr Horrorfilm - welche Zielgruppe sollte man damit schon erreichen?
George A. Romero hat jedoch einst erklärt, dass es letztlich dieser Film war, der ihn zu "Night of the Living Dead" inspirierte. Und wenn man sich frühe, wie auch aktuelle David Lynch-Filme ansieht - man denke nur an "Lost Highway" - dann wird man den Eindruck nicht los, dass auch Lynch "Carnival of Souls" wohlbekannt sein dürfte. Ebenso wie seine Filme, zeichnet sich Harveys Film durch das Unheimliche, das Fremde und dessen Einbruch in die Wirklichkeit (oder auch umgekehrt) aus.
Wer dieses lange vergessene Meisterwerk hierzulande jedoch sein Eigen nennen möchte, wartet bis heute vergeblich auf eine DVD-Veröffentlichung. Wie bereits angedeutet, bleibt dabei nur der Griff zur US-Veröffentlichung im Rahmen der Criterion Collection. Daneben bleibt nur das Hoffen darauf, dass dieser Film, wie schon so oft, irgendwann im Nachtprogramm der öffentlich-rechtlichen Dritten zu sehen sein wird.
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