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plam CineMaster


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Verfasst am: Do Jul 24, 2008 10:39 Titel: Jugend ohne Jugend Filmkritik |
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Jugend ohne Jugend
Bundesstart: 10.7.2008
USA/D/I/F/ROM 2007
124 min.
Regie: Francis Ford Coppola
Darsteller: Tim Roth, Alexandra Maria Lara, Bruno Ganz, André Hennicke uva.
Dominic (Tim Roth) ist ein alternder Professor der unermüdlich an seinem Lebenswerk arbeitet: die Suche nach dem Ursprung der menschlichen Sprache, selbst seine große Liebe Veronica (Alexandra Maria Lara) lässt er ziehen, da sie neben seinem Forschungsdrang doch immer nur die zweite Wahl bleibt. Doch inzwischen ist Dominic über 70 Jahre alt, es ist 1933 und die deutschen Nazis machen ein angemessenes Arbeiten in Bukarest, Dominics Heimat, zunehmend schwieriger. Die Hoffnungen, sein Lebenswerk noch zu vollenden, schwinden. Doch eines Tages wird Dominic während eines heftigen Gewitters vom Blitz getroffen. Aber anstatt Kraft dieser ungeheuren elektrischen Ladung noch an Ort und Stelle zu sterben, geschieht etwas merkwürdiges mit dem Professor.
Eingeliefert ins Krankenhaus von Dr. Stanciulescu (Bruno Ganz) heilen seine schweren Brandwunden erstaunlich gut ab. Seine Zähne fallen aus, um Platz zu schaffen für neu nachwachsende Zähne. Die Genesung eilt mit zügigen Schritten voran und bald müssen alle im Krankenhaus feststellen, dass Dominic immer jünger wird. Dr. Stanciulescu versteckt Dominic in seinem Haus wo er umgehend beginnt, seine verloren geglaubte Arbeit fortzusetzen. Doch auch die Nazis haben ein Interesse an Dominic, sehen sie in der Erforschung seiner Person doch die Möglichkeit, den Übermenschen zu erschaffen.
Dominic flüchtet aus Romänien in die neutrale Schweiz. Dort trifft auf Laura (wieder A. M. Lara), die seiner inzwischen verstorbenen Freundin aus Romänien zum Verwechseln ähnlich sieht. Durch einen merkwürdigen Umstand, der zu erläutern hier zu viel Platz benötigen würde, lernen sich die beiden näher kennen. Auch Laura wurde vom Blitz getroffen und versetzt sich seitdem immer wieder, in trance-ähnlichen Zuständen in andere Persönlichkeiten längst vergangener Tage und Sprachkulturen. Damit erweist sie Dominic eine große Hilfe auf dessen Suche nach dem Ursprung der Sprache. Doch der Preis dafür ist hoch: Laura wird von Tag zu Tag immer älter und durchlebt damit die selbe Entwicklung wie Dominic, nur in umgekehrter Richtung....
Lange war es ruhig geworden um den großen Francis Ford Coppola. Und dies war wohl auch nötig, zählt dieser Regisseur doch nach wie vor zu den ganz großen im Filmgeschäft. Immer wieder wird sein Name in einem Atemzug mit Meilensteinen der Filmgeschichte, wie "The Godfather" oder "Apocalypse Now" genannt. Doch genau davon hat Coppola nun wohl genug. In einem Interview sagte er dazu einmal, dass er nie wieder einen "Godfather" machen wolle. Dass bedeutet zwar nicht, dass er seine Fime von damals bereue, doch es wird offenbar Zeit für ihn, die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen, damit Coppola nicht mehr "nur" der Regisseur ist, der uns den "Paten" geschenkt hat, sondern zeitgemäß derjenige ist, der uns "Jugend ohne Jugend" beispielsweise geschenkt hat.
