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Namu Die CineGLobe Perle

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Verfasst am: So Nov 26, 2006 10:08 Titel: Children of Men |
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Ich habe am Wochenende Children of Men gesehen und muss sagen, dass ich davon ziemlich enttäuscht war.
Ich fand den Film im grossen und ganzen ziemlich platt und hab mich echt stellenweise gefragt, wann das denn nun endlich vorbei ist.
Der Film ist so eine Nahe-Zukunfts-Erde-am-Abgrund-Vision und man kann wohl solche Filme auf zweierlei Weise angehen. Man kann sich mehr auf die Action konzentrieren (wie Equilibrium) oder auf die Message (wie 1984 oder Fahrenheit 451 oder Filme in der Art).
Children of Men versucht beides zu verbinden. Wobei dann bei beidem nichts richtiges rausgekommen ist. Die Message ist naemlich so "Wir muessen uns alle lieb haben und tolerant sein" und "Ohne Kinder geht die Welt zum Teufel". Das ist ja beides auch ganz richtig, aber man muss es ja nicht dem Publikum auf die Art eintrichtern, wie das eine Kindergaertnerin mit ihren Kleinen tut, oder?
Ausserdem ist das schoen und gut, wenn man nen Film mit Message von Toleranz und gegen Vorurteile dreht und dann gleichzeitig im Film Vorurteile pflegt. (Die einzige, die sich in dem Film naemlich direkt auslaenderfeindlich aeussert, ist bezeichnenderweise eine Deutsche. Ist mir eigentlich sonst egal, wenn wir immer die Deppen sind aber hier habe ich das dann doch als ziemlich inkonsequent empfunden).
Nun zum Zweiten, also zur Action: Die Inszenierung war wohl schon ganz o.k.. Aber richtig aufregend war es nicht, weil man eigenlich von vornherein wusste, welchen Charakteren evtl. etwas passieren wuerde und welchem nicht. Das hatte das also höchstens einen visuellen Effekt, aber keinen emotionalen.
Irgendwie fehlte da die Spannung dahinter.
So, vielleicht sollte ich jetzt noch etwas Positives schreiben, oder?
- Die Schauspieler waren fuer ihre Rollen ziemlich o.k. (Ich schreib jetzt mal nur ziemlich, weil das Drehbuch anscheinend keine Charakterentwicklungen vorsah und das damit wohl auch nicht soooo schwer zu spielen war!)
- Der ganze Film war recht dreckig inszeniert und hat dadurch versucht Atmosphaere zu erzeugen. Das fand ich ganz nett.
- Der Film wurde ab und zu durch ein paar Sprueche aufgeheitert, die sogar lustig waren.
So, das war jetzt eine ziemlich subjektive Review.
Anscheinend hat der Film ja sonst ziemlich viel Begeisterung ausgelöst. Vielleicht sollte man sich also von meiner Post nicht abschrecken lassen, sich ihn trotzdem im Kino anzusehen.
Unschluessigen wuerde ich aber trotzdem raten, lieber abzuwarten, bis der Film in die Videotheken kommt!!!
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plam CineMaster


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Verfasst am: So Nov 26, 2006 10:55 Titel: |
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Hallo Namu,
zufällig habe ich den Kinobesuch für den kommenden Dienstag eingeplant und wollte spätestens Mittwoch ohnehin einen eigenen Beitrag über den Film schreiben.
Dein Urteil zum Film, so schlecht es auch ausfällt, bekräftigt mich nun sogar umso mehr, am Kinobesuch festzuhalten, denn du bestätigst, was man allerorts im Netz ohnehin bislang feststellen konnte: der Film polarisiert mal wieder kräftig und jeder Zuschauer, wie auch Kritiker, ordnet sich entweder auf der begeisterten Hurra-Seite oder auf der Seite der arg Enttäuschten.
