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Gomorrha Reise in das Reich der Camorra

 
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plam
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Anmeldedatum: 20.09.2006
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BeitragVerfasst am: Fr Sep 12, 2008 09:11    Titel: Gomorrha Reise in das Reich der Camorra

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Bundesstart: 11.9.2008

Regie: Matteo Garrone (nach dem Bestseller-Roman "Gomorrha" von Roberto Saviano)

Ausgezeichnet in Cannes 2008 mit dem großen Preis der Jury


Fünf Einzelepisoden erzählen jeweils die Geschichte von Menschen, wie Du und ich, die - wodurch und warum auch immer - Teil der Camorra werden, einer der einflussreichsten Mafia-Gruppierungen in Italien. Geblendet vom Geld, von Macht und jenseits von Moral zeigt der Film den Abstieg in die Kriminalität. Anders, als dies sonst bei Mafiaverfilmungen der Fall ist, wird man hier jedoch nicht direkt Augenzeuge der Strukturen der Camorra. Zu sehen sind nicht die ganz Großen, die im Hintergrund die Strippen ziehen. Nicht einmal das Wort Camorra taucht im Film ein einziges Mal auf. Stattdessen sieht man Kinder, Halbstarke, die die gefährliche Drecksarbeit in ihrem heruntergekommenen Arbeiterviertel für Männer erledigen, die sie im Grunde gar nicht kennen.

Das ist der 13-jährige Totò, der schon immer Teil der Camorra sein wollte und bei einer Razzia in seinem Block seine große Chance sieht, sich zu "empfehlen". Kurz darauf eskaliert ein Bandenkrieg in seinem Viertel und stellt ihn vor die Entscheidung zwischen seinem Clan oder seinen Freunden.

Da sind auch noch Marco und Ciro, die so gern so sein möchten wie ihr großes Vorbild Montana aus "Scarface". Die Faszination zum Film artet alsbald in immer brutalere Raubüberfälle aus.

Und da ist bspw Roberto, frischer Absolvent von der Uni mit den besten Chancen auf ein erfolgreiches Leben. Doch das Angebot, in die Müllbeseitigung der Camorra einzusteigen ist für ihn verlockender und zieht bald fatale Folgen mitsich.

Die drei Beispiele machen bereits deutlich, dass der Film die Geschichte derer erzählt, die im Grunde keine Kriminellen sind. Fehlgeleitet und geblendet geraten sie auf die schiefe Bahn. "Gomorrha" geht dabei jedoch äußerst drastisch und schonungslos vor und zeigt den rapiden Verlust von Moral und Werten. Immer brutaler und abscheulicher zieht die Spirale der Gewalt die Protagonisten nach unten. Nur ein Romantiker erwartet bei diesem Film noch ein halbwegs passables Happy-End. Allen anderen ist klar, dass der Film von Beginn an nur eine Richtung kennt: stetig nach unten bis zum bitteren Ende.

Und dieses kommt umso härter. Ist der Film ohnehin nicht zimperlich, ungeheuerlich direkt und hart, so erweisen sich gerade die letzten 20 Minuten als äußerst umbequem und böse. Doch bei aller Härte vermag der Film dabei auch leider deutlich zu machen, dass es nicht um Plakativität und Gewaltverherrlichung geht. Äußerst authentisch gibt er zu verstehen, dass hier nichts übertrieben dargestellt wird, sondern der Realität in und um Neapel sehr präzise getroffen wurde.

Der Roman von Saviano, auch hierzulande auf der Spiegel-Bestseller-Liste, ist ein Tatsachenroman und wurde von Garrone sehr gut für den Spielfilm adaptiert. Besonders brisant war der Wunsch des Regisseurs, an Originalschauplätzen zu drehen. Autor Saviano ist seit Veröffentlichung seines Buches unter ständigem Polizeischutz und musste bereits mehrmals seinen Wohnort wechseln. In Cannes verzichtete man auf den großen Auftritt auf dem roten Teppich aus Angst vor Anschlägen. Einmal mehr spricht dies auch für die Authentizität des Films, denn offenbar ist die Geschichte über die Camorra einigen Leuten ein Dorn im Auge.

Dabei kommt die Ablehnung nicht nur von der Camorra selbst. Unzählige Kulturinstititute aus Italien in aller Welt haben den Film boykottiert. Eine merkwürdige Reaktion der Italiener, denn offenbar haben sie den Kern der Sache nicht erfasst. Vielmehr wurde der Film abgetan als generelle Kritik an Italien, was so jedoch nicht haltbar ist. Zugegeben, verschwunden sind die Strände und die Lebenslust von Bella Italia. Übrig geblieben sind Beton-Wohnsiedlungen und alte, hässliche Fabriken. Kein schönes Bild von Italien, welches in die Welt getragen werden sollte, doch der Film macht auch deutlich, dass es Institutionen wie die Camorra waren, die das Bild Italiens überhaupt erst zu diesem gemacht haben, welches man hier zu sehen bekommt.

Abschließend bleibt meine Empfehlung für diesen Film, der eindringlich arbeitet und im Kopf bleibt, Zarte Gemüter dürften jedoch eventuell ihre Mühe haben, dem Gezeigten zu folgen.

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BeitragVerfasst am: Mo Sep 15, 2008 22:57    Titel:

eindringliche arbeit - check

bleibt im kopf check - check

zarte gemüter - negativ

...den film sehe ich mir auf jeden fall an. liege ich mit der vermutung eines "City of God" in Europa richtig ?
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plam
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BeitragVerfasst am: Di Sep 16, 2008 08:10    Titel:

Habe "City of God" nie gesehen. Schande sei mit mir. Und dabei will ich doch bald zum Symposium für brasilianische Filme nach Berlin...Ich schäme mich.
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BeitragVerfasst am: Di Sep 16, 2008 09:30    Titel:

City of God hat mir sehr gut gefallen, und Gomorrha tut es bestimmt auch...aber so wie ich meine beiden Provinzkinos hier kenne wird der nicht gezeigt...
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BeitragVerfasst am: Di Sep 16, 2008 09:54    Titel:

mach dir da mal keinen kopf, hier in Berlin, dem mega-metroplex, läuft er auch gerade mal in 2-3 kinos und selbst die sind am @r$ch der welt... Rolling Eyes

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