Und eines wird in diesem Film schon deutlich: Coppola muss sich keinem Massenmarkt mehr beugen. Der Lohn seiner alten Klassiker ist aus heutiger Sicht wohl die Tatsache, dass er die Filme machen darf, zu denen er Lust hat. "Jugend ohne Jugend" ist solch ein Film. Schwermütig, anstrengend, komplex, philosophisch, verschlüsselt und dennoch hochinteressant - wenn man sich darauf einlässt.
Doch leider ist er auch nicht frei von Schwächen. Es beginnt durch und durch gelungen und vielversprechend, doch Coppola schafft es leider nicht, dies bis zum Ende durchzuhalen. Weniger wäre dann vielleicht doch mehr gewesen. Der Handlunsstrang um Dominic auf der Flucht vor den Nazis wäre doch schon "Film" genug gewesen. Eine hochinteressante und filmisch wunderbar umgesetzte Idee dessen, was die großen Philosophen dieser Welt zum Thema "Zeit" zu sagen haben, lässt sich im ersten großen Teil des Films herauslesen. Doch dann bringt Coppola schließlich noch diese Sprachgeschichte mit hinein, die zugegeben etwas unmotiviert als zweiter großer Teil geradezu in den Film hineinholpert. Dominic zeitphilosophische Geschichte tritt dabei unglücklicherweise zu sehr in den Hintergrund, auch wenn sie natürlich nie ganz verschwindet.
Und allein die Tatsache, dass Coppola natürlich mit seinem Film nicht tatsächlich den Ursprung der menschlichen Sprache benennen kann, bestenfalls nur behaupten könnte, bedingt natürlich, dass dieser zweite Handlungsstrang ebenso plötzlich aber wenigstens rational begründet wieder wegbricht. Was diesen ziemlich langen zweiten Teil jedoch über weite Teile unglaublich stark macht, ist die aussergewöhnliche Leistung von Alexandra Maria Lara. Hier nun schafft es die junge deutsche Schauspielerin, die in "Der Untergang" schon auf sich aufmerksam machte, ihr ganzes Können in einer unvergleichbar schwierigen Rolle auszuleben. Wenn sie eines Nachts erneut in Trance die Rolle einer anderen Person einnimmt, dann ist es vor allem die schauspielerische Leistung von Lara, die dieser Szene eine ungeheurerliche, gruselige Atmosphäre verleiht, die noch lange nachwirkt.
Im letzten und dritten Teil des Film kehrt Coppola dann zur alten Form des Anfangs zurück. Dominic ist wieder in Bukarest, lange nach dem zweiten Weltkrieg und wandelt auf den Spuren seiner Vergangenheit. Hier nun wird es für den Zuschauer am gleichsam am schwierigsten, dem Geschehen noch zu folgen, denn Coppola unterwandert seinen gesamten Film mittels einiger weniger Einstellungen. So schieben sich nunmehr verschiedene Zeitebenen ununterscheidbar ineinander. Die Zeitphilosophen wären entzückt, könnten sie dies noch sehen. Dem noch interessierten und konzentrierten Publikum wird die passende, paradoxe Anekdote an die Hand gegeben, mit welcher man schließlich das Kino verlassen darf:
Es ist die Geschichte vom König, der träumte, er wäre ein Schmetterling, der träumte er wäre ein König, der träumte er wäre ein Schmetterling....
Kino zum Nachdenken, welches sich zweifelsfrei empfehlen lässt, trotz des etwas schwächeren Mittelteils. Wer dann noch Lust und Muße hat, dem sei (vielleicht besser noch vor dem Film zum besseren Verständnis des Gezeigten) Gilles Deleuze "Differenz und Wiederholung" mit dem Kapitel zu den Zeitsynthesen empfohlen. Verständlicher wird das Phänomen der Zeit aber auch teilweise bei Henri Bergson "Materie und Gedächtnis" beschrieben.
_________________ plams DVD-Sammlung
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Foxhunt CineStarter