Besonders kritisch ist offensichtlich das auch von Dir schon geäußerte "Minus", dass der Film sich nicht so recht entscheiden kann zwischen einem kopflastigen, philosophischen Zugang und einem augenlastigen, optischen Actionkracher.
Diese Polarisierung macht mich neugierig, da auch ich meinen Standpunkt finden möchte. Am Mittwoch melde ich mich dann schließlich ausführlich zu Wort. |
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Namu Die CineGLobe Perle

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Verfasst am: Di Nov 28, 2006 08:58 Titel: |
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Ich bin froh, dass Du auch noch etwas ueber den Film schreiben willst. Das, was ich oben geschrieben habe, war ja nicht gerade objektiv.
Ich habe das geschrieben, kurz nachdem ich auf der IMDB nachgesehen habe, welches Land den Film ueberhaupt produziert hat und war ziemlich schockiert, dass sich die Leute da so euphorisch ueber den Film geaeussert hatten! (So nach dem Motto: "Der beste Film aller Zeiten")
Vielleicht habe ich den Film als Folge schlechter dargestellt als er ist. (Obwohl ich wirklich nichts von dem, was ich geschrieben habe, zuruecknehmen wuerde!)
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie Du den Film empfinden wirst und es beruhigt mich, dass Du schreibst, dass doch noch ein paar Kritiker manches an dem Film aehnlich beurteilt haben wie ich. |
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plam CineMaster


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Verfasst am: Mi Nov 29, 2006 10:55 Titel: |
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Nun, wo fange ich am Besten an? Vielleicht bietet sich zunächst ein kleiner Exkurs, weg vom Film "Children of Men" an, welcher deutlich macht, wieso manche Filme das Publikum, wie auch die Kritik derart spalten, wie man es aktuell bei "Children of Men" auch wieder erleben durfte.
An der Uni habe ich mich mal im Rahmen einer Studie mit der Frage beschäftigt, was passiert, wenn ein Film die Erwartungen des Zuschauers nicht erfüllt. Die Antwort darauf erscheint zunächst absolut logisch: dann war der Film wohl schlecht. Ich habe dann vielmehr versucht zu zeigen, dass ein Film nicht immer schlecht sein muss, nur weil er meine persönlichen Erwartungen nicht erfüllt hat. Das Problem ist - und dies ist eben schlichtweg nur menschlich - dass man natürlich nur ungern die Schuld bei sich selbst sucht. Mit anderen Worten: Niemand wird nach einem unglücklichen Kinobesuch sagen, "...der Film ist bestimmt gut, es wird wohl an mir liegen, dass ich ihn irgendwie nicht gut fand...".
Die "Schuld", wenn man das mal so nennen will, liegt vielmehr bereits im Marketing vorab. Sämtliche Trailer, Berichte im Fernsehen, Artikel in Zeitschriften und natürlich das Internet sind daran beteiligt, wenn man sich Informationen zu einem Film besorgt. Was dann automatisch passiert ist der Aufbau von Erwartungen, die man an einen Film auf Grund all der gesammelten Informationen hat. Leider liegt da nun tatsächlich nach wie vor viel zu oft der Hund begraben. Gerade Trailer und sonstige Promotion, die direkt von den Filmstudios kommen, sind nicht in der Lage, den Kern des Filmes zu treffen und sprechen daher eine völlig falsche Zielgruppe an, oder aber generieren schlichtweg falsche Erinnerungen (das ist meines Erachtens das Problem, mit dem "Children of Men" zu kämpfen hat). Ein Trailer kann aber auch viel zu viele Informationen freigeben. Die Folge ist dann abermals, dass viel zu hohe Erwartungen an einen Film aufgebaut werden, die der Film, obwohl er doch im Grunde nicht schlecht ist, nicht mehr erfüllen kann. Diesen Fehler begeht man nur zu gern bei Horrorfilmen oder Komödien, wenn sämtliche Schockmomente oder Gags bereits im Trailer auftauchen und der Film den Trailer dann nicht mehr toppen kann.
