Namu Die CineGLobe Perle

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Verfasst am: Mi Jul 01, 2009 15:30 Titel: Straßen der Gewalt |
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Straßen der Gewalt
Originaltitel: 비열한 거리 Biyeolhan geori
aka A Dirty Carnival
Südkorea 2006
Regie: YU Ha 유하
Drehbuch: YU Ha 유하
Kamera: CHOI Hyeon-gi 최현기
Musik: JO Yeong-uk 조영욱
Actionchoreographie: SHIN Jae-myeong 신재명
Genre: Gangsterdrama
Cast:
JO In-seong 조인성 als Byeong-du/Byung-doo
NAM Gung-min 남궁민 als Regisseur Min-ho
JIN Gu 진구 als Jong-su/Jong-soo
LEE Bo-yeong 이보영 als Hyeon-ju/Hyun-joo
CHEON Ho-jin 천호진 als Herr Wang
YUN Je-mun 윤제문 als Sang-cheol/Sang-chul
(Ich weiß leider nicht, wie die Namen der Figuren auf deutsch umgeschrieben wurden, daher habe ich jetzt einfach mal mehrere Schreibmöglichkeiten benutzt...)
Und nun müssen wir nur noch hinter uns aufräumen...
Byeong-du ist ein kleiner Gangster, Anführer einer ständig in Existenznöten steckenden 7-köpfigen Schlägertruppe. Er arbeitet für den Gangsterboss Sang-cheol, der wiederum von einem Herr Wang „gefördert“ wird. „Förderung“ bedeutet in diesem Fall, daß Sang-cheol seine Leute die dreckige Arbeit für Herrn Wang erledigt und im Gegenzug an dessen legalen Geschäften beteiligt wird.
Als Sang-cheol einen besonders riskanten „Auftrag“ Herrn Wangs nicht erledigen möchte, sieht Byeong-du eine Chance, sich, seiner Familie und seinen Jungs eine bessere Zukunft zu sichern.
Zur gleichen Zeit wird Byeong-du von seinem alten Schulkameraden Min-ho, der einen Gangsterfilm drehen möchte und für sein Script Polizisten und Gangster interviewt, aufgesucht. Min-ho bringt Byeong-du wieder in Kontakt mit dessen Jugendliebe Hyeon-ju.
Das Einbrechen seiner alten Freunde in Byeong-dus Gangsterexistenz führt zu einer unerwarteten Entwicklung der Ereignisse...
Kommentar:
Eigentlich mag es ein wenig seltsam sein, daß ich, obwohl ich ihn öfter mal empfohlen habe und owohl der Film damals sowohl von Publikum als auch Kritikern sehr gut angenommen wurde und obwohl es ihn auf deutsch gibt , mich erst so spät dazu aufraffen kann, über „A Dirty Carnival“ - oder „Straßen der Gewalt“ wie er auf deutsch heißt (auf koreanisch übrigens auch. Oder jedenfalls etwas wie „Grausames Pflaster“) – zu schreiben, aber es ist nicht ganz grundlos: erstens schreibe ich ungern etwas zu Filmen, von denen ich weiß, daß sie in Deutschland erst ab 18 Jahren freigegeben wurden und zweitens ist es tatsächlich nicht so einfach, etwas adäquates über den Film zu sagen bzw. ihn angemessen zu beschreiben.
A Dirty Carnival ist nämlich ein wenig anders als die Gangsterfilme, die ich kenne. Was ich in der Richtung hauptsächlich gesehen habe, sind epische Filme alla „Der Pate“ oder stylische Filme alla „A Bittersweet Life“ oder Noir Filme mit einem Hauch dunkler Gangsterromantik und runtergekommener, aber dennoch „cooler“ Charaktere. „A Dirty Carnival“ paßt in keines dieser Schemen. Es ist kein Epos, dazu fehlen dem Film Pathos und „epische“ Bilder und Gefühle, es ist kein stylischer Film, dazu versucht er zu realistisch zu sein und es ist kein Noir Film. Wie Freaknot mal so schön über einen anderen Film sagte: „dazu ist er nicht dunkel genug“. Und nun komme ich auch schon in Erklärungsnöte: Ich schreibe, „der Film sei nicht dunkel“, aber eigentlich ist das nicht direkt wahr: er ist zwar weder im optischen Sinne dunkel, noch in diesem, daß er sich mit irgendwelchen „Schattenexistenzen“ befaßt, aber er ist dafür recht zynisch!
Die Idee vom Gentlemangangster und die ganze Gangsterehre geht hier mit leichtem Humor und einem Hauch von Ironie den Bach runter. Die Gangster sind zwar sympathisch, aber sie sind weder Held noch Antiheld, eher eine Gruppe Verlierer und Byeong-dus Reden von Loyalität und „Familie“ wirken absichtlich deplatziert und entlocken dem Zuschauer eher ein Lächeln über Byeong-dus Naivität.
