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Lost in Translation Filmkritik

 
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Tribun
Der Cineglobe Gladiator


Anmeldedatum: 20.09.2006
Beiträge: 2177
Wohnort: Nickenich

BeitragVerfasst am: Mi Dez 13, 2006 08:54    Titel: Lost in Translation Filmkritik

Lost in Translation



USA, Japan: 2003
Regie: Sofia Coppola
Darsteller: Scarlett Johansson, Bill Murray, Giovanni Ribisi
Drehbuch: Sofia Coppola
Kamera: Lance Acord
Musik: Brian Reitzell, Kevin Shields, William Storkson, Länge: 102 min.



Handlung:
Bob (Bill Murray), ein älterer amerikanischer Schauspieler hält sich für Werbeaufnahmen einige Tage in Tokio auf.

Die junge Charlotte (Scarlett Johansson) ist in Begleitung ihres Mannes (Giovanni Ribisi) nach Japan gekommen. Der ist Fotograf, geht in seiner Arbeit auf und hat kaum Zeit für seine Frau.

Die Sprache und die fremdartige Kultur bereiten Bob ungewohnte Probleme bei der Arbeit. Auch in der reichlichen Freizeit fühlt er sich in Tokio nicht wohl.

Bob und Charlotte fühlen sich in dem fremden Land verloren. In ihrer Einsamkeit entwickelt sich zwischen den beiden unterschiedlichen Menschen eine Freundschaft, die in vertrauter Umgebung undenkbar gewesen wäre.



Kritik
Wenn Tokio ins Bild kommt, dann geht es nicht ohne Lärm und schrille Geräusche ab. Und die japanische Metropole spielt in Sofia Coppolas Film eine Hauptrolle.

Dabei erweist sich die Autorin und Regisseurin vor allem als Meisterin der leisen Töne. Der Film überzeugt mit dem, was im Subtext abläuft — zwischen den Zeilen und hinter den Bildern.

Die fremde Stadt und die ungewohnte Menge an Freizeit bringen Charlotte und Bob dazu, Probleme wahrzunehmen.

Charlotte merkt wie fremd ihr der Mann nach zwei Jahren Ehe geworden ist. Bob ist wegen des Geldes in Japan, "obwohl er doch jetzt an irgendeinem Theater spielen könnte."

Was sich abspielt zwischen Bob, der irgendwann seine Träume vergessen hat, und Charlotte, die ihren Weg noch nicht gefunden hat, passt eigentlich nicht auf Celluloid.

Umso beeindruckender ist es, was Coppola, Murray und Johansson rund um den oberflächlichen Anlassfall einer Urlaubsbekanntschaft an Gefühlstiefe rüberbringen.

Es braucht schon sehr viel Gespür, Empfindungen wie das Verlorensein in der Welt mit Bildern und Texten so treffend zu transportieren, ohne sie direkt anzusprechen.

© Günter Schoefl

_________________
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Zuletzt bearbeitet von Tribun am Do Mai 15, 2008 11:01, insgesamt einmal bearbeitet
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Auda
CineMaster
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Anmeldedatum: 14.08.2007
Beiträge: 885
Wohnort: Kölner Bucht

BeitragVerfasst am: Di Apr 15, 2008 16:29    Titel:

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Die unerträgliche Leichtigkeit der Liebe

Über Isoliertheit und Annäherung in Sofia Coppolas Lost in Translation.

USA / Japan 2003, 102 Minuten

Buch & Regie: Sofia Coppola
Darsteller: Scarlett Johansson (Charlotte), Bill Murray (Bob Harris), Giovanni Ribisi (John), Anna Faris (Kelly), Fumihiro Hayashi (Charlie) u.a.

Sofia Coppola ist die Tochter eines berühmten Regisseurs und hat offenbar viel vom ihrem Vater gelernt. Schon ihr Vater gehört nicht zu den Filmemachern, die ihrem Publikum jeden Handlungsschritt zu erklären und jede Wendung logisch zu erläutern suchen, anders als es im amerikanischen Kino weitgehend üblich ist. Das Prinzip des Zeigens anstelle des Erklärens ist auch das Kennzeichen von Sofia Coppolas Arbeit, und durch die ihr eigene Subtilität, mit der sie Geschichten erzählt, führt sie dieses Prinzip zur Meisterschaft.