Ich möchte den Exkurs an dieser Stelle nicht weiter ausbauen; wer Interesse an diesem interessanten und gleichsam komplexen Thema hat, kann mich gern per PM anschreiben. Ich stelle auch die ausgearbeitete Studie gern zu Verfügung. Doch nun zurück zum Film "Children of Men".
Der Film ist schlichtweg grandios. Wie oben angedeutet wurden jedoch offensichtlich falsche Erwartungen an den Film gebunden. Oftmals war die Rede von einem Endzeit-Actionthriller oder einem Sci-Fi-Thriller. Doch genau dies ist der Film eben absolut nicht. Der bekennende Fan der oben genannten Genres wird damit zwangsläufig ins Kino gezogen und schlichtweg enttäuscht.
"Children of Men" ist eine komplexe und zudem raffinierte Systemkritik. Die Verlegung in die Zukunft ist dabei ein genialer Schachzug, da man damit die Gesellschaft anklagen kann, ohne dabei konkrete Namen nennen zu müssen. Das Problem der Unfruchtbarkeit erweist sich dabei vielmehr als eine Metapher für Probleme, die nicht erst 2027 eine Rolle spielen könnten, sondern bereits fester Bestandteil der aktuellen globalen Situation sind. Damit ist der Film, zwar 2027 angesiedelt, bereits viel näher an der Realität, als man glauben möchte. Der Krieg gegen die "Fugees" unterstützt dieses Argument schließlich noch, da er doch direkt auf die gegenwärtigen Kriegsschauplätze unserer Welt verweist, in dem beide Seiten inzwischen längst ihre Ziele verloren haben.
Der Realitätscharakter wird zudem durch die geniale filmische Umsetzung unterstützt. Dafür sprechen die teilweise extrem langen Einstellungen, in denen nicht ein einziger Schnitt erfolgt. Damit nimmt der Film Züge der "Embedded Journalists" an. Die filmische Montage ist schließlich ein explizites Stilmittel das ausschließlich der Film verwendet. Im realen Leben gibt es keinen Schnitt, kein Abblenden und genau dies führt der Film in diesen durchaus heftigen, langen Einstellungen vor. Er filmt die Realität ab, ohne dabei selbst gestalterisch einzugreifen.
Fraglich bleibt für mich noch der Einsatz der Tiere. Clive Owen ist schließlich nahezu permanent umgeben von Hunden. In zwei äußerst wichtigen Szenen sind jedoch Katzen an seiner Seite. Die Offenbarung der Schwangeren erfolgt in einer Gruppe von Kühen und auch sonst laufen immer wieder Ziegen, Schafe und Hühner durchs Bild. Eine derart starke Präsenz macht schon deutlich, dass auch damit irgendwas zum Ausdruck gebracht werden soll. Nur kann ich es bislang noch nicht deuten.
Wer nun also dennoch Lust hat, sich auf die Spurensuche in einem Film voller Zeichen und Referenzen zu begeben, dem sei "Children of Men" wärmstens empfohlen. Wer mehr auf Science-Fiction und Action steht, der wird an "Children of Men" und seiner aufwühlenden Botschaft keine Freude haben. |
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Namu Die CineGLobe Perle

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Verfasst am: Mi Nov 29, 2006 15:15 Titel: |
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Finde ich super, daß Du den Film so anders siehst als ich. Das macht es natuerlich interessant.
Vor allem, da mir dadurch sehr viel klarer wurde, warum ich den Film nicht mochte.
Siehst Du, ich bin naemlich in den Film gegangen, weil ich dachte er geht so in die Richtung Fahrenheit 451 oder 1984 (wie ja oben schon gesagt), beides uebrigens auch Filme, die mit Hilfe von Nahe-Zukunftsvisionen die momentane Situation zugespitzt darstellen (ich mag da ja falsch liegen, aber ich habe beide Filme immer so empfunden).
