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plam CineMaster


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Wohnort: Jena
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Verfasst am: Fr Okt 12, 2007 22:55 Titel: Dancer in the Dark |
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DANCER IN THE DARK
Dänemark, 2000
Laufzeit: 134min.
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Darsteller: Björk, Catherine Deneuve, David Morse, Peter Stormare, Udo Kier
Inhalt:
Selma, eine tschechische Einwanderin in einem amerikanischen Kaff im Nirgendwo, ist schwer krank. Sie weiß, dass sie eines Tages völlig erblinden wird. Die Krankheit ist erblich, daher muss sie ebenso mit der traurigen Gewissheit leben, dass auch ihr Sohn Gene eines Tages sein Tageslicht verlieren wird. Geplagt von Schuldgefühlen, da sie die Geburt ihres Sohnes trotz des Wissens über die Krankheit in Kauf genommen hat, ist sie von einem einzigen Ziel besessen: Sie will so viel Geld wie nur irgendwie möglich auftreiben, um Gene noch rechtzeitig die rettende Operation zahlen zu können und die Blindheit zu ersparen. Dafür arbeitet sie fast rund um die Uhr und verschweigt Jedem in ihrem Umfeld ihre persönliche Situation...
Das Paar, bei dem Selma und Gene untergekommen sind, kümmert sich rührend um die Beiden. Doch Bill, das Familienoberhaupt, hat ebenfalls ein Geheimnis, von dem bislang noch nicht einmal seine Frau etwas weiß: Seine Erbschaft ist geplatzt und so ist er nicht einmal mehr in der Lage, die nächste Hypothek für das Haus zu bezahlen...
In ihrer Verzweiflung vertraut sich Selma Bill an und erzählt von ihrer Krankheit, dem bevorstehenden Schicksal ihres Sohnes - und fatalerweise auch von den 2000 $ die sie bereits gespart hat und wo sie diese versteckt hält. Bill sieht keinen Ausweg mehr und eignet sich dieses Geld an. Doch Selma ertappt ihn. In einem Handgemenge löst sich ein Schuss aus einer Waffe und verletzt Bill. Er will das Geld dennoch nicht freigeben und zwingt Selma so zum Äußersten: Sie erschießt Bill.
Die Tat bringt Selma ins Gefängnis. Zur Verhandlung schweigt Selma, weil sie Bill versprochen hat, dass niemand etwas über seine finanzielle Notlage erfahren wird. Sie schweigt aber auch, da niemand davon erfahren soll, dass das Geld bereits bei einem Arzt ist, der die notwendige Operation vornimmt. So bleibt Selma vor Gericht die egozentrische, kaltblütige Mörderin und wird schließlich zum Tode verurteilt. Sie kann in Revision gehen, doch dazu bräuchte sie das Geld, welches für ihren Sohn gedacht ist. Damit Gene nicht erblinden muss, findet sich Selma mit der Todesstrafe ab.
Kritik:
Zugegeben, die Einleitung vermag fast schon den Inhalt des gesamten Films, zumindest aber die wichtigsten Eckpfeiler der Geschichte zu offenbaren. Und trotzdem sollte man dieses Meisterwerk des Dänen Lars von Trier sehen, auch wenn man nun schon so Vieles weiß. Denn entscheident ist bei "Dancer in the Dark" nicht unbedingt nur das, was erzählt wird, sondern im Wesentlichen auch, wie es erzählt wird. Und gerade das WIE entspricht in diesem Falle einer ungeheuren und ergreifenden Wucht, wie man sie eigentlich nur noch im "wahren" Leben erleben kann.
Typisch für Regisseur von Trier ist das Verschwinden des Schauplatzes. Zuletzt hat er den Raum des Films ja fast völlig zum Verschwinden gebracht, als er mit seinem Film "Dogville" das gesamte Set auf einer dürftig ausgestatteten Theaterbühne aufgebaut hat. In "Dancer in the Dark" ist es vor allem die Handkamera und die ungeheure Anzahl extremer Nahaufnahmen. Damit zeigt uns der Film schon, worauf es ankommt: es geht um den Menschen und nicht so sehr um das wo. Schmutzig, verwackelt, rau und farblos, dies sind die Bilder dieses Dramas . Zunächst mag diese Erzählweise etwas stören, so sehr wackelt die Kamera und so grau und schlecht ausgeleuchtet wirkt jede Einstellung. Doch je tiefer man in die Tristesse der Geschichte vordringt, desto mehr muss man sich selbst eingestehen, dass tolle Einstellungen, Panoramaaufnahmen und dergleichen hier einfach nichts verloren haben. Dies ist das wahre Leben. Hollywoods große Techniken der Inszenierung müssen draußen bleiben. Und irgendwie ist dieser Drang, Emotionen zu zeigen doch auch eine ganz große Leistung des Kinos, die sonst, auf Grund der Bilderflut zumeißt völlig untergeht. Lars von Trier holt sie uns jedoch zurück auf die große Leinwand.