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Verfasst am: Fr Nov 21, 2008 12:18 Titel: |
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Ich hab' den Film noch nicht gesehen und werde ihn mir vorraussichtlich auch eher nicht ansehen und zwar aufgrund von mehr als durchwachsenen Kritiken.
Irgendwo habe ich folgendes gelesen:
"Winzer bleib' bei deinen Reben"
Wenn also mittlerweile der Wein von Coppola besser ist als seine Filme, dann bleibe ich auch weiterhin skeptisch. _________________ http://foxswayofthinking.blogspot.com/ |
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plam CineMaster


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Verfasst am: Fr Nov 21, 2008 14:58 Titel: |
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Ohne Deine Entscheidung für oder gegen den Film grundlegend kritisieren zu wollen, nur eine kurze, subjektive Anmerkung von mir dazu:
Du sagst, dass Du überwiegend durchwachsene Kritiken gelesen hast. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ein Film gerade dann oftmals sehenswert war, zumindest aber oftmals deutlich interessanter, als Filme, bei denen sich die Kritik einig war. Durchweg negative Kritiken zeigen ja oftmals auch ein gewisses Unvermögen der Kritiker, "echte" Filme zu würdigen. Durchweg posittive Kritiken lassen oftmals sinnfreie markting-gepushte Blockbuster erwarten, oder aber eben Filme, die Jedem, der breiten Masse, mehr oder weniger widerspruchslos gefallen.
Dagegen sind doch aber Filme, an denen sich die Kritik die Zähne ausbeisst, bei denen erwachsene Menschen anfangen, sich darüber zu streiten, doch viel mehr sehenswert. Filme, die Reibung erzeugen und Kraft dieser zu mehrmaligen Sehen geradezu auffordern, sind doch durchaus ein Blick wert, wenigstens um mitzureden. _________________ plams DVD-Sammlung
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Verfasst am: Sa Nov 22, 2008 00:14 Titel: |
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Das kommt meiner Meinung nach aber auch darauf an von wem die Kritik verfasst wurde und ob man vorher schon das ein oder andere Mal die gleiche Ansicht vertreten hat wie dieser Kritiker.
Und bei "Youth without Youth" stütze ich mich auf Roger Ebert's einschätzung, die bisher nur sehr selten nicht meiner Meinung entsprach.
"Youth Without Youth proves that Francis Ford Coppola can still make a movie, but not that he still knows how to choose his projects."
Auch ansonsten waren die Reviews, ob das Onlinereviews in Blogs oder Foren waren oder Kritiken in Fachzeitschriften, durchgehend schlecht und von daher habe ich mir die Kohle lieber für nen Film gespart der meiner Ansicht nach interessanter war.
Außerdem ist die Tendenz was die Filme von Coppola angeht ja auch eher sinkend. "Dracula", "Jack" und "Rainmaker" waren zwar keine schlechten Filme aber an die Meisterwerke der 70er kommt er, wie seine Freunde Spielberg und George Lucas, nicht mehr ran. _________________ http://foxswayofthinking.blogspot.com/ |
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plam CineMaster


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Verfasst am: Sa Nov 22, 2008 08:28 Titel: |
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Naja, wobei Roger Eberts ja auch so eine Sache für sich ist. Ich verweise nur auf die Problematik des Heerdentriebs, die auch hier im Forum schon angesprochen wurde. Eberts hat eben als Koryphäe der Filmkritik durchaus Signalcharakter für nachgelagerte Kritiken. Ist sein Urteil schlecht, kannst Du definitiv davon ausgehen, dass eine Unmenge "kleinerer" Kritiken dann auch schlecht ausfällt. Schließlich will man ja ein guter Kritiker sein und da schickt es sich für die eigene Karriere nicht besonders, wenn man solch Profis wie Eberts wiederspricht. Welche Aussage solche Kritiken dann für den Film noch haben...
Ich gebe Dir natürlich Recht, dass die Kritiken zu diesem deutlich negativer ausgerichtet sind. Allerdings widerfährt meines Erachtens hier Coppola das selbe Schicksal wie nur allzu oft Leuten, wie Lynch oder Cronenberg: Nehmen sie sich eines passionierten Filmthemas an, welches damit eben nicht mehr der Masse, sondern dem Cineasten gefällt, dann übersteigt dies oftmals den Horizont des Vorstell- und Denkbaren eines Kritikers, eben auch eines Roger Eberts. Die philosophische Tiefe, die in "Youth without Youth" anzutreffen ist, lässt sich eben nicht mit dem filmwissenschaftlichen Wissen eines Eberts allein beschreiben. Schade, dass gerade Profis wie er, dann eben nicht in der Lage sind, über den Tellerrand zu schauen.
Interessant finde ich dann auch, dass Du das vermeintlich bessere Frühwerk Coppolas anführst. Da war ja auch die Kritik auf seiner Seite, dies waren aber auch überaus massentaugliche Filme. Eben keine Qualität für Cineasten, um es mal überspitzt auszudrücken.
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Foxhunt CineStarter