Nachdem, was Du schreibst, hatte ich da wohl schon die richtige Vorraussetzung. (Habe uebrigens vorab werder Trailer gesehen, noch Kritiken gelesen!)
Aber weisst Du, es gibt noch einen Grund, einen Film abzulehnen, als ihn unter dem falschen Gesichtspunkt anzusehen: Wenn er naemlich nicht Deinen Blick auf die Welt teilt.
Ich wuerde Dir recht geben, dass "Children of Men" ziemlich gut die momentane Lage der Menschheit beschriebt, aber ich hab dabei ein ziemlich grosses Problem, weil ich es so verstanden habe (naheliegend), dass Kinder in diesem Film die Zukunft bzw. die Hoffnung auf eine bessere Zukunft darstellen.
Mal abgesehen, davon, dass man eigentlich die Kontrolle ueber die Dinge schon verloren hat, versinkt die Welt in "Despair" (wie war da noch einmal das Deutsche Wort dazu?), weil die Hoffnung auf eine Zukunft fehlt.
Mein grosses Problem daran ist jetzt eigentlich, dass in dem Film auf einmal eben ein Kind da ist. Die Kinder sind einfach verschwunden und auf einmal Hurra, ist wieder eins da! Im Film ist also quasi aus dem Nichts wieder Hoffnung vorhanden.
Also mich stoert das ganz brutal. So traegt doch der Film noch viel mehr zur Ohnmacht bei, denn irgendwie sagt er ja damit aus, dass wir alle nur passiv abwarten koennen und irgendwann wird es schon wieder...
(Das war jetzt natuerlich etwas ueberspitzt formuliert!)
Ausserdem kann ich das auch falsch verstanden haben, aber ich habe nirgendwo in dem Film die Stelle gefunden, an der gesagt wird, dass sich die Menschen selbst in so eine Hoffnungslosigkeit draengen, weil sie sich zu sehr von der Situation einschuechtern lassen und in Ohnmacht versinken.
(Selbe Problem uebrigens, daß sich Menschen mit Depressionen machen.)
Sollte das doch irgendwo in dem Film gesteckt sein, waere es nett, wenn Du mich darueber aufklaeren wuerdest! Hehe, schliesslichlich habe ich das lange Post ja deshalb geschrieben!
Und Du brauchst auch nicht so ruecksichtsvoll formulieren. Ich werde auch gerne von meiner urspruenglichen Meinung weichen, wenn ich einsehe, daß die durch Mißverstaendnis zustande kam. (Ich halte meine Meinung nicht fuer die Unltimative und bin auch nicht traurig, wenn ich mich irre.)
Ich bin auch in der Zwischenzeit schon soweit konvertiert, dass ich geneigt bin anzunehmen, dass die kleinen Stellen, die mir klischeehaft erschienen, mit voller Absicht als Klischees eingebaut wurden.
Ich habe da auch noch eine Frage: Die sprichst hier so leicht von Systemkritik, aber welches System wird denn hier kritisiert und welcher Aspekt des System oder vielleicht sollte ich eher fragen, was Du genau unter dem System verstehst?
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plam CineMaster


Anmeldedatum: 20.09.2006 Beiträge: 676
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Verfasst am: Do Nov 30, 2006 08:06 Titel: |
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Hallo Namu,
dann will ich mal versuchen, auf deine reichhaltige Antwort zu reagieren.
Zunächst finde ich es, im Anschluss an meinen kleinen Exkurs zu den Erwartungen an einen Film, natürlich sehr interessant, dass du keinen Trailer gesehen, bzw. Kritiken gelesen hast. Gleichzeitig schreibst du aber, dass du einen Film in Richtung "1984" oder "Fahrenheit "451" erwartet hast. Irgendwie wurden also, wenn auch nicht auf dem klassischen Weg, den ich ganz allgemein beschrieben habe, bei Dir Erwartungen an den Film generiert, welche dann schließlich nicht erfüllt wurden. Die Frage, die ich mir nun natürlich stelle, lautet: wie ist diese Erwartungshaltung bei Dir zustande gekommen? Du musst darauf jetzt nicht explizit antworten, dieser Punkt soll vielmehr nochmal verdeutlichen, wie man (zumindest bei uns an der Uni) versucht, Erfolg oder Misserfolg eines Filmes erklärbar zu machen. Soviel dazu...
