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Namu Die CineGLobe Perle

Anmeldedatum: 21.09.2006 Beiträge: 4981
Wohnort: Oferdingen
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Verfasst am: Do Sep 11, 2008 02:04 Titel: Persepolis |
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Persepolis
Frankreich 2007
Regie: Vincent Paronnaud, Marjane Satrapi
Drehbuch: Vincent Paronnaud, Marjane Satrapi (Comic)
Musik: Olivier Bernet
Genre: Animationsfilm, Biographie
Trailer:
“Ich habe eine Revolution und einen Krieg überlebt, aber an einer Liebesgeschichte wäre ich beinahe zugrunde gegangen...“
Story:
Die kleine Marjane Satrapi liebt Bruce Lee Filme und Bee Gees und möchte Prophet werden, wenn sie einmal groß ist. Das Leben des persischen Mädchens verläuft völlig unbeschwert, bis sie erfährt, daß ihr Onkel und ihr Großvater unter der Regierung des Schah ins Gefängnis geworfen wurden. Aber die Proteste gegen den Schah sind groß und schließlich wird er gestürzt. Als der Onkel zurück nach Hause kommt, meint Familie Satrapi in eine bessere Zukunft blicken zu können...
Das einzige, was auf sie wartet sind jedoch Unterdückung und Krieg und die rebellische Marjane wird schließlich von ihren Eltern zur Sicherheit ins Ausland, ins ferne Europa geschickt...
Über den Film:
Zuerst einmal vorneweg: das Folgende soll keine in irgendeiner Weise objektive Kritik oder Review sein, sondern einfach ein paar persönliche Gedanken, eine persönliche Vorstellung eines Films, der mich zum Lachen, zum Weinen, zum Schmunzeln und zum Nachdenken gebracht hat.
Marjane Satrapi hat ihr bewegtes Leben in Form eines Comics festgehalten und dieser wurde voriges Jahr zu einem Animationsfilm verarbeitet, lief international in den Kinos und wurde schließlich für einen Oskar nominiert.
Als ich den Film ansah, war ich überhaupt nicht vorbereitet, was da auf mich zukam. Ich hatte mich nicht über den Film informiert, sondern ich kannte nur das Kinoposter, meine Cousine versicherte mir, ich „müßte“ diesen Film unbedingt sehen und ich wußte, daß der Film irgendetwas mit dem Iran zu tun hat. Da ich eine halbpersische Schwägerin habe, dachte ich, es könne nichts schaden, den Film einfach mal anzugucken, denn vielleicht wäre es ja etwas, was man ihr zum Geburtstag schenken könnte...
Da ich beim ersten Mal Sehen, wie gesagt, nicht wußte, daß ich es mit einer Biographie zu tun hatte, hat mich „Persepolis“ zuerst ziemlich verwirrt. Er wechselt nämlich in der Mitte des Films, wenn Marjane in eine neue Lebensphase eintritt, die Thematik, was bei einer Lebensgeschichte eigentlich normal ist. Der Comic geht in der Beziehung vielleicht etwas geschickter vor, denn Marjanes Kindheit und ihre Jugend sind jeweils in einem eigenen Band erschienen.
Ich möchte mich gerne am Comic orientieren und ebefalls beide Hälften des Films, beide Lebensabschnitte getrennt vorstellen.
Marjanes Kindheit:
Im ersten Teil des Films lernen wie Marjane als Kind einer Linksintellektuellen Familie kennen. Wie bei Kindern so üblich, beschäftigt sie sich viel mit dem, was auch ihre Eltern beschäftigt, in diesem Fall mit der politischen Entwicklung des Landes. Wir erfahren von den negativen Seiten der Regierung des Schahs, seinem Sturz, der Verwandlung des Landes in die islamische Republik unter Khomeini und dem Iran-Irak Krieg.
Mit den Schrecken der Zeit wurde sehr feinfühlig umgegangen. Die Bilder sind stets beklemmend, aber beschränken sich auf Andeutungen und eindeutige symbolische Darstellungen.
Dadurch, daß die Geschehenissen aus Kindersicht erzählt werden, können sie dem Zuschauer mit einfachen Worten erklärt werden.
