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Lichter Filmkritik

 
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plam
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BeitragVerfasst am: Mi Mai 30, 2007 08:43    Titel: Lichter Filmkritik



LICHTER (Deutschland; 2002)

Regie: Hans-Christian Schmid

Drehbuch: Hans-Christian Schmid/Michael Gutmann

Darsteller: Zbigniew Zamachowski, Devid Striesow, August Diehl, Herbert Knaup, Julia Krynke, Henry Hübchen, Maria Simon, Ivan Shvedoff, Aleksandra Justa, Janek Rieke, Anna Janowskaja, Sergej Frolov

Laufzeit: 105 min.


Zum Inhalt:

In mehreren Episoden verfolgt der Film die verschiedenen Geschichten einiger Personen im Deutsch-Polnischen Grenzgebiet von Frankfurt/Oder und Slubice.

Da sind zum einen die junge Ukrainer, die alles auf eine Karte gesetzt haben und über den illegalen Weg einer Schleuserbande hoffen, nach Berlin zu gelangen. Tatsächlich führt der vermeintliche Weg zu den "rettenden Lichtern" der Großstadt Berlin jedoch direkt nach Slubice. Den Traum vom Leben in Deutschland schon vor Augen, scheint die Oder als Grenzfluss doch unüberquerbar...

Auf der anderen Seite der Oder in Frankfurt verfolgt der Film u.a. die Geschichte von Ingo, dem Matratzenverkäufer, der bis zuletzt nicht wahrhaben will, dass sein eigenes Geschäft direkt auf den Ruin zusteuert...

In Slubice lernt man einen Taxifahrer kennen, der alles daran setzt, seiner Tochter ein Kleid zur Kommunion zu kaufen und dabei auch nicht davor zurückschreckt, seine eigene Würde aufzugeben...

An der Grenze selbst entschließt sich eine junge deutsche Grenzbeamtin, einem der ukrainischen Flüchtlinge zu helfen. Eine Tat, die nicht nur ihre Existenz aufs Spiel setzt, sondern am Ende sowieso undankbar bleibt...


Kritik:

Es folgen schließlich noch weitere Episoden in "Lichter", die insgesamt das Leben der beteiligten Personen für 48 Stunden verfolgen. Dabei kreuzen sich die Geschichte an verschiedenen Punkten immer wieder für einen kurzen Augenblick.

Hans-Christian Schmid, spätestens seit "23" einem großen Publikum hierzulande bekannt und dank des auf der Berlinale gefeierten "Requieum" auch ausserhalb Deutschlands kein Unbekannter mehr, liefert mit "Lichter" einen Film ab, welcher völlig zurecht von der Kritik zur Zeit seiner Kinoveröffentlichung als bester Deutscher Film des Jahres 2002 gefeiert wurde.

Die Euphorie, die dieser Film auslöste, erscheint dabei fast schon makaber, denn wenn die Bilder des Films eines überhaupt nicht enthalten, dann ist es Zuversicht, Freude und eben Euphorie.

Schmids Qualität, und dies zeigt nicht nur "Lichter" liegt im Bereich des funktionalen Realismus und dieser ist es einmal mehr, der im vorliegenden Film dem Betrachter so nahe geht.

Mit Beginn des Films ziehen die Bilder den Zuschauer in ihren Bann, welcher wiederrum nur eine Richtung kennt: abwärts. Denn von nun an geht es bei allen thematisierten Geschichten kontinuierlich nach unten. Schon früh merkt man, dass dieser Film kein Happy-End haben kann und richtigerweise auch keines haben darf. Denn das "Lichter" ist ein Film über das Leben, in all seiner Härte und Schonungslosigkeit.

"Lichter" zeigt den einfachen Menschen, wie Du und Ich, auf der Suche nach etwas Glück. Hier geht es ganz bewusst nicht um das große Glück! Jeder versucht sein Bestes, und früher oder später erkennt doch jeder dass dies ein Kampf ist, den jeder für sich allein führen muss: Und so gehören Stehlen, Lügen, Betrügen auf die selbe Seite wie Hoffen, Helfen und Lieben.

Bei aller Hoffnungslosigkeit, die Schmid konsequent durchhält ohne auch nur ansatzweise so etwas wie Zuversicht in die Zukunft zu vermitteln, kommt man schließlich doch wieder auf die eingangs erwähnte Euphorie zurück: Denn neben der zweifelsfrei grandiosen Geschichte kann der Film in erster Linie durch Eines überzeugen: Perfekte Darsteller! Teilweise ist man geneigt zu glauben, es handele sich tatsächlich um den Matratzenverkäufer Ingo, der sich bereit erklärt hat, sein eigenes, trostloses Leben im Film darzustellen. Mit einer fast schon erschreckend faszinierenden Glaubwürdigkeit, die Qualitäten einer Dokumentation erhält, mimt Devid Striesow den gescheiterten ostdeutschen Unternehmer.

Und auch die anderen Darsteller, wie beispielsweise Zbigniew Zamachowski, stehen dem dargestellten Realismus im Film in nichts nach. Es tut einem deutschen Film schlichtweg erfrischend gut, wenn Hauptrollen nicht mit den üblich-durchschnittlichen Daniel Brühls und Moritz Bleibtreus besetzt werden.

Jemand, der den Deutschen Film, nicht ohne Grund, wegen seiner Klischeehaftigkeit seinem stets wiederkehrenden Themenkanon nicht mag, sei daher umso mehr Schmids "Lichter" empfohlen.

Ein sehr ernstzunehmender, erwachsender Film, der bei aller Trostlosigkeit am Ende doch Eines zu leisten vermag: Mehr Lust auf Hans-Christian Schmid und mehr Mut zum Deutschen Film, wenn er solch ein Niveau, wie hier erreichen kann.

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