Dein Argument mit dem "Blick auf die Welt", den der Film ja zweifelsfrei wirft, kann ich absolut nachvollziehen. Wenn Du also in diesem Zusammenhang den Film schlecht findest, weil Du die "Ansichten" des Filmes nicht teilen kannst, dann kann man da schwerlich etwas daran ändern. Aber: ich habe den Eindruck, dass du den Film eventuell falsch verstanden hast. Zumindest sehe ich die Tatsache, dass doch noch ein Baby geboren wird, in einem völlig anderem Kontext. Meiner Meinung nach macht der Film schließlich überdeutlich, dass es eben doch absolut keine Hoffnung mehr gibt.
Man ist ja bei der Problemsuche in unserer Gesellschaft nur zu schnell immer dabei, wenn es darum geht, einen Schuldigen zu bestimmen. Im Falle des Terrorismus ist der Feind eben ganz allgemein der Islam, im Falle von Amokläufern sind es die bösen "Killerspiele" und im Film ist das Problem eben die Unfruchtbarkeit der Menschen, die die Hoffnung auf eine Zukunft zerstört. Dass all dies keine der genannten Probleme auch nur ansatzweise an der Wurzel zu packen vermag, ist klar. Umso drastischer wird dann eben auch deutlich, dass die Probleme der Welt nicht mit der Geburt eines Menschen stehen oder fallen. Denn der Anblick des Kindes kann den Krieg nur für eine Minute zum Stillstand bringen. Danach geht es ja wie gehabt weiter. Sehr schön wirkt dazu auch eine der letzten Einstellungen: Die vermeintliche Hoffnung, das Neugeborene, ist auf dem Wasser im Boot (Klasse gemacht: keiner hält Mutter und Kind auf dem Weg raus aus der Gesellschaft auf), während die Kampfjets an Land fliegen und die unverminderte Zerstörung des Menschen dort weitergeht. Also obwohl nunmehr das Wissen sich verbreitet, dass nicht alle Menschen unfruchtbar sind, kann dieses "Wunder" offensichtlich überhaupt nicht dazu beitragen, den katastrophalen Kriegszustand der Menschheit zu beenden. Offensichtlich wurde die hoffnungslose Situation, in der sich die Menschheit befindet, fest mit dem Problem der Unfruchtbarkeit verbunden, doch als dieses Problem überwunden wird, muss man feststellen, dass dies an der Situation der Welt nichts ändert.
Damit kommt der Film natürlich nicht aus dieser "Passivität" heraus, von der Du auch schreibst. Schließlich bietet er ja keine Lösungsansätze für die gegenwärtige Misère an. Allerdings wird schon sehr deutlich, dass es vor allem problematisch bleibt, die Welt über permanente Schuldzuweisungen zu definieren. Insofern macht der Film für mich schon sehr deutlich, dass es der Mensch selbst ist, der sich in diese Hoffnungslosigkeit drängt, da er kaum mehr in der Lage ist, die tatsächlichen Probleme überhaupt noch richtig zu bestimmen. Stattdessen begnügt man sich mit schnell gefundenen Feind- und Problemfeldern.
