Vorheriges Thema: Das tödliche Schwert Nächstes Thema: Koreanische Filme 2009 - Rückblick |
| Autor |
Nachricht |
Namu Die CineGLobe Perle

Anmeldedatum: 21.09.2006 Beiträge: 4900
Wohnort: Taipeh
|
Verfasst am: Di Feb 16, 2010 15:18 Titel: Samurai Rebellion |
|
|
Jōi-uchi: Hairyō tsuma shimatsu
上意討ち 拝領妻始末
aka Samurai Rebellion
Japan 1967
Regie: KOBAYASHI Masaki 小林 正樹
Drehbuch: TAKIGUCHI Yasuhiko (Roman), HASHIMOTO Shinobu 橋本 忍
Kamera: YAMADA Kazuo 山田 一雄
Musik: TAKEMITSU Toru 武満 徹
DarstellerInnen: MIFUNE Toshiro 三船 敏郎, NAKADAI Tasuya 仲代 達矢, TSUKASA Yoko, KATO Takeshi
Story:
Sasahara Isaburo ist ein kleiner Samurai, der in eine bedeutende Familie eingeheiratet hat. Über Jahre hinweg von seiner Ehefrau und den Verwandten auf seinen Platz verwiesen, träumt er davon, daß wenigstens sein Sohn Yogoro ein richtiges Familiendasein mit einer liebenden Frau erfahren wird. Leider kommt es meistens aber anders als man denkt, und so sieht sich Isaburo eines Tages mit der „Anfrage“ konfrontiert, er möge Yogoro mit Ichi, einer fallengelassenen Konkubine des Daimyo, verheiraten.
Dies ist jedoch nur der Auftakt zu einer Reihe von Ereignissen, die Isaburo schließlich dazu bringen werden, das Glück seiner Familie auch gegen die Wünsche des Daimyo zu schützen.
Kommentar:
„Samurai Rebellion“ ist einer der besten Samuraifilme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Ich würde eventuell sogar sagen, daß es überhaupt einer der besten Samuraifilme ist, die ich gesehen habe, muß aber gleich dazu sagen, daß das nun nicht so eine große Anzahl wäre, als daß diese Aussagen wirklich etwas bedeuten würde.
In meiner Begeisterung habe ich, nach Ansehen des Films, einige Reviews anderer Menschen zu „Samurai Rebellion“ gelesen, um sicher zu gehen, daß ich bei dem Film nicht etwas mißtverstanden habe. Dabei ist mir aufgefallen, daß diese sich wenig voneinander entscheiden. Die meisten betonen den humanistischen Charakter des Films und die Thematik des Amtsmißbrauchs. In ausführlicheren Texten werden dabei noch Parallelen zu Kobayashi Masakis eigenem Leben gezogen. Der Regisseur galt als Pazifist und sagte von sich selbst, er habe immer ein Problem mit der Akzeptanz von Autoritäten gehabt, was sich wohl in den meisten seiner wenigen Filme widerspiegelt.
Im Großen und Ganzen mußte ich all diesen Reviews zustimmen. Die genannten Punkte, also Kritik am Amtsmißrauch und dem Wert des Menschen als Menschen und nicht als herschiebbare Puppen, sind in diesem Film so betont, daß es im Grunde genommen, nicht möglich wäre, sie zu übersehen.
Mich hat es jedoch gewundert, daß ich keinen Text gefunden habe, in dem erwähnt wurde, daß es in „Samurai Rebellion“ auch um Individualismus (im Positiven Sinne) geht. Vielleicht irre ich mich ja und es geht gar nicht darum, aber ich empfand es so stärker, als ich es jemals in in einem Film erlebt habe (hm, vielleicht sind auch die norwegischen Untertiteln betonter in dieser Richtung als die englischen?). Im Gegensatz zu anderen Samuraifilmen, in denen sich eine Person gegen die Obrigkeit stellt, ist es hier ja nicht allein eine Frage von einem Gefühl von richtig und falsch, die letztendlich zur „Rebellion“ führt, sondern auch ein Festhalten an eigenen Träumen und Bedürfnissen.
Seine Dramatik und Spannung erfährt der Film ja gerade dadurch, daß die Personen nicht nur in Dilemmasituationen kommen, in denen sie entscheiden müssen, zwischen Gehorsam gegenüber der Obirgkeit und ihrer Vorstellung von richtig und falsch, sondern viel mehr noch, zwischen dem, was sie sollen und dem was sie wollen.
In Verlaufe des Films, wird mehrmals die Frage gestellt (unter verschiedenen Umständen), was ein Charakter möchte. Und ich denke, gerade durch diese Fragen und die schweren (wirklich schwere; ich hätte oft nicht gewußt, wie ich an ihrer Stelle hätte handeln sollen) Entscheidungen, die die Figuren im Hinblick auf sich selbst und andere treffen müssen, werden sie sich im Laufe des Films auch immer mehr ihrer selbst bewußt.
Ich fand diese Entwicklung ausgesprochen spannend zu verfolgen und es hat für mich „Samurai Rebellion“ zu einem besonderen Film gemacht.
Nebenher ist es narürlich aber auch noch ein sehr gut gespieltes und schön gefilmtes Werk, bei dem die Bilder sehr gekonnt entweder die Aussagen des Film unterstützen (siehe Screenshot 1), oder die Stimmung und das, was in den Figuren vorgeht widerspiegeln (siehe Screenshot Nr 2) .
Was ich am Ende noch zum Weiterfragen ansprechen wollte, wäre Nakadai Tatsuyas Rolle: ich hatte etwas Probleme mit der Interpretation seiner Figur.
Ich habe ein paar wage Vorstellungen, aber ich denke, die Rolle ist nur aus der japanischen Kultur heraus zu verstehen und ich bin mit Japan nicht sehr vertraut. Wenn jemand dazu Ideen hätte und diese mitteilen könnte, wäre das sehr nett!
Hm, ich wollte eigentlich auf die Schatten hinaus, aber ich merke, so richtig funktioniert das nur, wenn sie in Bewegung sind...
|
|
| Nach oben |
|
 |
yun CineMaster


