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Irreversibel Filmkritik

 
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plam
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BeitragVerfasst am: Do Jan 25, 2007 15:40    Titel: Irreversibel Filmkritik

"Irreversibel"

Regie: Gaspar Noé

Drehbuch: Gaspar Noé

Darsteller: Monica Bellucci, Vincent Cassel, Albert Dupontel, Jo Prestia, Philippe Nahon

Land: Frankreich
Jahr: 2002

Laufzeit: 97 min.

Zum Inhalt:

Es ist schwierig über den Inhalt eines Filmes zu schreiben, der konsequent rückwärts läuft. Konsequenter noch als "Memento" beispielsweise. Vielleicht ist es ein Film über die Zeit? Denn eines macht der Film überdeutlich: "Le temps detruit tout" - Die Zeit zerstört alles! Das dazu mitunter nur eine einzige Nacht genügt, davon wird der Zuschauer in "Irreversible" auf besonders direkte und harte Weise in Kenntnis gesetzt.

Im Mittelpunkt stehen Alex (Monica Bellucci), ihr Freund Marcus (Vincent Cassel) und der Ex-Freund Pierre (Albert Dupontel). Alle drei wollen auf einer Party im Grunde nur einen vergnügten Abend verbringen. Als Alex nach einem Streit die Party allein verlässt, beginnt der Alptraum: In einer Unterführung wird sie vergewaltigt und übel zugerichtet. Als Marcus sie findet, hat er nur noch Eines im Sinn: Rache. So begibt er sich gemeinsam mit Pierre auf die Suche nach Alex´ Peiniger und baut den mit der Vergewaltigung begonnen Alptraum damit erst richtig zu einem hass- und wuterfüllten Inferno aus.


Kritik:

Wie gesagt: Irreversible läuft rückwärts. Konsequent sogar, denn so beginnt der Film tatsächlich mit seinem Abspann, der folgerichtig rückwärts am Beginn des Filmes von oben nach unten über den Bildschirm läuft. Auch ansonsten bedarf es erst einiger Minuten der Eingewöhnung an die Erzählweise. Natürlich kennt man das Prinzip nicht zuletzt auch dank dem grandiosen "Memento", doch Noé hat die Montage seines Filmes nahezu unkenntlich gemacht und so fällt es oftmals schwer, zu erkennen, dass der Film inzwischen schon wieder einige Minuten in der Zeit nach hinten gesprungen ist.

Auch ansonsten verlangt der Regisseur seinem Publikum einiges ab: Bei einem Film der rückwärts läuft beginnt man ja somit fast unmittelbar beim Höhepunkt der Geschichte und bewegt sich mehr und mehr auf den eigentich belanglosen Anfang der Geschichte zu. Spannungsabbau anstatt dem sonst üblichen Aufbau des Spannungsbogens.

Und dennoch kann man seinen Blick nicht von diesem ergreifenden Werk lassen. Der Racheakt gleich zu Beginn des Filmes übertrifft dabei in Punkto Brutalität so ziemlich alles, was man bislang im Film sehen konnte. Doch Noé quält sein Publikum noch ein weiteres Mal, in dem Moment, als Alex vergewaltigt wird und die Kamera diese Szene fast neun Minuten lang ohne jegliche Bewegung und Schnitte vom Boden aus beobachtet. Dass all dies so ergreifend ist und jeden wirklich hart trifft, liegt wohl an der unglaublich realitätsnahen Erzählung. Der Film beschreibt Ereignisse, die schlichtweg genauso überall und jederzeit geschehen können. Daher bleibt Noé auch kompromisslos hart, wenn es um die Darstellung von Gewalt geht. Denn in der Realität gibt es nunmal nichts schön zu reden.

Dabei ist die Gewalt niemals plakativ oder übertrieben. Marcus´ Reaktion bleibt durchaus nachvollziehbar, auch wenn das nicht heißen soll, dass sie deshalb gerechtfertigt wird. Doch der Anblick seiner schwer verletzten Freundin bringt ihn schließlich im Alkoholrausch dazu, derart auszurasten.

Und doch ist dieser Rachefeldzug zum Scheitern verurteilt und muss zwangsweise zur Katastrophe führen. Als Marcus dies aber klar wird, ist es längst zuspät. Die Zeit hat alles zerstört....das was geschehen ist, ist nun irreversibel.

So bleibt auch meine Meinung über diesen Film unumkehrbar: Gaspar Noé hat einen überaus harten Film geschaffen, bei dem selbst ich nach dessen Ende für ein paar Minuten keine Worte gefunden habe.

