Namu Die CineGLobe Perle

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Verfasst am: Do Jul 26, 2007 12:25 Titel: Natural City |
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Natural City
내츄럴 시티
Südkorea 2003
Regie: Min Byung-chun
Kamera: Lee Joon-kyu
Drehbuch: Han Jae-rim, Park Sang-hoon
Musik: Lee Jae-jin
DarstellerInnen: Yu Ji-tae, Seo Rin, Lee Jae-eun, Yun Chan, Shin Goo, Jung Doo-hong, Go Ju-hee
Genre: Science Fiction
„Time left with R, 78 hours and 12 seconds... 11 seconds…”
In der nahen Zukunft ist die Erde von Menschen und Cyborgs bevölkert. Die Cyborgs haben jedoch eine nur sehr begrenzte Lebensspanne. Ein ehemaliger Kampfcyborg namens Cypher rebelliert gegen dieses System und attakiert das medizinische Zentrum. Zur Einheit, die ihn aufhalten soll, gehört der Militärpolizist R, der sich in die Cyborgtänzerin Ria verliebt hat. Ria steht kurz vor ihrem Verfall und R sucht verzweifelt einen Weg sie am Leben zu halten. Dafür bräuchte er aber den Körper des Straßenmädchens Shion
Es betseht kein Zweifel daran, daß Natural City auf technischer Ebene problemlos mit den viel, viel teureren Hollywoodproduktionen des Genres mithalten kann. Die Kameraarbeit ist sehr gut, die Bilder eindrucksvoll. Die CGI erschafft Raumschiffe und andere Flugobjekte, sowie zerstörte Städte, die fast echt wirken, bzw. denen man das wenige, was noch computerhaft wirkt, gerne verzeiht und die Kampfszenen – choreographiert von Jung Doo-hong (Natural City, Miracle on 1st Street), der auch die Rolle des Cypher spielt - sind eindrucksvoll und sauber und laufen mit der richtigen Mischung aus Slow Motion, Standbild und normaler Geschwindigkeit ab. Ich möchte jetzt ungern sagen, daß sie stark an The Matrix erinnern, da ich irgendwo in meiner Literatur bei den Einflüßen des asiatischen Kinos auch einen Artikel gefunden haben, bei dem es um die kinetischen Kampfszenen des Koreanischen Kinos und deren Einfluß auf The Matrix geht - das heißt, man kann sich jetzt darüber streiten, was zuerst war: Huhn oder Ei – es ist aber auf jeden Fall dieser Stil.
Leider ist Natural City aber trotzdem kein Meisterwerk, nicht einmal annähernd, denn er hat fatale Schwächen, was die Geschichte und die Charakterzeichnungen angeht. Die Meisten, die die Inhaltsangabe oben gelesen haben, werden wahrscheinlich sofort an Blade Runner gedacht haben. Die Geschichte des Polizisten, der sich in eine Cyborgdame verliebt, während er gleichzeitig damit beschäftigt ist, andere Cyborgs auzuschalten, die kurze Lebenszeit der Cyborg als Wurzel allen Übels sind Dinge, die direkt aus Blade Runner entnommen wurden. Diese „Inspiration“ scheint auch niemals verneint worden zu sein, wurde der Film doch als Koreanischer Blade Runner beworben. Nun, im Unterschied zu Natural City, bestand Blade Runner aber aus mehr als nur schön gemachten, futuristischen Bildern und einer interessanten Geschichte. Der Plot warf zu dem auch noch tiefgehende, anthropologische Fragen auf. Bei Natural City ist eine tiefere Ebene einfach gar nicht vorhanden und der Vergleich mit Blade Runner tut dem Film also keinen Gefallen, denn mit nichts weiter als einer ähnlichen Story, kann er dabei ja nur den Kürzeren ziehen.
Der zweite schwere Malus liegt, wie gesagt, in den Protagonisten. Ria und R sind fast charakterlos. Sie sind Figuren, die man vergessen hat zum Leben zu erwecken. Bei R kann man noch stellenweise eine Tendenz dazu erkennen, jemand zu sein, den ich als arroganten, egoistischen Idioten bezeichnen würde, aber Ria ist nur eine Schaufensterpuppe, die erste eigene Handlung, die sie begeht und sie einem etwas näherbringt, findet erst gegen Ende des Films statt. Zu spät, denn bis dahin hat selbst der Wohlmeinendste das Interesse an ihr verloren. Wahrscheinlich soll dieses Puppenhafte (die Cyborgdamen werden auch Dolls genannt) den Cyborgcharakter beschreiben, aber es tut dem Film nicht gut, ihr so viel Menschlichkeit zu nehmen, denn dem Zuschauer wird es so schwerfallen, Sympathien für ihre Liebegeschichte aufzubringen. Er wird sich eher wie Shion fragen, wie es möglich ist, sich in einen Cyborg zu verlieben. Und R scheint ja auch an manchen Stellen eher von der Idee besessen, Ria zu retten, als sie tatsächlich zu lieben.
Es gibt Schauspieler, die in der Lage sind allein durch ihre Ausstrahlung, noch aus Nichts etwas zu machen, aber Yu Ji-tae (Oldboy, Hwang Jin Yi, Ditto), obwohl ein guter Darsteller und Seo Rin gehören leider einfach nicht dazu.
Zum Glück hat der Film noch ein paar detaillierte Nebenfiguren, wie Rs Vorgesetzten Noma (Yun Chan aus Innocent Steps) oder dessen Verehrerin Ami (Go Ju-hee), sowie eine weitere Hauptfigur in dem Straßenmädchen Shion (Lee Jae-eun aus DMZ), deren Schicksal einem wesentlich mehr am Herzen liegt und denen man gerne bis ans Ende der oberflächlichen Handlung folgt.
Wie man sieht, war ich von Natural City wenig begeistert. Er sieht zwar sehr schön aus (nicht vom unteren kitschigen Bild irritieren lassen, das kommt aus so etwas wie einem Holodeck. ), aber alles andere kommt leider zu kurz. Science Fiction Fans, die keine tiefere Handlung erwarten und Liebhaber moderner Kampfszenen könnten eventuell trotzdem Gefallen daran finden.
Es gibt mehrere deutsche DVD-Ausgaben des Films. Die älteste hat nur die deutsche Synchronisation zu bieten. Die neuere Gold Edition hat dazu auch noch den O-Ton mit einblendbaren deutschen Untertiteln.
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