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Tage des Zorns - Filmkritik

 
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Crenshaw
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BeitragVerfasst am: Do Sep 11, 2008 11:05    Titel: Tage des Zorns - Filmkritik

Tage des Zorns - "Flammen og Citronen"




Regie : Ole Christian Madsen

Buch : Lars K. Andersen und Ole Christian Madsen


Flame (Thure Lindhardt) und Citron (Mads Mikkelsen, „Casino Royale“) sind Widerstands-Frontkämpfer in dem durch deutsche Streitkräfte besetzten Dänemark anno 1944. Kaltblütig und regungslos ermorden sie ausgesuchte dänische Nazi-Kollaborateure in ihren Wohnungen oder auf offener Straße, lassen deutsche Besatzungskräfte jedoch weitgehend unangetastet. Ihre von Großbritannien und Schweden unterstützen Aktionen lassen sie in Augen der Bevölkerung als Kriegshelden im Kampf gegen die faschistischen Invasoren dastehen. Ihr größter Dorn im Auge ist hierbei der Gestapo-Chef Hoffmann ( Christian Berkel „ Der Untergang“, „Das Experiment“), der jedoch infolge einer Anweisung aus London nicht angetastet bleiben darf. Der junge Flame, muss sich zwischen seinem Vaterland, dem Hass auf die Deutschen und seiner Liebe zur ebenso reizenden wie undurchsichtigen und mysteriösen Ketty ( Stine Stengade ) entscheiden – und die Frage beantworten, ob sein Handeln überhaupt einen anderen Sinn haben kann, außer eine unhaltbare Gewaltspirale zu entfesseln, bei der immer mehr Unschuldige ums Leben kommen.



Eine Heldengeschichte, die keine ist – das ist „Flammen og Citronen“ ( ein viel passender Titel als das seichte und videospiel -anmutende dt.“Tage des Zorns“ – so hätte auch ein Film über Autorennen oder Geiselbefreiung heißen können). Der Regisseur Ole Christian Madsen erzählt eine Geschichte, die eindringlich daran erinnert, dass hinter den angeblichen Heldengeschichten immer Menschen stehen, die über ein komplexes Innenleben verfügen und sich permanent mit einer Vielzahl von komplexen moralischen Fragen auseinandersetzen müssen, die man lieber unangetastet ließe.



Die Welt von Flame und Citron, anfangs noch ein Universum, in dem es nur Gut und Böse gibt und ihre Exekutionen dänischer Landsleute als gerechte Strafe empfunden werden, kommt bereits nach kurzer Zeit ins Wanken.
Anstelle der schwarz/weißen Aufteilung tritt ein diffuses Grau an den Tagesplan, im Rahmen dessen eine Gewaltlösung eine seelische Befriedigung der Rachegelüste nicht herzugeben vermag. In dieser Nebelbank aus Paranoia, Verrat, Misstrauen und Intrigen operieren die beiden Freunde quasi blindlings, während sie an der Natur ihrer Tätigkeit (die auch Kinder und Unbeteiligte nicht unverschont lässt) langsam aber sicher zu zerbrechen drohen.



Ihre persönlichen Missgeschicke und moralischen Irrwege lassen ein Überleben ihrer Menschlichkeit in Form des Rückzugs in ein heiles Familien- oder Beziehungsleben unmöglich werden. Flame gesteht sich jedoch, dass es für Menschen, die diesen Pfad eingeschlagen haben, kein Leben danach geben kann, da es keinen Sinn machen würde.
Ein wunderbar inszenierter WWII-Thriller ohne falschen Heldenpathos, dafür mit einer detailreichen Geschichtsschilderung, spannenden Szenen und guten Darstellern.



Insbesondere Mikkelsen‘s Citron, der zwar weniger sagt, aber umso mehr den Zuschauer an seiner inneren Krise beteiligen lässt, liefert ein sehr starkes Spiel. Sein stiller Charakter steht im krassen Gegensatz zum aufbrausenden Flame (Thure Lindhardt spielt hier so auf, wie man es von einer tragischen Rolle dieser Tragweite erwarten kann), der seine Gefühle kaum verbergen kann und stets sagt, was er denkt. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang, dass die Beziehung zwischen Flame und Citron nicht als Freundschaft bezeichnet werden kann, sondern eher ein respektierendes und zutiefst loyales Nebeneinander darstellt, wie in einer militärischen Einheit. Gefühle finden hier keinen Platz, es geht nur um die Erfüllung des Auftrages.



Diese gestalten sich überaus spannend in Szene gesetzt und lassen den Zuschauer gehörig mitfiebern – auch wenn der Großteil des Films, wie bei klassischen Spionen-Machwerken sich aus Dialogen zusammensetzt. „TdZ“ baut erst gar nicht auf Actionsequenzen, sondern fährt eine weitaus ruhigere aber in dieser Hinsicht auch angenehme Schiene des europäischen Films, in dem der Zuschauer unterhalten wird, ohne dass ständig etwas buntes und computergeneriertes auf der Leinwand passieren muss, um Spannung zu erzeugen.



Sehr positiv fand ich die mir zuvor unbekannte Stine Stengade, die ihre Ketty sowohl als eiskalte Femme Fatale als auch eine zerbrechliche, leidende Frau fantastisch rüberbringt. Sie hat viel vom betörenden Originalcharme der Darstellerinnen aus den 40ern und 50ern. Christian Berkel besticht – wie eigentlich immer in seiner doch eher kleinen Rolle des pflichtbewussten aber an einen Ehrenkodex glaubenden dt. Offiziers.
Betonen muss man her die fabelhaft-sensible Kameraführung, die mich an Michael Ballhaus, Conrad Hall und Janucz Kaminski erinnert und die Sets klasse einfängt. Die unauffällige Musik passt zwar stets zum Geschehen, aber hält sich meist ohnehin im Hintergrund, ein Hauptthema habe ich vermisst.

Starkes Stück Geschichte abseits des Mainstreams, spannend und gefühlvoll inszeniert, grossartig gefilmt. Bitte alle anstelle von "Wanted" in diesen film reingehen, okay ? Wink dann beklagt sich auch niemand über eine inhaltliche leere oder eine inadäquate FSK-18 vergabe oder über zu viel schiessereien, hm ?


4,5 von 5 Punkten

Cool Cool Cool Cool Cool

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