Wie hoffnungslos die Welt tatsächlich beurteilt wird, macht der Film am Ende schließlich überdeutlich. Das Baby befindet sich ja dann, wie bereits erwähnt auf dem Wasser. Dazu müsste ich nun eigentlich mal ganz weit ausholen und im Anschluss an Gilles Deleuze und Félix Guattari den "gekerbten Raum" und den "glatten Raum" erläutern. Ersterer wäre jener Raum, der bereits "bearbeitet" (eingekerbt) wurde, der glatte Raum dagegen lässt sich in dieser Form nicht bearbeiten. Und das Meer ist für Deleuze und Guattari schließlich das Musterbeispiel für einen glatten Raum: Während die Welt gekerbt ist, die Erde also durch die jeweiligen Nationen/Kulturen bearbeitet wurde und nicht mehr im Naturzustand ist, bleibt dass Meer doch stets "unbearbeitet" und glatt. (Ich breche das hier mal ab, da ich dem Film auch nicht zu sehr auf den Leim gehen will). In diesem Zusammenhang ist es dann eben erstaunlich, dass das Baby, die vermeintliche Zukunft der Menschheit, nicht an Land gebracht wird, da dieses bereits derart gekerbt (Krieg) ist, dass es dort keinen Platz mehr findet.
Was ich unter einem System verstehe, liest man am Besten mal hier nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Systemtheorie_%28Luhmann%29
Ich hoffe damit konnte ich erstmal angemessen auf deinen Beitrag reagieren....übrigens ist all dies natürlich auch eine sehr subjektive Sicht meinerseits. Ich möchte an dieser Stelle keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit meiner Überlegungen erheben  |
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Namu Die CineGLobe Perle

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Verfasst am: Do Dez 07, 2006 16:39 Titel: |
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o.k., ne etwaige Vorstellung von dem Film habe ich mir einfach dadurch gemacht, dass das OV-Kino in Vaihingen, das ich besuche nur zwei Kinosaele hat und sich um ein moeglichst ausgwewogenes Programm bemueht.
Da gleichzeitig mit Children of Men noch Casino Royale lief, den man wohl muehelos in die Richtung Popcornblockbusteraction stecken kann, habe ich einfach angenommen, dass das fuer Children of Men nicht zutreffen wird.
Ich hab Dir Deine Frage jetzt trotzdem beantwortet, weil es fuer Dich evtl interessant sein koennte, dass bestimmte Erwartungshaltungen eben auch durch den Ort, an dem der Film gezeigt wird entstehen koennen.
Ich wuerde mich aber lieber doch davor hueten, das Missverstehen eines Filmes oder das Nichtgefallen eines Filmes ausschliesslich auf enttæuschte Erwartungshaltungen zurueckzufuehren.
Deine Interpretation des Kindes und auch des Endes des Filmes fand ich sehr interessant. Ich hatte das anders gesehen, aber wahrscheinlich wirklich missverstanden, den so wie ich es interpretiert hatte, waere es ziemlich, hmmm- banalkitschig?- gewesen. Ausserdem hatte ich das als einen ziemlichen Bruch erlebt, denn so wie ich es gesehen hatte, waere da ja aus voellig heiterem Himmel ein Happyend da gewesen! Hat mich ziemlich aufgeregt.
Aber so wie Du das siehst, ist das Gesamte viel schluessiger.
Versoehnt mich dann auch etwas mit dem Film.
Ich habe aber immer noch ein Problem mit den Charakteren des Films, die mir etwas stereotyp erschienen und mit dem Menschenbild.
Mit letzterem hatte ich ein ziemlich grosses Problem, weil ich fand, dass die Menschen oder eher das normale durchschnittliche Buergertum so schlecht weg kam. Irgendwie hatte ich da das Gefuehl, dass da noch eine etwas ueberholte Sichtweise der "Bourgoisie" aus den 70er/80er Jahren mitschwang, die ich eigentlich nicht ganz teilen kann. Ich glaube, dass diese Schicht wenigstens im Kleinen wesentlich mehr Dinge durchschaut und auch wesentlich mehr engagierter, aktiver ist, als man ihr hier zutraut.
