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FrEaKnoT CineMaster


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Verfasst am: Fr März 05, 2010 20:37 Titel: Die Frau in den Dünen |
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Bin mal wieder völlig überraschend von einem Film überwältig worden und möchte euch auf diese Perle aufmerksam machen:
Die Frau in den Dünen
Jahr: 1964
Regisseur: Hiroshi Teshigahara
Darsteller: Eiji Okada, Kyôko Kishida
Länge: 147 Minuten (Directors Cut)
FSK: ab 18
IMDB: http://www.imdb.com/title/tt0058625/
Inhalt:
Ein Lehrer, der auf der Suche nach Wüstenkäfern den Bus zur Rückfahrt verpasst und, ohne Möglichkeit die Wüste zu verlassen von den Dorfbewohnern bei einer Frau einquartiert wird. Ihr Haus ist von meterhohen Dünen umgeben, die nur mit einer Strickleiter zu bezwingen sind. Doch als er am nächsten Tag nach oben will ist die Leiter verschwunden und der Lehrer wird gezwungen, nie endende Fluten von Sand wegzuschaffen und sich dem Leben in der Wüste anzupassen.
Kritik:
Der Film ist ein Erlebnis, fängt den Zuschauer schon nach kurzer Zeit mit hypnotischen Bildern ein. Dazu trägt die fantastische, reduzierte Musik sehr viel bei, trotz der Laufzeit von 147 Minuten und des nie wechselnden Handlungsortes fesselt der Film. Die Reduktion und Konzentration auf existenzielle Themen findet in der Handlung den idealen Nährboden und mündet in einem nachdenklich machenden Schluss. Die Frau in den Dünen ist nicht einfaches, aber gelungenes Kunstkino, das die Wucht der Natur und die Nichtigkeit der Menschen abseits von Konsumwelten durch körperlich fast fühlbare Bilder porträtiert. Ähnlich nihilistische Bilder habe ich bisher nur in Gus van Sants Gerry gesehen.

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yun CineMaster


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Verfasst am: Sa März 06, 2010 13:23 Titel: |
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Gefallen hat mir der Film auch, Freaknot ...
Eine mögliche Interpretation des Filmes wäre ...
Der Sand steht für das (gesellschaftliche) System und die Sandgrube für die moderne (kapitalistische) Arbeitswelt. Es gibt darin ein oben (den Nutznießer des Systems, so etwas wie die Arbeitgeber, die für den Vertrieb und Verkauf des Sandes sorgen und die auch die Produktionsmittel zur Verfügung stellen – sie befinden sich in diesem System auf der Düne) und ein unten (die Frau und ihr Helfer, mit anderen Worten, die Arbeitnehmer – sie befinden sich ganz unten in der Sandgrube).
Die Frau und ihr Helfer gewinnen den Sand vom Boden der Sandgrube und geben ihn an den Männern ab, die sich oben auf der Düne befinden, wofür sie Naturalien (knapp bemessene Wasser- und Lebensmittelrationen) als Lohn bekommen. Arbeit gegen Lohn und wer in diesem System nicht arbeitet, bekommt auch keinen Lohn (die Rationen wurden während der Zeit der Arbeitsverweigerung des Mannes zwar nicht eingestellt, dafür aber umgestellt, nämlich in Zigaretten und Alkohol, welche den Durst nach dem fehlenden Wasser nur verstärken sollen, um ihm seine Abhängigkeit davon zu verdeutlichen bzw. bewusst zu machen).
Die Sandgrube und damit das herrschende System gleicht einem Gefängnis und lässt eine Flucht (des Mannes, dem im Gegensatz zur Frau bewusst ist, in einem Gefängnis zu leben) bzw. einen Wechsel des Systems nicht zu. Das System der Sandgrube lässt sich zwar überlisten (wofür eine gewisse kriminelle Energie gehört – zumindest in den Augen des Systems), doch tauscht man damit nur eine Form (Sandgrube) gegen eine andere Form (Treibsand) des Systems ein (dem Sand selbst kann man auf diese Weise aber nicht entkommen, soll heißen, der hinterlistige bzw. gewaltsame Versuch innerhalb des Systems auf eine andere Ebene zu gelangen, ist mit erheblichen Gefahren für einen selbst verbunden).
Sich innerhalb des bestehenden Systems gegen das System zu erheben (indem man daraus zu flüchten versucht) ist demnach nutzlos und vergeblich.
Dinge und Interessen, die dem System nicht dienen (Insektensammlung des Mannes und die damit verbundene intellektuelle Leistung) sind für den Erhalt und das Bestehen des System im Grunde vollkommen nutzlos.
Der Mann gab erst in dem Augenblick seine Fluchtversuche auf, als er es verstand, das System für seine Interessen zu nutzen (durch die Gewinnung von Süßwasser aus dem Sandboden der Grube mit Hilfe eines großen Bottichs). Womit er eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber seinen Arbeitgebern erlangt (indem er selbst zu einem Unternehmer wird, wenn auch nur im kleinen Rahmen), zumindest von ihren knapp bemessenen Wasserrationen. |
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FrEaKnoT CineMaster


