plam CineMaster


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Wohnort: Jena
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Verfasst am: Fr Sep 19, 2008 09:21 Titel: Die Kammer der toten Kinder |
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DIE KAMMER DER TOTEN KINDER
Frankreich 2007
Regie: Alfred Lot
Zwei junge Männer am Abend des Tages, an dem sie ihren Job verloren haben: Wütend und angetrunken beschmieren sie die Wände auf dem Fabrikgelände ihres Arbeitgebers. Dann fahren sie ziellos durch die Stadt und finden sich schließlich auf einem alten Industriegebiet am Hafen ein. Dort sind sie früher immer schon Autorennen gefahren und so wollen sie auch heute abend noch einmal den Alltag vergessen und rasen wie wahnsinnig durch die Nacht. Doch plötzlich taucht ein Mann vor ihnen auf. Bei Tempo 160 ist jede Chance vertan, auszuweichen. Der Unbekannte, der durch die Nacht schlich, ist auf der Stelle tot.
Was nun? Die Polizei rufen? Dann wandern beide in den Knast. Doch die Sache ist weitaus komplizierter, als beide zunächst glauben. Der Unbekannte trug eine Tasche bei sich, in der sich 2 Mio Euro befinden. Sollen sie die Leiche einfach verschwinden lassen und das Geld mitnehmen? Wie würdest Du Dich entscheiden....
Am Tag danach stirb ein kleines Mädchen, nicht weit vom Unfallort der vorherigen Nacht entfernt. Kurz darauf verschwindet das nächste Mädchen spurlos. Was wäre, wenn der Unbekannte mit dem Geld unterwegs war zu einer Lösegeldübergabe? Haben die beiden betrunkenen Autofahrer nun das Blut des toten Kindes an ihren Händen? Hat der Killer sie eventuell die ganze Zeit nach dem Unfall beobachtet?
Was soll der Killer tun, wenn er sein Geld haben will? Findet er die Beiden noch vor der Polizei?
Eine Unmengen kluger Fragen wirft der Film gleich von Beginn an auf und zieht den Zuschauer ohne jegliche Umwege direkt ins Geschehen. Ohne zu wissen, um was es sich bei diesem Film handelt, habe ich einfach mal auf Verdacht zugeschlagen und bin durchweg angenehmn positiv überrascht von der Qualität dieses Thrillers aus Europa. Ganz anders als in Hollywood-typischen Filmen dieser Art geht man hier vor, und bleibt doch den Genrekonventionen, die schlichtweg trotzdem dazu gehören treu.
Der Film ist voller Tristesse, Dunkelheit, Trostlosigkeit. In Frankreich gedreht sind die Bilder des Films jedoch nicht dort zu lokalisieren. Der Ort des Geschehens ist der dunkle Ort des Verbechens, der genau so überall auf der Welt zu finden ist. Die dichte Atmosphäre zu Beginn des Films zeigt zwar hier und da einige Schwächen, im Großen und Ganzen weiß sie jedoch, den Betrachter in seinen Bann zu ziehen.
Und dann folgt das akribische Puzzle-Spiel der neuen, jungen Profilerin der Polizei. Stück für Stück legt sie jedes noch so unwichtige Detail auf die Waage und reimt sich allmählich das gesamte Ausmaß des Verbrechens zusammen.
Doch "Die Kammer der toten Kinder" schafft neben diesem klassischen Thriller noch mehr, als das bloße Auflösen eines Verbrechens gebunden an den steten Wettlauf gegen die Zeit. Der Film nimmt sich deutlich mehr Zeit als seine vergleichbaren, amerikanischen Kollegen. Und er vereint eine Vielzahl kleinerer Geschichten, die allesamt durch das Verbrechen zusammengehalten werden.
Da sind zunächst die eingangs erwähnten beiden Männer kurz nach ihrer Entlassung. Ihr Handeln wird nicht gerechtfertigt, die ausweglose Situation, die die beiden zum Äußeren treibt, wird aber dennoch plausibel und verständlich und nachvollziehbar gezeigt.
Dann ist da noch die junge Polizistin, die sich - kaum ernst genommen - gegen ihre Kollegen erst noch behaupten muss. Auch sie hat ihre Probleme, die Einsamkeit einer alleinerziehenden Mutter, die wegen ihres Berufs viel zu wenig Zeit für ihre Zwillinge hat.