Der alternde Schauspieler Bob Harris weilt wegen eines profitablen Werbeauftrags für einige Tage in Tokio. In der fremden Kultur, deren Sitten und Gebräuche er nicht versteht, deren Sprache er nicht spricht und deren Schilder er nicht einmal lesen kann, ist er völlig isoliert.
Der frisch verheirateten jungen Charlotte geht es genauso. Sie begleitet ihren Mann, einen Fotografen, der einen arbeitsintensiven Auftrag in Japan hat.
Charlotte und Bob treffen sich in der Hotelbar, einer Insel im Niemandsland. Sie entdecken Gemeinsamkeiten und erleben eine seltsam ungreifbare, gänzlich unausgesprochene Liebesbeziehung, die in ihrer normalen Umgebung nicht denkbar wäre, da sie trotz aller Gemeinsamkeiten durch den großen Altersunterschied und damit durch einen unterschiedlichen Erfahrungshorizont getrennt sind. So durchleben sie in kurzer Zeit die Stationen einer Liebesbeziehung, ohne die Beziehung auszuleben.

Der erste Blick des Zuschauers fällt auf den Hintern der auf dem Bett liegenden Hauptdarstellerin in einem rosafarbenen Bauwollslip. Die Einstellung ruft sofort Erinnerungen an das Klischee und den Film „Lolita“ hervor und zeigt damit sofort den markantesten Unterschied zu Bob auf, der zweiten Hauptfigur - das Alter. Dieser wird uns in den nächsten Einstellung vorgestellt: Ein abgespannter älterer Herr fährt im Taxi durchs flimmernde und glitzernde Tokio. Man sieht, er hat das Leben hinter sich. Beide Einstellungen zusammen ergeben den Graben, der die beiden trennt und den sie in den nächsten 90 Minuten zu überbrücken suchen. Bei allen Gemeinsamkeiten und der spürbaren Anziehung wird es bei der Andeutung bleiben.



Die Geschichte ist wie geschaffen für Coppola, die es meisterhaft versteht, Dinge im Zustand der Unbestimmtheit, gewissermaßen in der Schwebe, zu halten und sie doch sichtbar, nachvollziehbar werden zu lassen.

Tokio, der Ort der Geschichte, ist gut gewählt. In der Riesenstadt Tokio werden Tag und Nacht für die beiden isolierten, vom Jetlag gezeichneten Menschen eins. Tokio ist, in der Auflösung von Zeit und im Durcheinander unzähliger Farben und Lichter, nicht nur fremder als jede andere Großstadt, es wird zu einem gänzlich unwirklichen Ort. Die Menschen sind nicht weniger rätselhaft. Mimik, Gestik, Verhalten sind genauso undeutbar wie Schrift und Sprache. Bob ist verloren beim Versuch, den Anweisungen des Werbefilm-Regisseurs zu folgen; ebenso steht er den merkwürdigen Avancen einer Prostituierten, die der Auftraggeber als „Bonus“ zu ihm schickt, hilflos gegenüber. Charlotte ergeht es nicht besser beim Versuch, im Hotel und der Umgebung die Zeit totzuschlagen.

Coppola inszeniert nun die Annäherung der beiden im Niemandsland. Dabei verweigert sie sich den gängigen Romanzen-Klischees konsequent. Die Geschichte einer Liebesbeziehung wird zwar fast mustergültig durchexerziert – von der ersten Annäherung, zur gemeinsamen Zeit miteinander, dem Betrug, der Eifersucht, der Versöhnung bis zur Trennung. Aber das Ganze geschieht mit betörender Subtilität, so daß die Verweigerung der Liebes- (und auch Lolita-) Geschichte eine unnachahmliche Leichtigkeit und Eleganz erhält.

Beide Darsteller fügen sich mit ihrem Spiel nahtlos in die Geschichte. Murray zeigt, wie in Broken Flowers und auch in Rushmore, eine stoische Abgeklärtheit. Sein Zynismus und Witz sind noch da, aber sie weichen immer mehr einer traurigen Melancholie. Eine Ehe, wie Bob sie hinter sich hat (obwohl diese faktisch noch Bestand hat), hat Charlotte noch vor sich. Die junge Frau beginnt gerade das Aneinander-vorbei-Leben zu erfahren, das Bob nur noch still erträgt. Johansson spielt die unzufriedene, hilflose, aber dennoch optimistische und suchende junge Frau nicht minder einfühlsam als Murray den resignierenden Schauspieler.