Anmeldedatum: 28.03.2008 Beiträge: 2262
|
Verfasst am: Di Feb 16, 2010 15:52 Titel: Re: Samurai Rebellion |
|
|
| Namu hat Folgendes geschrieben: |
Was ich am Ende noch zum Weiterfragen ansprechen wollte, wäre Nakadai Tatsuyas Rolle: ich hatte etwas Probleme mit der Interpretation seiner Figur.
Ich habe ein paar wage Vorstellungen, aber ich denke, die Rolle ist nur aus der japanischen Kultur heraus zu verstehen und ich bin mit Japan nicht sehr vertraut. Wenn jemand dazu Ideen hätte und diese mitteilen könnte, wäre das sehr nett! |
puh ... mein gedächtnis für die handlung eines filmes ist wirklich nicht das beste ... weshalb ich mich nicht immer an alle wichtigen details erinnere ... aber so weit ich es noch weiß musste nakadai tatsuya zwischen seiner freundschaft zu mifune toshiro und seiner pflicht (aufgabe) als wächter des grenzpostens abwägen ... als freund hätte er mifune vielleicht (sicherlich) durchgelassen, von amts wegen durfte er das aber nicht ... fehler wurden ja nicht nur demjenigen angelastet, der den fehler begang, sondern auch seiner familie (bzw. den mitgliedern des clans, da alle füreinander verantwortlich waren), selbst, wenn diese noch so weit verzweigt war ... trotz allem schien es ihm gerade deshalb nicht möglich zu sein, den weg zu gehen, den mifune gegangen war ...
und einfach während der zeit wegzuschauen ging auch nicht ... seine aufgabe war es schließlich mifune am überschreiten der grenze zu hindern ... |
|
| Nach oben |
|
 |
Namu Die CineGLobe Perle

Anmeldedatum: 21.09.2006 Beiträge: 4900
Wohnort: Taipeh
|
Verfasst am: Mi Feb 17, 2010 04:13 Titel: |
|
|
In die Richtung habe ich auch gedacht...
Was mich eben vor allem verwirrt, waren die verschiedenen Charaktere von Mifune Toshiro und Nakadai Tatsuya. Der ein war ja sehr korrekt. Ich war mir dann nicht so sicher, ob er als eine Art Gegenteilfigur zu Mifune dienen soll?
Aber irgendwie haut das nicht hin, denn er geht im Endeffekt auch seinen Pfad, da er in dieser Korrektheit auch aufzugehen scheint und sie bis zum Ende durchzieht. Und eigentlich geht er in dem, was er seinen Vorgesetzten durch die Blume sagt, viel weiter als Mifune das tut. So ganz als Gegenstück kann seine Figur dann wohl auch nicht gedacht sein...
Hah, das beschäftigt mich wirklich schwer.
Aber wenn es schon länger her ist, daß Du den Film gesehen hast, wird sich mein Problem auch ein wenig überflüssig anhören. Ist ja jetzt nicht wirklich sooooo wichtig für das Funktionieren des Films.
Ich finde, Dir ist seine Figur ziemlich gut in Erinnerung geblieben!
Übrigens, wegen Frauengestalten: Ichi fand ich sehr interessant! (Der arme Yogoro sah neben ihr ein wenig blass aus. ) |
|
| Nach oben |
|
 |
yun CineMaster


Anmeldedatum: 28.03.2008 Beiträge: 2262
|
Verfasst am: Mi Feb 17, 2010 12:23 Titel: |
|
|
| Namu hat Folgendes geschrieben: |
...Hah, das beschäftigt mich wirklich schwer.
Aber wenn es schon länger her ist, daß Du den Film gesehen hast, wird sich mein Problem auch ein wenig überflüssig anhören. Ist ja jetzt nicht wirklich sooooo wichtig für das Funktionieren des Films. ... |
nein ... überhaupt nicht ... ich versuche ja auch immer einen filmcharakter bis ins kleinste zu verstehen ... und ganz besonders dann, wenn man sich so viel mühe mit der charakterzeichnung macht, wie es hier geschehen ist ...
hm ... eine mögliche interpretation wäre diese ... wer von den beiden war der bessere schwertkämpfer? ... falls es mifunes charakter war, ist folgendes möglich ... nakadai versuchte beiden anforderungen gerecht zu werden, die seines vorgesetzten und die seines freundes ... seine pflicht war es mifune am überschreiten der grenze zu hindern, gleichzeitig wusste er, das er gegen mifune im zweikampf keine wirkliche chance hatte ... er also schließlich mifune am überschreiten der grenze gar nicht hindern konnte ... da er sich ihm im zweikampf stellte, wurde er beiden anforderungen gerecht - da er schon im voraus wusste, dass er ihn verlieren würde  |
|
| Nach oben |
|
 |
|
|
|
|
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
|
|
|