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Verfasst am: Sa Nov 22, 2008 10:55 Titel: |
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Dann kommt es aber auch drauf an wie eng du den Begriff "Cineast" fassen willst.
Meiner Auffassung nach sind Cineasten Menschen die sich Filme nicht einfach nur aus purer Unterhaltung anschauen, sondern sich auch im Vorfeld darüber informieren, interessiert an Filmkultur und Filmhistorie sind und dementsprechend auch kritisch über Film und die Industrie diskutieren können, aber auf einem Niveau das anspruchsvoller ist als: "Ich fand den Film geil, weil da so viel explodiert ist." (Die Darstellung ist jetzt zwar etwas übertrieben, aber ich denke du weißt was ich meine.)
Wenn ich deine Auffassung richtig interpretiere gehört zum Cineasten aber auch noch ein gewisses intellektuelles Bewusstsein und der Anspruch, beim Anschauen des Filmes nachzudenken und sich mehr mit der Subtilität eines Filmes zu beschäftigen. Geht das in etwa in deine Richtung?
Wenn dem so ist haben wir auch einfach unterschiedliche Auffassungen.
Ich finde nämlich, dass Intelletualität und Cineasmus sich durchaus auch ausschließen können. Sonst würde sich ja nur die akademische Spitze solcher Filme annehmen und sie verstehen. Und auch wenn das teilweise so erscheinen mag glaube ich nicht, dass nur der hochgebildete Teil der Bevölkerung "cineastische Meisterweke" verstehen kann. _________________ http://foxswayofthinking.blogspot.com/ |
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plam CineMaster


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Verfasst am: So Nov 23, 2008 15:39 Titel: |
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Im Grunde genommen hast Du Recht mit Deinen Äußerungen, ABER:
Zunächst mal verlange ich nicht von jedem Film, dass er unbedingt voraussetzt, dass man vor oder nach dem Sehen mal zu Schopenhauer oder Nietzsche greift. Filme können das machen und sind dann für einige, nicht wenige Menschen durchaus erst interessant. Filme sollen aber auch einfach unterhalten können und Spass machen. Demnach verlange ich, trotz hohem Anspruch nicht ausschließlich eine philosophische Tiefe bedingungslos in jedem Film.
Wenn man nun jedoch "Jugend ohne Jugend" kritisiert, weil er zu "schwer" ist, man keinen Zugang dazu findet, dann tut man dem Film meiner Meinung nach eher unrecht, und will damit nur vermeiden, nicht eingestehen zu müssen, dass man zu Blöd für den neuen Coppola war. Wie ich hier schon oftmals im Forum anführte, so ist es eben für Viele, auch für professionelle Kritiker, einfacher, den Fehler beim Regisseur/Film zu suchen, als bei sich selbst. Warum erwähne ich dies gerade hier bei Coppola? Coppola hat viele große, vielbeachtete Filme gedreht und sich damit heute schon unsterblich ins filmische Gedächtnis dieser Erde eingeschrieben. Eben dieser Erfolg hat ihn aber auch in den Status gebracht, den nur wenige Filmemacher erreichen, und vom dem viele Träumen: Er kann sich seine Themen aussuchen, er kann drehen, worauf er Lust hat, ewige gehegte Filmwünsche endlich durchsetzen.
"Jugend ohne Jugend" war so ein Wunsch von Coppola, endlich mal das zu machen, was er wollte. In diesem Falle war es dann eben ein Film über die Philosophie der Zeit und dieser ist ihm, abgesehen von den oben von mir genannten Schwächen, wunderbar gelungen. Vielleicht hilft es ja, wenn man hier statt von einem Film vielmehr von einem Kunstwerk sprechen sollte. Der Künstler (Coppola) hat eine Idee und diese hat er toll umgesetzt. Wenn nun die Filmwissenschaft mit ihren eng gefassten Begriffen und Ideen davon, was "Film" sei, versucht, diesen Film zu erklären, muss sie scheitern, denn dies ist weniger Film, als vielmehr Philosophie. Dies hat schließlich Eberts und unzählige andere nicht erkannt. Wer hat also den Fehler gemacht? Wem hat man hier Unrecht getan? Man kritisiert einen Film deshalb, weil er genau das geworden ist, was er immer schon sein wollte. _________________ plams DVD-Sammlung
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Auda CineMaster