Das Schwebende der Geschichte ist auf der visuellen Ebene mit einer relativ ruhigen, aber nie starren Kamera gut eingefangen. Sie hält sich scheinbar im Hintergrund, schaut oft, wie aus dem Verborgenen, zu und drängt sich nie an die Figuren heran. Sind Charlotte und Bob jedoch im einer Gruppe oder Menge, ist die Kamera wie selbstverständlich mit dabei. Wie eine weitere Person.
Der Fluß der Bilder wird durch die Musik den ganzen Film hindurch ausgezeichnet unterstützt. Besonders in den Szenen, in denen die beiden mit ein paar (Un)Bekannten durch Tokio streifen. Coppola nutzt die Atmosphäre, um Murray einen unglaublichen Moment lang mit seiner alten, etwas wackeligen Stimme eine treffende Momentaufnahme seiner (und Charlottes) Situation zu zeigen, wenn er „More Than This“ von Roxy Music singt. Seine Interpretation gibt dem Song eine Konnotation, die er bei Roxy Music nicht hat. Derlei unspektakuläre, aber einzigartige Momente finden sich wiederholt. Z.B. ein treffendes Bild für die Innigkeit zwischen den beiden, wenn Charlotte und Bob nebeneinander auf dem Bett liegen und seine Hand über ihren Fuß fährt.



Die Tage vergehen und als die beiden Amerikaner sich trennen müssen, erkennt Bob, daß er eine Liebesbeziehung erlebt hat, die eigentlich nicht stattfand. Nach dem Abschied wird ihm klar, was Charlotte ihm bedeutet und was er aufgibt. Er folgt Charlotte, nimmt sie endlich in den Arm und spricht mit ihr im Menschengewühl der Straßen von Tokio, sagt ihr was wichtig ist. Die beiden holen den Kuß nach, den sie in den vergangenen Tagen nicht getauscht haben. Es ist ein Abschied, gleichzeitig ist die Liebesgeschichte real geworden. In dem Abschied haben die beiden nun etwas gewonnen, nichts verloren oder verpaßt. Zum Schluß fährt Bob wieder im Taxi – diesmal zum Flughafen. Aber die Stadt scheint sich, wie Bob auch, verändert zu haben.

Jeder, der sich mit dem Vagen, Subtilen, Unausgesprochenen unwohl fühlt und eher eine Geschichte mit klar sichtbaren erzählerischen Leitplanken und einer Logik mit einfachen Intentionen und Emotionen vorzieht, wird mit diesem Film wohl seine Schwierigkeiten haben. Er wird den Film als leer, nichtig und banal empfinden. Alle anderen können ein glänzend beobachtetes, subtiles Geflecht aus allzu menschlichem Verhalten, emotionaler Unsicherheit und verhaltenem Glück verfolgen und dabei eine wunderschöne Liebesgeschichte erleben.

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Der Film bekam zahlreiche Preise und war Oscar-nominiert für den besten Film (Ross Katz und Sofia Coppola), die beste Regie (Sofia Coppola), den besten Hauptdarsteller (Bill Murray), gewonnen hat Sofia Coppola den Oscar für das beste Original-Drehbuch.
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Die DVD gibt es bei Amazon. Und natürlich auch den Soundtrack.
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"Mein Freund, die Wahrheit wie die Kunst liegen im Auge des Betrachters." (Jim Williams)
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Kat
CineMOD
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Anmeldedatum: 18.06.2008
Beiträge: 1087
Wohnort: No Man's Land

BeitragVerfasst am: Di Jul 08, 2008 00:32    Titel:

Ich bin froh die "21" Frage gestellt zu haben. Denn hiermit beweist du nicht nur deinen hervorragenden Schreibstil (ja, das ist ein Kompliment), sondern auch die richtige Sichtweise, mit der man an diese Art von Film herangehen muss.
Respekt
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Lips red as blood, hair black as night. Bring me your heart, my dear, dear Snow White
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