Und natürlich ist da noch ein Kindermörder, dessen Hintergründe allmählich ans Tageslicht gebracht werden und sogar eine kryptisch bleibende Verbindung zur Polizistin möglich machen.
Dies alles ist grundsolide, spannend und stets nachvollziehbar erzählt und gerade dies, die thriller-typische Spannung gepaart mit einer ordentlichen, komplexen Geschichte, die über das übliche 08/15-Thriller-Genre hinausgeht, macht diesen Film durchaus sehenswert.
Nun könnte man diesen Film jedoch zu schnell abtun als simplen Abklatsch vom"Schweigen der Lämmer". Eine grandiose Szene, die offenbar die Überführung des Killers zeigen soll, ist direkt aus dem "Schweigen der Lämmer" kopiert. Und nicht zuletzt erinnert natürlich die sehr junge Polizistin - die Neue auf der Wache - nur zu gut an Agent Sterling, die sich mit Hannibal auseinandersetzte. Doch es wäre zu kurzsichtig, den Film daher als Abklatsch abzutun. Vielmehr scheint es sich hierbei doch - vorsichtig ausgedrückt - um eine Art Hommage an "Das Schweigen der Lämmer" zu handeln.
In einer kleinen, narrativ kaum ernst zunehmenden Szene, bezieht man sich schließlich direkt auf das große Vorbild. Die Polizistin ist noch unter der Dusche als sich ihr Kollege sämtliche Bücher aus dem Studium der Profilerin ansieht. Harte Brocken der Kriminologie und Psychologie, wie er findet. Daraufhin empfiehlt seine Kollegen ihm die rechte, untere Ecke des Bücherregals, denn dort steht "leichtere Kost". Er greift willkürlich nach einem Buch. Es ist "Das Schweigen der Lämmer".
Und tatsächlich wirkt "Die Kammer der toten Kinder" durchaus härter als "Das Schweigen der Lämmer". Emotional weiß der Film aus meiner Sicht zumindest deutlich mehr zu überzeugen, als dies bei "Hannibal" der Fall war. Damit soll nun aber nicht gesagt werden, dass "Das Schweigen der Lämmer" schlechter sei, als dieser Film hier. Vielmehr macht gerade diese Szene deutlich, dass man sich durchaus an Hannibal orientiert hat, aber dennoch andere Wege der Narration beschreitet.
In Sachen Spannung ist "Das Schweigen der Lämmer" ohnehin kaum zu toppen und auch aus schauspielerischer Sicht kann "Die Kammer der toten Kinder" einfach nicht mithalten. Doch während sich der eine Film auf den Charakter des perfiden Wahnsinnigen und dessen Spiel mit Agent Sterling konzentriert, interessiert sich der andere Film mehr für die einfachen Menschen, deren Probleme und die Hilflosigkeit, wenn man mit einem Verbrechen konfrontiert wird, welches man selbst kaum begreifen kann. Und nicht zuletzt geht natürlich auch der tragische Tot des Mädchens, der möglicherweise verhindert werden konnte, sehr nah, ebenso wie der Strudel, in den die beiden Autofahrer dann geraten und die nächste Katastrophe sich erst andeutet und dann mit ungeschönter Härte zuschlägt.
Dabei muss man diesem Film noch ein Kompliment machen. Denn trotz aller Härter verzichtet er daneben auf plakative Darstellungen von Gewalt. Was mit dem Kindgeschehen ist, erfährt man bspw. nur durch das Vorlesen der Polizeiberichte. Gezeigt wird im Grunde genommen nichts. Und auch dies macht der Film völlig richtig, denn wie schon gesagt, geht es hier nicht um Effekte und Ekel, sondern um die Charaktere hinter dem Geschehen.
Abschließend möchte ich diesen Film durchaus als Geheimtipp empfehlen. Es ist sicherlich nicht der beste, großartigste Thriller, den man jemals gesehen hat, aber es ist ein durchaus interessanter, spannender und erfrischend neuer Thriller, den man nicht bereuen wird, gesehen zu haben.
Die Leih-DVD ist bereits erhätlich. Die Kauffassung erscheint am 9.10.2008
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Zuletzt bearbeitet von plam am Fr Sep 19, 2008 09:33, insgesamt einmal bearbeitet |
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