Im Grunde hat mir hier wohl irgendwie ne Identifikationsmoeglichkeit gefehlt. Daher blieb der Film fuer mich auch sehr abstrakt. (Ich hab das eigentlich mit "anderem Weltbild" gemeint. Es ist nicht unbedingt die richtige Bezeichnung. Es kam dem aber am naechsten. Vielleicht koennte man das eher als eine Art Fehlkommunikation im Buberchen Sinn bezeichnen?)
Mich wuerde mal interessieren, von welchen Personen Du annimmst, dass sich der durchschnittliche Zuschauer des Films identifizieren koennte? Und wenn es nur mit den Hauptpersonen waere, wuerde daraus nicht so etwas wie eine Schuldentlastung alla "Gott sei Dank, wir gehoeren ja zu den 'Anderen' entstehen?"
Und noch einmal etwas zu den Charakteren des Films? Meinst Du der Regisseur hat sie absichtlich so stereotyp gewaehlt?
Entschuldige, dass ich so viel frage, aber nach Deinem letzten Post bin ich wohl doch der Meinung, dass ich da wohl einiges falsch gesehen habe und da mir aber waehrend des Films auch einiges im Kopf herumging, haette ich das ganz gerne geklaert. Wenn es Dir aber zu viel ist, dann musst Du natuerlich nicht antworten.
Sehr beeindruckend uebrigens, dass Du die Frage nach dem System beantwortet hast. Es ist naemlich einer dieser schwammigen Begriffe, den nicht unbedingt alle mit der gleiche Bdeutung verwenden, oder besser gesagt, er wird leider auch von vielen verwendet, die sich niemals Gedanken darueber gemacht haben, was sie eigentlich darunter verstehen. |
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plam CineMaster


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Verfasst am: Do Dez 07, 2006 17:19 Titel: |
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Wirklich umfassend will und kann ich an dieser Stelle (noch) nicht auf deine Anregungen antworten.
Dennoch will und muss ich Dir an dieser Stelle in Bezug auf einige deiner genannten Punkte Recht geben: Was die teilweise arg stereotypen Darstellungen betrifft, so kann ich mir darauf bislang auch nicht wirklich einen Reim machen. Auch deinen Kritikpunkt an der bourgoisen Sichtweise möchte ich unterstützen. Dabei fällt mir jedoch auf, dass ich solch "Zukunftsvisionen" schon des Öfteren gesehen habe und bislang nie wirklich verstanden habe, wieso man in 30 Jahren wieder die Musik von "vor 30 Jahren hört".
Ich für meinen Teil empfinde Clive Owen als identifikationswürdig, ebenso wie die junge Mutter. Im krassen Kontrast dazu sehe ich die Person von Owens Vater und den korrupten Polizisten. Deren Darstellung war meiner Meinung nach ein Paradebeispiel für Over-Acting das nervig ist. Doch die oben genannten Hauptakteure des Filmes haben für mein Verständnis durchaus Charakterzüge, die ich als angemessen und glaubhaft bezeichnen würde.
Und noch ein Wort zum Thema "Erwartungshaltung". Ich gebe Dir absolut Recht, wenn Du sagst, dass man das Nichtgefallen eines Filmes nicht ausschließlich auf nicht erfüllte Erwartungen schieben soll. Dies ist, ebenso wie tausend andere Aspekte, eben immer nur ein kleiner Teil zur Bewertung eines Filmes - der jedoch aus Publikumssicht gern unberücksichtig bleibt (man gibt sich schlichtweg nicht gern die Schuld nach einer Enttäuschung). Ich wollte vielmehr darauf aufmerksam machen, dass es dennoch oft sinnvoll ist, einen Film nicht sofort abzulehnen, nur weil man beim ersten Ansehen nicht überzeugt wurde....
aber wie gesagt: ich wollte diesen Aspekt nur mal zum Nachdenken einbringen, dies soll keine ultimative Formel zur Bewertung von Filmen werden.  |
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