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The Abandoned Filmkritik

 
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plam
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BeitragVerfasst am: Mi Feb 06, 2008 14:47    Titel: The Abandoned Filmkritik



THE ABANDONED

Regie: Nacho Cerdà

Drehbuch: Nacho Cerà, Karim Hussain

Darsteller: Anastasia Hille, Karel Roden, Valentin Gadev, Paraskeva Djukelova

Produktion: Spanien/USA 2006

Laufzeit: 95 min.


Fast 42 Jahre ist es her, als Marie ihre Mutter verloren hat. Damals war sie noch ein Säugling und konnte einem schrecklichen Unheil nur knapp entkommen. Davon hat sie, auf Grund ihres Alters natürlich nichts mitbekommen. Und so macht sich Marie nun auf die Suche, zurück nach Russland, um dort mehr über ihre Mutter zu erfahren, die sie so kurz nach ihrer Geburt verloren hat.

Dabei muss sie alsbald feststellen, dass es in Russland gar nicht so einfach ist, brauchbare Information über ihre Familie und die Ereignisse von damals im Jahre 1966 zu bekommen. Erst ein Anwalt kann ihr ein paar dürftige Informationen mitteilen und ihr vom Erbe des einstigen Familienanwesens berichten.

Für Marie ist klar, dass sie dort hin muss, um in dem verlassenen Haus weitere Hinweise auf ihre Vergangenheit zu finden. Kurz nachdem sie endlich das Anwesen ihrer Eltern erreicht - ein großes Haus inmitten eines dichten Waldes auf einer kleinen Insel, die nur über eine Brücke zu erreichen ist - wird Marie schnell klar, dass es ein großer Fehler war, hier herzukommen....

Lionsgate, der große amerikanische Filmverleih veranstaltete 2006, wie jedes Jahr, sein AfterDark Horrorfilmfest. The Abandoned war einer der dort gezeigten acht Filme, der 2007 auch hierzulande auf dem Fantasy Filmfestival lief und inzwischen auf DVD erschienen ist.

Der Regisseur Nacho Cerdà ist im Grunde genommen ein Regieneuling, war er doch bislang lediglich mit ein paar Kurzfilmen auffällig geworden. Er drehte aber auch das Making-Of von "The Machinist" und gerade dort hat er sich wohl eine Menge abgeschaut, was seinem Erstling "The Abandoned" aber durchaus nur zu Gute kommt.

Denn gerade was Optik, Atmosphäre und Effekte angeht, muss sich dieser verhältnismäßig preiswerte Film - er kostete wohl nur etwas mehr als 3 Millionen US-$ - nicht vor großen und deutlich teureren Produktionen verstecken. Es ist eine wahre Freude, der Langsamkeit der Bilder zu folgen. Gerade die Fahrt von Marie auf die Insel und die anschließende Erkundung des Hauses nimmt sich derart viel Zeit, dass man als Zuschauer fast schon platzt vor Spannung und Neugier. Die Fahrt mit dem etwas merkwürdig-mysteriösen Anatoliy beginnt bei Tageslicht und endet in totaler Dunkelheit, doch das Tempo auf diesem Weg ist enorm gering.

Hier macht sich zudem auch der sehr dezente Einsatz von Musik und Sounddesign positiv bemerkbar, denn er unterstützt nochmal den Aufbau der Spannung. Man weiß, irgendwas wird passieren, nur nicht was, wann und wo. Und gerade damit spielt Regisseur Cerdà fast über die gesamte Laufzeit seines Films. Immer wieder ist man geneigt, gleich schonmal pro forma zusammenzuzucken und sich zu erschrecken. Aber Cerdà nimmt sich eben Zeit, setzt seine Schockmomente wohl dosiert und sparsam ein.

Und eben im Laufe dieser Zeit, in der man feststellen muss, das der immer wieder neu einsetzende Spannungsaufbau sich nicht zwangsläufig in einem Schockmoment entladen muss, stellt man als Zuschauer über kurz oder lang fest, dass man es hier mit keinem gewöhnlichen Gruselschocker zu tun hat.

Der Film entfaltet dann nämlich eine Metaebene, deren Verlauf mitunter nur schwer im Kopf verarbeitet werden kann. Nicht dass der Film auf dieser Ebene zu kryptisch wäre, doch wenn er anfängt, Vergangenheitsschichten und Dimensionen der Zukunft in die innerfilmische Gegenwart zu holen und diese dort gleichberechtig existieren lässt, dann entwickelt der Film eine durchaus interessante paradoxe Erzählweise. Nun kann ein so junger Filmemacher dabei nicht an solch starken Irrungen und Wirrungen eines David Lynch heranreichen, doch er macht seine Sache schon recht gut.

Gerade die Idee einer kreisförmigen Erzählstruktur gibt dem Zuschauer ein Element zur Bewältigung der Geschichte an die Hand, die tatsächliche Paradoxie der Handlung lässt sich damit aber glücklicherweise nicht vollends aufheben. Und dies ist auch gut so, schließlich will man ja merken, dass dies eben keine US-Produktion ist.

Das große Finale zieht dann noch einmal alle Register, man glaubt sich inzwischen recht gut positioniert in diesem Zeiteben-Verwirrspiel und muss sich doch noch einmal eingestehen, nur die halbe Wahrheit zu kennen. Grandios ist eben jene Verwandlung des Hauses von 2006 nach 1966, doch auch davor schon gibt es diese kleinen Momente, in denen Cerdà wirklich kreativ ist, wenn es um die Koexistenz verschiedener Zeitebenen geht.

Der Film bietet eine Menge und doch kann ich abschließend nicht wirklich sagen, wem ich diesen Film sonst noch so empfehlen würde. Die klassischen, typischen Horrorelemten, bis hin zu kleinen Splattereinlagen sind hier vorhanden. Doch für den Genrefan ist dieser Film nicht nur viel zu langsam, sondern am Ende auch tatsächlich zu kopflastig.

Dies heißt nun aber auch nicht, dass der Film derart unverständlich und kunstvoll wäre, dass er nur was für eine kleine Randgruppe sei. Aber anders als bei einer Vielzahl von Horrorfilmen sollte man hier eben nicht gänzlich sein Gehirn abschalten und sich nur auf den Schock verlassen. Irgendwie wird hier beides, nicht perfekt, aber durchaus sehenswert miteinander kombiniert.

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