Letzteres auch ein guter Trick, um den Zuschauer trotz der Tatsache, daß er im Grunde genommen ein Verlierer und Mörder ist, für den Hauptcharakter einzunehmen. Byeong-du hat eine naive Seite, die unschuldig wirkt und es glaubhaft macht, daß er sich nicht für einen schlechten Menschen hält und auch von seinem Umfeld nur bedingt als solcher gesehen wird.
Es war eventuell weise von Regisseur YU Ha diese Rolle mit JO In-seong zu besetzen, der eigentlich für sein Babyface bekannt ist und hier gegen sein Image gespielt hat. Die Kombination von Charakter mit Schauspieler funktionierte sehr gut. YU Ha hat dann auch wieder in seinem nächsten Film A Frozen Flower mit JO In-seong zusammengearbeitet.
Dafür dürfte die Figur des Filmregisseurs auf den westlichen Betrachter ein wenig jung wirken. Man sollte hier auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, daß koreanische Regisseure zur Zeit wirklich sehr jung sind. Viele Filme, die dort momentan im Kino laufen wurden von Regisseuren im Alter von 25-30 Jahren gedreht. Die Jugend des Regisseurs ist also nicht wirklich unrealistisch!
Vielleicht sollte ich hier auch betonen, daß die Kombination von Gangstern und Film/Kino im südkoreanischen Film nicht unbedingt eine Seltenheit ist. (Woraus man einiges schließen kann... )
Bei den Nebenfiguren, die in diesem Film wichtig sind, ist YU Ha, meines Erachtens, kein großes Risiko eingegangen: CHEON Ho-jin, YUN Je-mun, JIN Gu hatte ich bereits alle schon in ähnlichen Rollen gesehen und das war für die Schauspieler wohl eher ein Heimspiel. Die ersten beiden sind noch dazu alte Hasen, während letzterer sich, obwohl er eigentlich als Byeong-dus rechte Hand Jong-su eher im Hintergrund agiert, durch diese Rolle einen Ruf machen konnte. (Er ist wahrscheinlich Koreas Personifikation eines „streetsmarten“ Kleinkriminellen... )
Vom schauspielerischen Aspekt läßt sicher daher nichts am Film aussetzen, das gleiche gilt auch, wie man bei einem namhaften Regisseur wie YU Ha auch erwarten sollte, für Machart und auch für die Actionchoreographien. Letztere sind sehr schön – ohne dieses Gewackel, von dem einem schlecht wird - aber "nicht ganz ohne" (der Film ist ab 18!) in Szene gesetzt und für ein Gangsterdrama reichlich. Aber sie sind im Sinne des Films nicht auf Kampfkunst, sondern auf „Straße“ gemacht. (das muß man erwähnen, weil Menschen manchmal etwas Falsches erwarten, wenn man asiatischer Film und Actionszene innerhalb eines Artikels erwähnt...)
Interessant war auch die Musik, die mit der Verwendung alter Songs und Discomusik einen Kontrast zwischen Gangstern und Filmwelt erzeugte und auch wieder ein wenig mit der Vorstellung von Gangsterehre und Gangsterromantik spielt.
Was mich persönlich aber ein wenig an „A Dirty Carnival“ gestört hat, war die Laufzeit. Eventuell ist das, was ich habe, ja ein Director’s Cut oder so, aber das was ich gesehen habe, hatte eine Laufzeit von 140 min, die zwar zum größten Teil recht schnell herumgehen, aber sich gerade gegen Ende etwas ziehen, da dort einige Szenen eigentlich sehr gut hätten gekürzt werden können!
Trotzdem halte ich den Film für sehr sehenswert und möchte ihn gerne allen ans Herz legen, die sich für asiatische Gangsterdramen oder allgemein für Gangsterdramen interessieren!
Er ist in Deutschland als Einzel- und als Doppel DVD erschienen.
Ich weiß leider nicht, wie das mit Bildern und Trailern bei einem 18er Film ist. Da man den deutschen Trailer auf der Webseite von Splendid Entertainment ohne Altersnachweise sehen kann, nehme ich mal an, daß der Trailer jugendfrei ist und wage es, ihn hier in der englisch untertitelten Version (ist der gleiche Trailer wie der deutsche) zu posten. Wenn das nicht geht, dann möge bitte jemand von Admins oder Moderatoren, Trailer und Bilder löschen:
Auf deutsch kann man ihn sich, wie gesagt, hier ansehen (ich halte aber die Synchrostimme von Jo In-seong und LEE Bo-yeong für etwas fragwürdig. Und das „Prost“ am Ende hört sich im Vergleich zum „Geonbae“, wie CHEON Ho-jin es sagt, schon ziemlich komisch an!):
http://www.amazia.de/amazia_trailer.php?id=24426
Byeong-du (links) bespricht mit Jong-su (rechts) und der üblichen Flasche Soju das weitere Vorgehen ihrer Gang
Alltag 1
Alltag 2
Min-ho (links) versucht Byeong-du (rechts) Geschichten aus dem Gangsterleben zu entlocken
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