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Verfasst am: So Nov 23, 2008 18:51 Titel: |
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Ich möchte plam weitestgehend zustimmen.
Irgendwo zwischen Filmen wie Der Pate, Die Verurteilten, Forrest Gump und anderen Filmen des gehobenen Erzählkinos auf der einen Seite und Werken wie Barneys Cremaster Cycle, Achternbusch- oder Bunuel-Filmen auf der anderen Seite, gibt es in der Filmkritk eine Art blinden Fleck.
Was sich dem herkömmlichen Erzählkino verschließt, wird von vielen Kritikern (und Zuschauern), nur allzuleicht mit negativen - auf konventionelles Kino geeichten - Rezensionen "belohnt".
Die Parameter, mit denen solche Negativ-Kritiken entstehen sind allerdings auf konventionelles Kino „geeicht“. So wird jeder Film, der sich den Filmkonventionen von Bildfolge, Erzählfuß und Dramturgie nicht unerwirft oder diese zumindest zugunsten anderer Aspekte missachtet oder vernachlässig, abgestraft, weil der betreffende Kritiker dem Gedanken-, Erzähl- oder Empfindungsfluß nicht folgen will oder kann. Daß das Hauptaugenmerk überhaupt nicht auf konventionellen Werten des heutigen Kinos lag, da sonst der Kern des Werkes nicht zum Vorschein gekommen wäre, die Aussage, das zu transportierende Element verändert oder verwässert worden wäre, wird oft nicht erkannt.
Oft fragt sich der Zuschauer (nicht nur der professionelle) einfach, was er gerne sehen möchte, und nicht was der Regisseur/ Drehbuchautor/ Produzent ihm zeigen wollte.
Die Konventionen des heutigen Kinos sind zu übermächtig und lassen keinen Raum für eine Gegenkultur. Gibt es für ein Filmprojekt kein potentielles Publikum, gibt es keine Finanzierung des Projektes. Werden keine unkonventionellen Filme produziert, erstarrt die Rezeptionsentwicklung des Publikums durch die Darbietung immergleicher Schemata. Der (zahlende) Zuschauerschaft für ungewöhnliche Werke kann nicht wachsen. Und damit beißt sich die Ratte in den Schwanz.
Erst wenn man bei einem Werk kaum noch von einem Film in der umgangssprachlichen Bedeutung reden kann, wenn es keine Handlung, keine Erzählung, keine Spannungsbogen, keine Charaktere gibt, und man sich das Werk eher in einem audiovisuellen Kunstmuseum vorstellen kann, als im Kinosaal, springen beim Kritiker die Interpretations- und Deutungsmechanismen an und er beginnt zu sehen und nachzudenken. Aus dem Filmkritiker-Werkzeugkasten bleibt ihm nun nicht viel mehr als die Bild- und Sequenz-Analyse und sein (verkümmertes?) Kultur- und Kunstverständnis.
Zu den Filmen, welche in letzter Zeit die Konventionsgrenze überschritten haben und deshalb höchst dissonante Kritiken erhielten war zum Beispiel S. Coppolas Marie Antoinette, den ich für ganz hervorragend halte. Oder Aronofskys The Fountain. Es gibt auch Filme die besser verstanden oder zumindest besser aufgenommen wurden, wie Kubricks 2001. Doch schon Eyes Wide Shut vom gleichen Regisseur war wieder ein Fall für Lorbeer und Peitsche.
Im jedem Fall sind Filme aus dem Niemandsland genau mein Fall. Egal ob dicht an der Konvention (wie Jugend ohne Jugend) oder eher in der Pinakothek der Moderne zu finden (wie der Andalusische Hund).
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plam CineMaster


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Verfasst am: So Nov 23, 2008 19:17 Titel: |
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Danke Auda für diesen sehr lesenswerten Beitrag. Grundsätzlich habe ich dem Nichts mehr hinzuzufügen. Warum ich aber trotzdem schon wieder in die Tasten haue? Weil ich Dir nur nochmal beipflichten wollte und dem großartigen Meisterwerk "Marie Antoinette" meinen Tribut zollen möchte. _________________ plams DVD-Sammlung
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Auda CineMaster


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Verfasst am: So Nov 23, 2008 20:50 Titel: |
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Ach, wie schön, daß noch jemand Marie Antoinette toll findet.
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