Ich bin jetzt im Nachheinein öfter auf Kommentare zu diesem Film gestoßen, die gerade diese Einfachheit kritisieren. Dazu möchte ich gerne etwas bemerken: Ich hatte beim Ansehen des Filmes nicht den Eindruck, Frau Satrapi wolle eine wissenschaftliche Arbeit über die Geschichte des Irans vorlegen, sondern ihr Anliegen lag wohl eher darin, Land und Leute vorzustellen, Vorurteile abzubauen – in dem sie sehr betont, daß die Menschen im Iran auch nicht anders denken oder andere Interesse als die Menschen in Europa - und zu zeigen, daß nationale Probleme manchmal doch mehr international sind, als man annimmt. Die Zielgruppe des Films sind ganz klar Leute wie ich, die im Grunde genommen keine Ahnung davon haben – das stimmt jetzt auch nicht so ganz, ich hatte doch einige persische Bekannte während meiner Schulzeit, so daß ich nicht völlig ahnunglos war – aber scheinbar hatten alle, die ich kannte, irgendwie mit dem Schah zu tun, so daß ich vor dem Film einen völlig vereinfachten Eindruck hatte, nämlich daß der Schah der Gute gewesen sei und Khomenei des Böse – deshalb kann man dann doch wieder sagen, ich hatte keine Ahnung. Ich finde es richtig, daß bei einem Film mit so einem konkreten Anliegen, Leuten wie mir – also die keine Ahnung haben - nicht alle Dinge haargenau vorgekaut werden und manches auch etwas provozierend formuliert sein mag, denn das weckt schließlich auch das Interesse und den Wunsch sich mehr zu informieren.
Ich würde daher diesen Teil des Films eher so einschätzen, daß einem als ignorantem Zuschauer genau so viel hingelegt und genau so viel vor einem zurückgehalten wird, wie nötig. Das heißt, man lernt etwas von der Geschichte Irans kennen und wie bestimmte Gruppen dazu stehen, aber es ist nicht so viel, daß man sich nach dem Film zurücklehnen könnte, in dem falschen Bewußtsein, man hätte seine Schuldigkeit getan und wisse jetzt alles über den Iran, was es zu wissen gäbe.
Übrigens, falls sich das jetzt anhört, als wäre diese erste Hälfte sehr traurig und ernst, dann ist das ein falscher Eindruck. Der Film, auch die zweite Hälfte, wird stets durch Marjanes kleine persönliche Geschichten und durch ihre trockenen Kommentare aufgelockert. Und durch die enge Verbundenheit, die zwischen den Mitgliedern von Marjanes Familie besteht, vermittelt der Film auch sehr viel Wärme.
Marjanes Erwachsenwerden:
In der zweiten Hälfte des Films wird die Geschichte weniger politisch dafür viel persönlicher, denn nun kommt Marjane nicht nur nach Europa, nach Österreich um genau zu sein, sondern auch noch dazu in de Pubertät und da spielt die eigene Person auch eine größere Rolle.
Zusammenfassend würde ich sagen, die Hauptthematik dieses Teils - außer Marjanes „normaler“ Entwicklung vom Kind zum Teenager, vom Teenager zur jungen Frau und den im ersten Teil angesprochenen Punkten – sind Vorurteile und Identitätsverlust und die Problematik sozusagen zwischen zwei Welten zu stehen und weder so richtig zu der einen noch so richtig zur anderen zu gehören.
Und wieder muß ich sagen, daß ich finde, Marjane Satrapi geht mit der Thematik sehr feinfühlig um. Ihre Erlebnisse werden geschildert, wie sie sich wohl zugetragen haben, ohne anzuklagen, ohne verbittert zu sein, sondern mit viel Selbstironie und Selbsteinsicht.
Es wird außerdem richtig deutlich, wie schwer diese Probleme wirklich auf einem lasten können!
Abschließende Bemerkungen:
Ich kann jetzt nicht behaupten, daß ich persönlich die Erfahrungen gemacht habe, die Marjane Satrapi gemacht habe, denn ich lebe in dem Land, in dem ich geboren bin, aber Marjanes Erlebnisse (im zweiten Teil) spiegeln sehr genau das wieder, was ich bei Freunden, die in ihrer Lage sind oder auch bei meinem Opa erlebt habe und mich hat es wirklich sehr stark beeindruckt, daß sie – wie bereits erwähnt – einen solchen Film/Comic erschaffen kann, ohne die negativen Gefühle, die sie ja auch haben wird, hineinzupacken.
Außerdem finde ich den Film sehr schön gestaltet, da ich aber kaum Animationsfilme sehe, erlaube ich mich hier lieber kein Urteil.
