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Verfasst am: Di Dez 02, 2008 21:32 Titel: Der letzte Kampf-Filmkritik |
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Der letzte Kampf
Regisseur: Luc Besson
Originaltitel: Le Dernier Combat
Darsteller: Jean Reno, Pierre Jolivet, Fritz Wepper, Jean Bouise, Christiane Krüger
FSK: ab 12 Jahren
Produktionsjahr: 1983
Laufzeit: 89 Minuten
Genre: Science-Fiction
Luc Besson steht für internationales Kino, für Filme wie Leon der Profi, Nikita, Im Rausch der Tiefe oder Das fünfte Element. Jean Reno kann inszwischen ebenfalls auf eine bewegte Karriere zurückblicken und hatte seine besten Rollen in Filmen von- genau, Luc Besson.
Doch angefangen hat ihre Zusammenarbeit im Jahr 1983, als beide noch völlig unbekannt waren in Der letzte Kampf, Bessons erstem abendfüllenden Spielfilm, in dem Reno seine erste größere Rolle hatte.
Zur Handlung:
Die ersten Minuten zeigen „den Mann“ (Pierre Jolivet), die namenlose Hauptfigur, durch die Ruinen einer postapokalyptischen Welt wandern, in der scheinbar nichts unbeschädigt ist. Es gibt weder Tiere noch Menschen, nur verfallende, marode Gebäude in einer Steinwüste, Überreste der Zivilisation wie wir sie kennen.
Der Mann geht seinem geistlosen Alltag nach, bis er plötzlich eine barbarenartige Bande entdeckt, die mehr oder weniger in Autos lebt.
Nach einer Konfrontation und anschließender Flucht mit einem selbstgebauten Flugzeug stürzt der Mann ab, wobei die Szenerie sich nicht verändert, scheinbar ist die ganze Welt verwüstet.
Auf der Suche nach Wasser begegnet der Mann dem Rohling (Jean Reno), der ihn sofort attackiert. Dem Mann gelingt es, dem Rohling verletzt zu entkommen, er stolpert durch die Ruinen und begegnet dem Doktor (Jean Bouise), der ihm hilft und ihn verarztet.
Die beiden unterschiedlichen Einzelgänger bauen langsam eine Freundschaft auf, doch der Doktor hat ein Geheimnis…und auch der Rohling ist nach wie vor hinter seinem Feind her...
Der Doktor (links) und der Mann (rechts) beim gemeinsamen Essen.
In Der Letzte Kampf hat Besson zwar das Genre nicht neu erfunden, schaffte es aber mit jungen Darstellern und wenig Budget eine tolle, atmosphärische Welt zu entwerfen, die die Basis ist für einige gute Ideen.
Das charakteristischste Merkmal des Films ist, dass im gesamten Film nur zwei Sätze gesprochen werden, was in den ersten Minuten gar nicht auffällt. Scheinbar hat die (atomare?) Katastrophe den Überlebenden ihre Stimme gekostet, sämtliche Menschen geben lediglich gutturale Laute von sich, Gespräche finden nur über Mimik und Gestik statt. Die Menschen sind nicht nur ihrer Technik beraubt, sondern auch ihrer Sprache, sie töten mit primitven Waffen um zu überleben in einer unfruchtbaren Welt, in der es weder Vergnügen noch Glück gibt. Was unterscheidet die Menschen da noch von den Tieren?
Durch die fehlende Sprache wird der Zuschauer gezwungen, sich näher mit den Charakteren und ihren verschiedenen Ausdrucksformen zu beschäftigen, was immer dann spannend wird wenn ein fremder Charakter erscheint und der Zuschauer sich über dessen Motive im Unklaren ist. Besson lässt den Zuschauer entscheiden und macht sein Werk so interpretierbar.
Freizeit
Was mir ungemein gefallen hat ist die Tatsache, dass gar nicht erst der Versuch unternommen wird, die Welt von Der letzte Kampf zu erklären. Die Ausgangssituation ist offen, es wird nie thematisiert wie es zu der Katastrophe kam und wie diese eigentlich aussah. Auch hier kann der Zuschauer entscheiden, es bietet sich ein großer Raum zu diskutieren oder zu interpretieren.
Endgültig den Boden unter den Füßen verlieren einige Theorien vielleicht dann, wenn Besson die ganze Welt in Frage stellt und surreal wird. Ohne dass es störend wirkt, baut der Regisseur einige Elemente ein, die die Handlung vorantreiben und neuen Interpretationen Nahrung geben, sodass Der letzte Kampf auch für mehrfache Sichtungen infrage kommt, um die Details zu ergründen.
Dementsprechend schwer ist es, ein spezifisches Genre zu nennen, Der letzte Kampf entzieht sich nämlich aus einigen Konventionen. Hauptsächlich ist es Science-Fiction, hat allerdings nur einige Elemente davon. Andererseits hat der Film Momente, die man eher im klassisches Action-Kino der 80er Jahre erwartet. Außerdem gibt es einige Szenen, die zumindest mich zu brüllendem Gelächter veranlasst haben. So ist Der letzte Kampf eine Genre-Melange unter dem Mantel des Science-Fiction-Films.
Freund oder Feind?
Der Atmosphäre zuträglich sind auch die Schwarz-Weiß-Bilder, die den Schauplatz noch mehr von der Realität entfernen und die Welt stumpfer wirken lässt. Besson nutzt die Kontraste sehr geschickt, indem er sehr häufig für schnelle Übergänge zwischen hellen und dunklen Bildern, Räumen und Landschaften sorgt.
Hervorzuheben ist auch der Score, der wegen der fehlenden Dialoge die schwierige Aufgabe hat der Alleinunterhalter auf der Audiospur zu sein. Diese Aufgabe wird bravourös gemeistert, die Musik passt immer, ist nie zu sehr im Vordergrund und doch eminent wichtig für die Spannung und Dramatik, genau so muss es sein. Gerade anfänglich wird in einigen Szenen komplett auf Musikuntermalung verzichtet, was die existenzielle Grundstimmung unterstützt.
Jean Reno sticht schon in seiner Nebenrolle aus dem Ensemble heraus und schafft es, aus der recht stereotypen Rolle einen Typ zu formen. Die beiden Hauptdarsteller spielen ebenfalls gut und machen eine Identifizierung leicht.
Reno als der Rohling
Negativ anzumerken ist, dass die ersten vierzig Minuten sich arg in die Länge ziehen. Die Szenen, in denen der Mann schweigend durch endlos grau Bauten oder Wüsten zieht, beschreiben zwar sehr schön die endlos öde Welt, sind nach zwanzig Minuten aber einfach zu viel, der Zuschauer wartet auf mehr, auf Handlung.
Diese folgt dann und macht die zweite Hälfte des Films sowohl kurzweilig als auch spannend.
Fazit:
Der letzte Kampf ist ein surreales Stück Filmkunst, das anfangs etwas sperrig ist, dann aber auf ganzer Linie zu überzeugen weiß und auf jeden Fall zu empfehlen ist für Fans von Besson, Reno oder Freunden des Arthaus-Kinos.
Auszeichnungen
1983: Spezialpreis der Jury beim Filmfestival des Fantastischen Film in Avoriaz
1983: Kritikerpreis beim Brussels International Festival of Fantastic Films
1984: Großer Preis für den besten Film bei Fantasporto
1984: Nominiert für den César in der Kategorie Bester Debütfilm
IMDB: http://german.imdb.com/title/tt0085426/
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