Dafür gibts 10 von 10 Punkten

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BeitragVerfasst am: Do Jan 25, 2007 16:18    Titel:

Hmm, hatte die Review mal im alten Forum gepostet, dann hier halt auch nochmal:

Review - Irreversible

Der Film ist ein Alptraum für die Augen, eine Fahrt in den Wahnsinn!
Der Film beginnt mit mit Credits. Doch die laufen rückwärts über die Leinwand. Auch die Buchstaben sind teilweise umgedreht.
Nachdem der Abspann durchgelaufen ist, werden wir Zeuge einer Kamerafahrt die scheinbar keine Schwerkraft oder oder Himmelsrichtungen geschweige denn oben oder unten kennt.
Man sieht zwischendurch Sirenen aufblitzen, bis die Kamerafahrt schliesslich in einem runtergekommenen Zimmer endet.
Hier wird man Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei Männern...der eine nackt und nassgeschwitzt, der andere neben ihm sitzend.
In diesem Zimmer fällt auch gleich schon der wichtigste Satz, und vermutlich auch die Kernaussage des Films: "Die Zeit zerstört alles, und bestimmte Taten sind nicht wieder gut zu machen!"
Die Kamera (im ganzen Film übrigens eine Digitalkamera, somit auch alles recht grobkörnig) fährt weiter zurück zu den Sirenen. Ein Mann wird aus einem Schwulenclub namens "Rektum" auf einer Trage von Ärzten hinausgebracht. Sein Arm gebrochen, im Schlepptau sein Freund.
Plötzlich kommt der erste Zeitsprung. Wir sehen wie eben dieser Mann mit seinem Freund in den Club eindringen und auf der Suche nach einem Mann sind. Noch wissen wir nicht, warum der Mann gesucht wird, wir werden nur sehen, wie ihm mit einem Feuerlöscher das Gesicht zertrümmert wird.
Doch es war der Falsche, dem die Rache galt!
Chronologisch rückwärts wird die Geschichte von Marcus, seiner Freundin Alex und ihrem Ex Pierre erzählt.
Nach einer Party wird Alex von einem Mann vergewaltigt und brutal zusammengeschlagen. Marcus und Pierre machen sich auf den Weg um diese Tat zu rächen.
Im Groben ist der Film in zwei Hälften gegliedert. Zunächst ist der Film verdammt dreckig verstört und abgedreht. Die Kamera spielt verrückt und auch die Darsteller scheinen alles andere als ruhig zu sein. Marcus ist in Rage. Der Film ist hier nahezu ungeniessbar und wie schon erwähnt ein wahrer Alptraum.
Doch je weiter der Film zur Mitte vorstösst um so ruhiger und entspannter werden die Aufnahmen. Der Zuschauer wird langsam in Sicherheit gewähnt. Doch dann kommt kommt das was unausweichlich ist. Jeder der den Saal noch nicht verlassen hat wurde die ganze Zeit daran errinert, dass jeden Moment die Vergewaltigung kommt. Und genau dann, wenn man sich am sichersten gefühlt hat, kommt der Schlag in die Magengrube.
So detailliert und realistisch die Szene ist, so brutal und widerlich ist sie.
Die Kamera bewegt sich kein Stück und hält alles genau fest. 10 lange Minuten lang. 10 Minuten Hilfeschreie der Frau, 10 Minuten lang das Stöhnen des Mannes der sie vergewaltigt.
Spätestens hier werden die etwas labileren Leute wohl den Saal verlassen.
Die Szene ist vorbei und nun geht es harmonisch weiter.
Man findet sich auf einer Party wieder. Die Figuren werden erst hier genauer vorgestellt, so dass man erst jetzt die Möglichkeit hat sich mit ihnen zu identifizieren. Doch irgendwie wirkt die zweite Hälfte leicht unstimmig. Hier hätte das Glück der beiden noch deutlicher herausgestellt werden müssen, um den Effekt des Filmes zu verstärken.
Auch erfährt man erst in der zweiten Hälfte des Films, dass Alex schwanger ist. Das Glück von Marcus und Alex ist vollkommen. Die Intention war es wohl, dass durch diese Aussage die Vergewaltigung im Nachhinein noch schlimmer wird.
Doch wie kann man etwas schlimmer machen, als es ohnehin schon ist?
Das Einzige was man nun noch selber spürt ist Hass. Hass auf den Mann der so etwas tun kann. Hass auf den Mann der das Glück der beiden zerstört hat. Und Verständnis. Verständnis für Marcus, der sich rächen will, doch leider den falschen erwischt!
Doch kann man etwas rächen das passiert ist? Gibt es nicht so etwas wie Schicksal?
Eine so intensive Erfahrung wie das Anschauen dieses Filmes hatte ich selten. Ekel hat mich überfallen. Und obwohl ich viel gewohnt bin, hat mich der Film doch wirklich schockiert.
Wenn man wollte könnte man eine ganze Nacht versuchen den Film zu interpretieren.
Ich überlasse das aber jeden selber.
Für mich steht fest, dass dieser Film ein visuell verstörender Alptraum ist, der von Minute zu Minute schlimmer wird, obwohl er eigentlich immer schöner werden sollte.
Doch die Geschehnisse am Anfang des Films (und am Ende der Geschichte) sind fest eingebrannt und lassen den Anfang in einem um so traurigerem Licht stehen.
Für mich eine Perle des Independent Kinos (obwohl Vincent Cassel und Monica Belucci mitspielen, würde ich trotzdem so bezeichnen).
Doch allen etwas labileren Menschen würde ich nicht raten für den Film Geld auszugeben, da sie ihn vermutlich nicht bis zum Ende durchhalten!

