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Miracle on 1st Street

 
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Namu
Die CineGLobe Perle


Anmeldedatum: 21.09.2006
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Wohnort: Taipeh

BeitragVerfasst am: Do Jul 12, 2007 09:00    Titel: Miracle on 1st Street

Il Beonga-eui Gijeok
1 번가의 기적
aka Miracle on 1st Street
Südkorea 2006/2007





Regie: Yun Je-kyun
Kamera: Kim Young-cheul
Drehbuch: Yoo Sung-hyup
Musik: Lee Byoung-woo
DarstellerInnen: Ha Ji-won, Im Chang-jung, Jeong Du-hong, Joo Hyeon, Lee Hoon, Kang Ye-weon, Go Dae-ho, Park Chang-ik, Park Yu-seon


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Das Armenviertel um First Street soll einem modernen Wohnkomplex weichen. Also wird der Kleinganove Pil-je dort angesiedelt, der die Bewohner notfalls mit Gewalt aus ihren Häusern treiben soll. Je mehr Pil-je aber in die Nöte seiner neuen Nachbarn, unter anderem Myeong-ran, Tochter eines ehemligen Boxchampions, zwei verwaiste Kinder und weitere verwickelt wird, desto schwerer fällt es ihm, seine Mission durchzuführen.





Miracle on 1st Street ist einer dieser vielen koreanischen Filme, die Komödie mit Melodrama zu verbinden suchen. Er lief im Februar diesen Jahres in Südkorea an und hat sich im Vergleich zu anderen diesjährigen Produktionen relativ gut in den Kinos gemacht. Nicht weiter verwunderlich, denn wenn man sich den Film einmal ansieht, wird man merken, daß die Macher wohl in erster Linie darauf bedacht waren, so wenig Risiken wie möglich einzugehen: Wir nehmen ein paar stereotype Haupcharaktere, wie den Taugenichts mit dem großen Herz, der wohl in jedem Kulturkreis und zu jeder Zeit beliebt war und die toughe, burschikose, aber dennoch verletzliche Heldin, seit My Sassy Girl das Maß aller Dinge in einer koreanischen Komödie. Diese werfen wir in einen Topf mit einem Thema, von dem wir wissen, daß es vielleicht schon etwas überstrapaziert ist, das aber das koreanische Volk auf jeden Fall ansprechen wird, nämlich der gewaltsamen Vertreibung der Bewohner eines Armenviertels. (Für diejenigen, die das nicht wissen: Der Großteil der koreanischen Bevölkerung war über Jahrhunderte hinweg einem zum Teil sehr korrupten Adel ausgesetzt und das Land selbst Spielball zwischen größeren Nationen. Daher identifizieren sich Koreaner in Filmen gerne mit Gestalten, die auf irgendeine Weise unterdrückt werden.) Anschließend fügen wir noch ein paar niedliche, kleine Kinder fürs Herz dazu und versehen das Gemisch mit gestandener Cast & Crew. Am Besten sogar mit Leuten, die schon vorher einen Hit gelandet haben, welcher in unserem Fall „Sex is Zero“ heißt. An diesem waren sowohl Regisseur Yun Je-kyun (Sex is Zero, My Boss My Hero), als auch Kameramann Kim Young-cheul (Sex is Zero, The City of Violence), sowie Hauptdarstellerin Ha Ji-won (Sex is zero, Duelist, Phone, Nightmare) und Hauptdarsteller Im Chang-jung (Sex is Zero, My Lovely Week) beteiligt.
Das Konzept geht auch zu einem Teil auf - die Kinder sind süß, die Hauptdarsteller überzeugend und lustig und spielen auch gut zusammen und Umsetzung und Musik sind solide und dem Film angemessen – nur leider hat man wohl vergessen, auch mal einen ordentlichen Blick auf das Drehbuch zu werfen.

Die Geschichte enthält im Grunde genommen vier Einzelstorys: die Pil-jes, der sich vom Saulus zum Paulus wandelt, die Myeong-rans, die an einem Elektrakomplex leidet und unbedingt für ihren Vater den asiatischen Titel im Boxen erkämpfen möchte, die der Kinder, die sich und ihren Opa versorgen müssen und die von einer Freundin Myeong-rans, die ihre Liebe aufs Spiel setzt, weil sie sich nicht getraut, ihrem Herzensmann zu gestehen, daß sie aus einem Armenviertel kommt. Außer der letzten wird keine der Geschichten zu einem befriedigenden Ende geführt. Es ist, als ob der Drehbuchautor nicht mehr wußte, wie er die Geschichten weiterführen soll. Sie brechen auf dem Höhepunkt ab, und in den letzten fünf Minuten wird noch auf Teufel komm raus ein Ende konstruiert, von dem man nicht versteht, wie es dazu überhaupt hat kommen können.
Das Ende bricht auch mit der Aussage zu der übertrieben schockhaft inszenierten Darstellung der Wohnungsvertreibung. Sollte dieses eigentlich dazu dienen, dieses Vorgehen, daß in Koreaso üblich ist, stark zu kritisieren, bekommt es mit dem freundlichen Ende auf einmal den Anschein, als wolle der Film Pil-jes anfängliche Meinung - daß die Armen ja eh nichts aus ihrem Leben machen wollen und es daher besser ist, sie aus ihren Wohnungen zu vertreiben, damit sie gezwungen sind, etwas für sich zu tun – unterstützen.
Auch Myeong-rans Geschichte, die weniger mit dem Viertel zu tun, führt mit ihrer schnellen Abwicklung und dem Ende zu nichts weiterem als zu der Aussage, daß Menschen, die der Gesellschaft nicht mehr direkt nutzen, nur eine Bürde für sie sind. Etwas, das mir als Humanist ziemlich schwer im Magen lag, auch wenn diese mögliche Lesart wahrscheinlich nicht vom Autor intendiert war.
Hinzu kommt noch, daß der Autor zu sehr drauf bedacht war, dem koreanischen Denken, daß ein Film nur gut ist, wenn er einem zum Lachen und zum Weinen bringt, gerecht zu werden. Leider war er in der Verbindung von beidem wohl nicht so geübt wie andere koreanische Autoren, denn oft setzt er beides viel zu dicht aneinander, so daß manchmal Situationen entstehen, die ihren Platz in einer Satire oder schwarzen Komödie gehabt hätte, hier aber ungewollt makaber wirken.
Lachen und Weinen um jeden Preis mag für viele KoreanerInnen vielleicht noch in Ordnung sein, Europäer, die aber mit diesem System weniger vertraut sind, werden an dem Film wohl weniger ihre Freude haben.





Dieser Film ist weder so gut, daß man ihn öfter sehen kann, noch so schlecht, daß man sich darüber aufregen oder wenigstens etwas daraus lernen könnte (außer natürlich vom Drehbuch). Ein belangloses, nichtssagendes Werk, daß wohl schnell in Vergessenheit geraten wird. Ich würde dazu raten, seine Zeit lieber in etwas anderes zu investieren und sich diesen Film einfach zu sparen.


Korea 2-Disc Special Edition
CJ Entertainment / Bear Entertainment
R3 / NTSC
Keep Case in Schuber
Laufzeit laut Cover: 113 min
Bild: 2.35:1 anamorphic widescreen
Ton: Koreanisch DD 5.1 Surround
Untertitel: Koreanisch, Englisch
Extras: Audiokommentare, Teaser, Trailer, Postershooting, Musikvideo, Über die “Geburt” des Films, Making Of, die Musik, Interviews, Dreh mit den Kindern, Deleted Scenes

Die DVD-Qualität ist, wie zu erwarten, recht gut.
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