Dennoch gibt es diese merkwürdigen Brüche. Plötzlich blitzt sie für kurze Momente auf, die große Inszenierung, das ganz große Kino. Selma flüchtet sich zunehmend in ihre kleine imaginierte Welt. Sie liebt Musicals und so träumt sie sich fortan immer öfter selbst in große Musicalaufführungen hinnein. Von Trier zeigt hier alles, was das Kino zu bieten hat: Verschwunden sind die grobkörnigen Handkameraaufnahmen. Die Farbe, ebenso wie aufwändige Kamerafahrten feiern den Einzug in "Dancer in the Dark". Dies wirkt jedoch in keinem Moment kitschig oder unpassend. Ganz im Gegenteil: die bewusste Bebilderung des Traums, das bewusste Inszenieren des Irrealen ist zugleich das größte Geschenk an den Film. Denn umso realer und schließlich auch beklemmender wirkt nun zwangsläufig der gesamte Rest des Films.
Mit Björk hatte der Regisseur zweifelsfrei den richtigen Riecher. Die isländische Sängerin mit der wohl weltweit einmaligen, unverwechselbaren Stimme steuerte zugleich den gesamten Soundtrack zum Film bei. So entstammen schließlich auch alle Songs, die im Film während der Musicalpassagen aufgeführt werden, von ihr. Doch nicht nur das gesangliche Talent von Björk kann überzeugen. Ihre Rolle ist sozusagen omnipräsent während des ganzen Filmes über. Kaum eine Szene kommt ohne Björk aus. Dabei darf der Zuschauer in diesem Musicaldrama keine hoffnungsvollen Momente erwarten. Gemeinsam mit Selma begibt man sich auf den mehr als zwei Stunden andauernden Abstieg bis zum Tod, dessen Darstellung umso drastischer und schockierender in Szene gesetzt wurde.
Erneut stimmt Björk/Selma ein Lied an, ganz so, wie man es während des Films immer wieder in ihren Träumen erlebt hat. Nur ist dies nun kein Traum mehr. Die Schlinge ist schon um den Kopf gezogen, die Strophe kann Selma nicht mehr zu Ende singen. Danach braucht man erst einmal ein paar Minuten, bis man sich aus dem Sessel erheben kann und überhaupt über den Film nachdenken kann. Das Ende wirkt noch lange nach. Die letzten Töne Selmas schwirren noch im Kopf, so wie die letzten Worte einer Verstorbenen...
Die DVD-Veröffentlichung muss dabei im Vergleich zur Kinofassung leider eine kleine Schwachstelle hinnehmen. Lars von Trier begann seinen Film in der Kinofassung mit mehr als drei Minuten Schwarzbild, um so auf das Schicksal der blinden Selma zu verweisen. Die DVD hingegen beginnt mit einer merkwürdigen und unmotivierten Farbeinblendung über die Dauer der drei Minuten hinweg. Offensichtlich war es dem Verleih wohl zu heikel, eine DVD mit schwarzem Bild beginnen zu lassen. Zu groß wäre wohl der Ansturm der Reklamationen gewesen, weil die Bildspur am Beginn möglicherweise defekt sei. Damit geht dem Film natürlich ein ganz zentraler Moment verloren. Ansonsten gibt es bei der hierzulande erhältlichen DVD-Veröffentlichung jedoch nichts zu beanstanden.
Dancer in the Dark
Bildformat: 16:9/Widescreen 1:2,10
Tonformate: Deutsch DD 5.1/Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Lauflänge: 134min+15min Bonusmaterial
_________________ plams DVD-Sammlung
FilmDenken - Texte zum Film
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