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yun CineMaster


Anmeldedatum: 28.03.2008 Beiträge: 2262
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Verfasst am: So März 21, 2010 14:56 Titel: Das Gespenst der Freiheit |
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Das Gespenst der Freiheit
(Italien / Frankreich 1974)
Regie: Luis Bunuel
Drehbuch: Luis Bunuel und Jean-Claude Carrière
DarstellerInnen: Viele DarstellerInnen
Spielfilmlänge: 100 min.
Wer noch nie einen Film Luis Bunuels sah, wird in Das Gespenst der Freiheit einem Regisseur und Drehbuchautor begegnen, der eine unbändige Lust daran hat, alle üblichen Konventionen auf den Kopf zu stellen, gesellschaftliche Tabus zu brechen, das undenkbare und unaussprechliche in elegant geführten Gesprächen ganz nebenbei auszuplaudern, den Vorhang des Scheins phantasievoll und mit Macht zur Seite zu schieben, um dahinter die Wahrheit in ihrer unverhüllten Nacktheit zu entblößen, nicht zusammengehörendes einander gegenüber zu stellen, um daraus einen neuen Blickwinkel auf das Wesen der Dinge und vor allem, das Wesen des menschlichen Zusammenseins zu gewinnen und ins kritische Licht der Erkenntnis zu stellen und damit manchmal auch der Lächerlichkeit preis zugeben, mit anderen Worten, Luis Bunuel ist jemand, der mit den Erwartungen und Sehgewohnheiten des Zuschauers spielt, um ihn aufs immer neue zu überraschen, nicht, um ihn zu zerstreuen oder in Sicherheit zu wiegen, sondern ihn durch die ungewöhnlichsten Sichtweisen zum nachdenken zu verführen. Luis Bunuel muss zu seiner Zeit ein wahrer Bürgerschreck gewesen sein, denn was könnte schlimmer sein, als die Menschen zum selbstständigen Denken anzustiften?
Das Gespenst der Freiheit ist voll von surrealistischer Ideen und Einfällen, die ich an dieser Stelle nicht weiter beschreiben werde, da man sie wirklich gesehen haben muss. Vieles karikiert und greift die herrschenden gesellschaftlichen Normen zur Entstehungszeit des Filmes an. Manches davon hat sich in der Zwischenzeit aber von selbst überlebt und was damals noch als ein unerhörter Angriff auf das sittliche (moralische, politische, religiöse, sexuelle, gesellschaftliche etc.) Empfinden wahrgenommen werden musste, wird heute kaum noch eine müde Reaktion auszulösen imstande sein.
Dennoch hat sich im Grunde nicht so viel seit Bunuels Zeit geändert, auch heute gibt es noch gesellschaftliche Tabus, alte wie neue, an denen niemand ernsthaft zu rütteln wagt, da sie vermeintlich als die Gesellschaft erhaltend angesehen werden. Von oben wird nicht an ihnen gezweifelt, da man bemüht ist, seinen eigenen Status durch sie zu bewahren und von unten nicht, da einem immer noch Tag für Tag gesagt wird, was man zu denken und zu glauben hat.
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