Ich denke, man kann seine Zeit wesentlich schlechter investieren als in diesen Film und würde ihn gerne weiterempfehlen.
Und um noch einmal zum Anfang zurückzukommen: Ich habe meiner Schwägerin die DVD gekauft!
Vielen Dank übrigens an Nitschewo für die Persepolis Karte! Die steht jetzt bei mir zu Hause auf dem Kaminsims!

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yun CineMaster


Anmeldedatum: 28.03.2008 Beiträge: 2262
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Verfasst am: Fr Sep 12, 2008 11:34 Titel: |
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sehr schöne und einfühlsame filmbesprechung, namu, die genau das wiedergibt, wie ich den film sehe ... ich glaube auch nicht, dass frau satrapi eine allumfassende darstellung des heutigen iran und wie alles dazu führte in ihrem comic darstellen wollte ... was mit einem einzigen film wohl auch kaum möglich wäre ... vielmehr ging es ihr wohl darum, endlich einmal ein differenziertes und damit ein anderes bild des überaus komplexen lebens der menschen in iran anderen menschen, die damit nicht vertraut sein können, näherzubringen und vielleicht auch einmal über das eine oder andere nachzudenken anzuregen ... wegzukommen von den ewigen klischees und pauschalisierungen der medien .. aus dem zum großen teil unser wissen doch stammt ... hin ... zur persönlichen sicht der ereignisse ... (und damit auch das leben vieler anderer - ungenannter menschen - zu beschreiben) ... eigentlich das leben von ganz normalen menschen zu zeigen, die von den ereignissen der geschichte wie so viele andere überrollt wurden ... zu zeigen ... das es nicht nur eine strömung gab und gibt, sondern viele verschiedene - wenn diese auch zum schweigen gebracht wurden ... nicht umsonst sind viele in gefängnissen wie dem evin für immer verschwunden ...
doch wie immer - wer wird sich von diesem film angesprochen fühlen? ... die breite masse? - wohl kaum! ... diese vergnügt sich viel lieber mit dem neuesten blockbuster, wo jedes noch so kleine unbedeutende detail mit grenzenloser und überschäumender leidenschaft ganz unschuldig diskutiert wird ... also sind es eine handvoll menschen, die - aus welchen gründen auch immer - sich für dieses thema interessieren ... persepolis ist ein sehr schöner film geworden ... der nicht nur zum nachdenken ... sondern auch zum mitfühlen geeignet ist ... |
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plam CineMaster


Anmeldedatum: 20.09.2006 Beiträge: 676
Wohnort: Jena
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Verfasst am: Fr Sep 12, 2008 12:40 Titel: |
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Ich kenne zwar diesen Film hier (noch) nicht, aber wäre es nicht sinnvoller, wenn man sich ein umfassendes Bild der Menschen im Iran machen will, sich einen "richtigen" Film anzusehen und keinen Trickfilm? Wie gesagt, ich will eigentlich nicht vorschnell urteilen, aber ich denke, dass mir Filme, wie Jafar Panahis "Dayereh" wesentlich eindrucksvoller den Iran näher bringen können als etwas Gemaltes...Vielleicht sehe ich dies aber auch nur ein bissl zu eng und sollte mich an Persepolis zunächst mal versuchen?! _________________ plams DVD-Sammlung
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Namu Die CineGLobe Perle

Anmeldedatum: 21.09.2006 Beiträge: 4981
Wohnort: Oferdingen
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Verfasst am: Fr Sep 12, 2008 12:47 Titel: |
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@Yun: Ah sehr schön, daß noch jemand etwas zum Film geschrieben hat.
Ich war ja nicht ganz glücklich mit meiner Vorstellung. Und habe auch selten so lange gebraucht, um eine zu schreiben, nur um am Ende dazu übergehen, alles nur kurz anzureissen.
Aber Du hast Deine Gedanken dazu richtig gut auf den Punkt gebracht!
Das macht mir den Mut, jetzt auch noch einmal kurz etwas dazu zu sagen:
Was ich wirklich so besonders toll an Persepolis fand - und vielleicht ist das aber auch nur eine sehr subjektive, persönliche Filmerfahrung - war daß manch ein typisch menschliches Verhalten so absolut getroffen war, daß man sich sofort in der kleinen Marjane wiedererkennt und sich so auf diese Weise auch sehr gut mit ihr identifizieren kann und dadurch wiederum auf einer emotionalen Teil hat an ihren Erfahrungen und sich ihre Erfahrungen auf diese Art, so weit das möglich ist, zu eigen macht.