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Verfasst am: Sa März 06, 2010 13:47 Titel: |
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Ganz tolle Interpretation! Meine Gedanken gingen in dieselbe Richtung, waren aber längst nicht so klar artikuliert. danke also für deine Hilfe  _________________ Mehr als 1200 Kurzkritiken und einige Specials zu Filmen aller Genres und Zeiten:
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yun CineMaster


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Verfasst am: Sa März 06, 2010 15:39 Titel: |
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Danke ... hm ... vom gleichen Regisseur gibt es noch einen Film der ganz ähnliche Qualitäten besitzt >>> Pitfall ... wo es um streikende Bergarbeiter geht, die gegeneinander aufgehetzt werden (damit sie Ruhe geben) ... das ganze ist in eine groteske Geschichte eingebettet, die aber ähnlich wie Die Frau in den Dünen übersetzt werden kann und die scharfe Kritik an den herrschenden Verhältnissen in Japan übt ...
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FrEaKnoT CineMaster


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Verfasst am: Sa März 06, 2010 17:42 Titel: |
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Na der Regisseur wird von mir definitv noch die eine oder andere Chance erhalten.
Die österreichische Firma Polyfilm bringt im Laufe des Jahres eine DVD Collection zu raren, japanischen Filmen jenseits von Kurosawa heraus, einige davon sind auch schon erhältlich und sehen schick aus, kennt jemand hier schon einige der Filme? Sind die zu empfehlen?
Hier ist die Übersicht: http://xurl.jp/vu5b
Von Oshima habe bisher nur Im Reich der Sinne gesehen, von Ozu noch gar nichts, habe aber Die Reise nach Tokyo auf meiner Liste.
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yun CineMaster


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Verfasst am: Sa März 06, 2010 19:59 Titel: |
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| FrEaKnoT hat Folgendes geschrieben: |
| Von Oshima habe bisher nur Im Reich der Sinne gesehen, von Ozu noch gar nichts, habe aber Die Reise nach Tokyo auf meiner Liste. |
über ozus film habe ich einmal hier etwas geschrieben ...
http://www.cineglobe.de/forum/viewtopic,p,22602,highlight,ozu.html#22602
| FrEaKnoT hat Folgendes geschrieben: |
| Die österreichische Firma Polyfilm bringt im Laufe des Jahres eine DVD Collection zu raren, japanischen Filmen jenseits von Kurosawa heraus, einige davon sind auch schon erhältlich und sehen schick aus, kennt jemand hier schon einige der Filme? Sind die zu empfehlen? |
falls du einmal einen sehr guten film kurosawas jenseits seiner samurai bzw. roninfilme sehen möchtest, kann ich dir diesen empfehlen ...
http://www.cineglobe.de/forum/viewtopic,p,22163,highlight,high.html#22163
| FrEaKnoT hat Folgendes geschrieben: |
| Von Oshima habe bisher nur Im Reich der Sinne gesehen, von Ozu noch gar nichts, habe aber Die Reise nach Tokyo auf meiner Liste. |
und über einen sehenswerten film oshimas ... hier ...
http://www.cineglobe.de/forum/gohatto-t2242.html |
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FrEaKnoT CineMaster


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Verfasst am: Sa März 06, 2010 20:17 Titel: |
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Wird alles vorgemerkt und hoffentlich bald geguckt, bin dank Die Frau in den Dünen mal wieder zu Asia-Experimenten bereit. _________________ Mehr als 1200 Kurzkritiken und einige Specials zu Filmen aller Genres und Zeiten:
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