Fazit:
9 von 10 Punkten (So etwas verstörendes und zugleich cinematographisch Gutes habe ich selten gesehen. Lediglich einige Unstimmigkeiten in der zweiten Hälfte verhindern die Höchstwertung)
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plam
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BeitragVerfasst am: Do Jan 25, 2007 16:25    Titel:

Zitat:
Hmm, hatte die Review mal im alten Forum gepostet, dann hier halt auch nochmal:


Hast damit auch alles richtig gemacht.
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Nomak
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BeitragVerfasst am: Do Jan 25, 2007 19:44    Titel:

ihr beiden habt wirklich alles gesagt was zu sagen ist.
stilistisch gesehen sind die ersten minuten zwar vielleicht gut umgesetzt jedoch empfinde ich die extreme kamerabewegung als unansehbar. mir ist richtig schwindlig geworden bei diesen verdrehten kamerafahrten. danach beruhigt sich der film gott sei dank. ich werde mir den film zumindest nicht so schnell wieder ansehen da ich vielleicht ein zu empfindliches gemüt besitze. hätte ich selber nicht gedacht da ich bei splatter und horror keine probleme hab aber der film geht einfach auf die gefühle und man etwickelt persönlichen hass.

eine punktebewertung kann ich diesem film nicht geben da ich einerseits andauernd den film abdrehen wollte aber andererseits nicht konnte.
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BeitragVerfasst am: Do Jan 25, 2007 20:18    Titel:

Beim Anfang des Films dachte ich auch, dass es schwer wird sich den Film anzusehen (optisch) - und das Ende mit dem Flackerlicht war auch nicht gerade angenehm.

Mir geht es da auch ähnlich: dies ist einer dieser Filme, den ich mir nur einmal im Jahr ansehen kann - was jetzt nicht heißt, dass er schlecht sei - aber der macht einen dann doch ziemlich fertig.
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Commander
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BeitragVerfasst am: Do Jan 25, 2007 20:30    Titel:

Das mit dem Flackern war im Kino besonders extrem...da ist mir auch verdammt übel geworden...tat richtig weh.
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BeitragVerfasst am: Mi Feb 07, 2007 20:03    Titel:

Puuhh… tja innovativ ist der Film auf jedenfall, allerdings sind mir da einfach zu viele Längen aufgefallen (besonders in den Szenen wo sie im „Rectum“ sind Very Happy) hier hätte eine schnellere Überleitung wahre wunder bewirkt, was den letztendlichen Eindruck angeht. Den so ist der Film ein etwas zu verspieltes aber dennoch insgesamt ordentliches Werk geworden, was aber viel mehr potenzial gehabt hätte. Was den Härtegrad angeht (Stichwort Feuerlöscher) find ich es persönlich vertretbar, da nachher genau so hart zu sehen ist warum das alles so ausartet (weswegen der Film auch nicht indiziert wurde) und ich den Bereich glaub ich schon vieles gesehen hab. Allerdings fand ich diese Feuerlöscher Szene trotzdem nicht ganz so leicht zu verdauen. Letztendlich würde ich 7 oder maximal 8 von 10 Punkten geben.
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BeitragVerfasst am: Do Feb 08, 2007 17:16    Titel:

Aha, du hast ihn dir also angeguckt und wie ich deinem Text entnehme (mehrmals ist der Feuerlöscher gefallen), habe ich dir mir der Feuerlöscher Szene nicht zu viel versprochen. Schnacken sonst morgen in der Pause weiter...
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BeitragVerfasst am: So Mai 27, 2007 10:34    Titel:

Das hat mich jetzt aber Neugierig gemacht. Den werde ich mir mal ansehen.

Schade das ihr nicht ein paar Bilder dazugefügt habt. Macht optisch immer etwas besseren Eindruck, wenn ich paar Bilder zu dem Film sehe.

Anyway tolle Kritiken. Danke!
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