Man sieht nicht Marjanes Leben, sondern erlebt es mit ihr zusammen.
Man sollte den Film, glaube ich, nicht auf eine Herz aus-Hirn an - Weise sehen, weil man dann damit nicht glücklich werden kann.
Denn irgendwie läuft der Film auf einer anderen Ebene und bewegt auf diese Art etwas in einem und nach dem Schauen ist man - ohne das man es so richtig merkt - reicher als zuvor.
(Furchtbare schmalzig-pathetische Ausdrucksweise, daher habe ich es auch nicht so in die Review geschreiben, aber ich weiß gar nicht, wie ich das anders formulieren soll... - Ich hatte wirklich den Eindruck, ich hätte durch das Ansehen des Films etwas dazugewonnen...)
| yun hat Folgendes geschrieben: |
doch wie immer - wer wird sich von diesem film angesprochen fühlen? ... die breite masse? - wohl kaum! |
Und das finde ich wirklich schade, denn ich glaube, das liegt zum Teil auch einfach daran, daß er als nicht deutscher und nicht Hollywood Film einfach zu wenig beworben wird.
Es ist nämlich auch ein richtig guter Unterhaltungsfilm: abgesehen davon, daß der Film manchmal sehr traurig ist und ernste Theman hat, ist er nämlich auch wieder sehr, sehr amüsant. Ich glaube, ich habe schon lange nicht mehr bei einem Film so viel gekichert...
Edit @plam: In letzter Zeit posten alle gleichzeitig mit mir! Habe Dich übergangen, weil ich deinen Kommentar während des Schreibens nicht gelsen hatte.
Ich glaube, den Film als einen reinen Aufklärungsfilm anzusehen, nur weil er in einem Land mit schweren. politischen Umständen spielt, wäre falsch.
Wenn Du einen Film sehen willst, der Dich nur mit den polistischen Zuständen im Iran vertraut machen soll, solltest Du Dir Persepolis nicht ansehen.
Es ist eine Lebengeschichte einer jungen Frau und ein sehr persönlicher Film.
Mit den Menschen im Iran macht er Dich aber schon vertraut, nur auf eine andere Art. Denn Marjani Satrapi ist eben eine junge Frau aus dem Iran, die meines Erachtens auch ein fenies Auge für ihre Umwelt besitzt. Aber so wie das bei Menschen nun einmal üblich ist, ist nicht ihr ganzes Leben von den politischen Umständen geprägt.
Mal ganz abgesehen davon, daß nur eine Hälfte des Films überhaupt im Iran spielt.
Das Anliegen des Film und ihr Beweggrund den Comic zu schreiben, war auch, wie ich bereits angesprochen habe, nicht, um eine Abhandlung über die politische Situation im Iran aufzuklären, sondern ist eine Reaktion auf die Erfahrungen, die sie als Iranerin in Europa gemacht hat.
Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, daß Dir der Film wahrscheinlich nicht gefallen würde...
Ob Animation oder nicht, ist eine Frage, die man sich schon stellen kann. Persönlich halte ich die Menschen schon in der Lage symbolische Darstellungen und Abstraktionen auf eine Realität zu übertragen.
(Aber ich neige ja sowieso dazu, die Realität an sich in Frage zu stellen, also dürft Dich meine Einstellung dazu nicht überraschen).
Zuletzt bearbeitet von Namu am Fr Sep 12, 2008 13:19, insgesamt 5-mal bearbeitet |
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Nitschewo CineMaster


Anmeldedatum: 13.10.2007 Beiträge: 280
Wohnort: Datenfeldweg
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Verfasst am: Fr Sep 12, 2008 18:38 Titel: Re: Persepolis |
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Leider habe ich den Film immer noch nicht gesehen... Diese schöne Vorstellung hat ihn mir wieder ins Gedächtnis gerufen... Danke!
Obwohl ich ernsthaft überlege, erstmal das Comic zu lesen...
| Namu hat Folgendes geschrieben: |
| Vielen Dank übrigens an Nitschewo für die Persepolis Karte! Die steht jetzt bei mir zu Hause auf dem Kaminsims! |
Das freut mich aber! 
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