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The Hidden Blade

 
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Namu
Die CineGLobe Perle


Anmeldedatum: 21.09.2006
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 15, 2007 16:05    Titel: The Hidden Blade

Kakushi Ken, Oni no Tsume
aka The Hidden Blade
Japan 2004





Regie: Yamada Yôji
Kamera: Naganuma Mutsuo
Drehbuch: Fujisawa Shuuhei (Kurzgeschichte), Yamada Yôji, Asama Yoshitaka
Musik: Tomita Isao
Kostüme: Kurosawa Kazuko
DarstellerInnen: Nagase Masatoshi, Matsu Takako, Ozawa Yukiyoshi, Takashima Reiko, Tanaka Min, Tabata Tomoko, Yoshioka Hidetaka, Ogata Ken, Kobayashi Nenji

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„I’m sick of being a samurai!“

Nach dem rituellen Selbstmord des Vaters führen die verbliebenen Mitglieder der Familie Katagiri - Mutter, Sohn Munezo, Tochter Shino und das Bauernmädchen Kie, daß die Katagiris aufgenommen haben, damit es Kochen, Nähen usw. lernen kann - ein ruhiges, aber doch recht glückliches Leben zusammen.
Die Idylle nimmt jedoch ihr Ende als die Mädchen verheiratet werden und die Mutter stirbt. Munezo bleibt alleine zurück und schlägt sich mit dem Erlernen von westlicher Kriegsführung, mit der wenig anfangen kann, herum. Nach einem zufälligen Treffen mit Kie keimt in ihm der Verdacht, daß die junge Frau von der Familie ihres Ehemannes mißhandelt werde.
Auch seine eigene Lage verkompliziert sich, als ein alter Freund, Hazama Yaichiro, wegen eines Rebellionversuchs festgenommen wird und Hazamas Bekannte nun ebenfalls unter Verdacht geraten.





Meine Review zu „The Hidden Blade“ möchte ich ausnahmsweise nicht in meinem üblichen Stil beginnen, sondern etwas persönlicher gestalten.
Ich habe den Film damals sofort gekauft, als die DVD in Japan erschien, weil ich „The Twilight Samurai“, den vorherigen Film von Yamada Yôji, für einen wirklich großartigen Film hielt und immer noch halte. Ich habe ihn damals angesehen, fand ihn rein subjektiv gesehen nicht so gut wie Twilight Samurai, aber trotzdem ganz nett. Anschließend gab ich ihn einer Freundin von mir, die Japanologie studiert und die ebenfalls ein großer Fan von Twilight Samurai ist. Nachdem sie ihn sich angesehen hatte, gab sie ihn mir zurück mit dem vernichtenden Urteil, daß der Film der letzte Mist sei, er sei schmalzig und vollkommen irreal. So würde sich kein Samurai benehmen...

Nun damals hat mich das ziemlich eingeschüchtert. Die meisten Bekannten von mir sind zwar der Meinung, daß wenn jemand Koreanistik studiert, er dann automatisch Japan und China (samt Schriftzeichen) kennt, aber leider ist das nicht so. Und sie weiß also garantiert wesentlich mehr über Japan als ich. Also habe ich mich ihrem besseren Urteil gebeugt, den Film ins Regal gestellt und nichts blieb als dieser eine Gedanke: Aber die Figuren in Twilight Samurai sind auch nicht real, sondern modern und sie findet den Film trotzdem gut...

Im Dezember kam dann Yamada Yôjis dritter Samuraifilm „Love & Honor“ heraus. Und sobald er auf DVD herauskam, habe ich ihn mir angesehen. Das ist jetzt einige Tage her und seitdem habe ich das Gefühl, daß ich ein totaler Esel war, was „The Hidden Blade“ betrifft. Ich habe vor lauter Respekt vor dem Fachwissen meiner Freundin eine ganz wichtige Sache übersehen: Filme sind oft "More Than Meets The Eye". sie tragen immer mehr als eine Botschaft mit sich, ob das jetzt absichtlich oder unabsichtlich ist. Und dafür wird auch Historizität geopfert, sogar bei Historienfilmen. In „Twilight Samurai“ waren die Protagonisten viel zu modern, was dazu beitrug zwei Zeitalter in Kontrast zu setzen.
In „The Hidden Blade“ ist es Munezos Einstellungen zu Frauen, die nicht „real“ ist und meine Freundin so auf die Palme brachte. „The Hidden Blade“ portraitiert die Stellung der Frau in der japanischen Geschichte an drei Frauengestalten: Shino, Kie und Hazamas Ehefrau. Shino stellt so etwas wie einen Sollzustand da. Sie und ihr Mann haben aus Liebe geheiratet und Respekt und Zuneigung sind die Grundlage ihrer Ehe. Kies Schicksal und das von Hazamas Frau hingegen sind das totale Gegenteil. Beide werden benutzt und als Objekte betrachtet. Kie als Arbeitstier und für Hazamas Ehefrau müßte ich jetzt ziemlich spoilern.
Das Interessante ist, daß der Film dabei darüber hinausgeht, zu kritisieren, wie Frauen behandelt wurden, sondern noch zu Kritik an der heutigen Zeit übergeht. Wenn also Munezo wegen/für Kie Dinge tut oder Dinge sagt, die nicht zum Bild eines Samurai passen, sollte man auch im Hinterkopf behalten, daß der Film für eine Gesellschaft geschrieben wurde, in der in unserer Zeit Kurse mit dem Motto „Wie behandel ich meine Frau richtig“ abgehalten werden, in denen die Teilnehmen so einfache Dinge lernen, wie „Danke“ zu ihren Ehefrauen zu sagen und in der ältere Männer immer noch glauben, daß es unmännlich ist, seiner Frau etwas Nettes zu sagen.
Munezos Verhalten hat in diesem Sinne eine Vorbildfunktion.

Also um das Thema abzuschließen: Ja, der Film ist schmalzig, denn es ist eine Liebesgeschichte, in der der Protagonist Dinge sagt und tut, die in Japan nicht unbedingt üblich sind. Also auch ja, der Film ist in dieser Beziehung nicht real. Aber, daß er deshalb schlecht ist, würde ich nicht unbedingt sagen. Eher im Gegenteil. Denn es gibt nur sehr wenig Filme, die überhaupt auf die "weibliche" Seite der japanischen Geschichte eingehen. Mizoguchi Kenji ist mir sonst noch bekannt, der sich dieses Themas angenommen hat.
Yamada hat es außerdem auch noch massentauglich gemacht und in seiner Kritik die heutige Zeit eingeschlossen. Insofern hat er sich damit meinen vollen Respekt verdient!

So nach diesem langen Roman noch ein bißchen Praktischeres zum Film:
Wenn ich jetzt auch viel über Frauen usw. geredet hat, ist das nicht das, was oberflächlich behandelt wird. Der Film hat zwei Hauptthemen: Eines ist die verbotene Liebe zwischen Kie und Munezo. Die andere hat mehr mit dem Titel (müßte so etwas wie Verstecktes Schwert, Teufelskralle) heißen zu tun. Munezo hat von seinem Lehrer Toda eine geheime Technik mit dem Namen Teufelskralle gelernt, deren Einsatz den eigentlichen Höhepunkt des Films bildet.
Also, wer nach meiner langen Einführung dachte, daß es sich bei dem Film um ein langweiliges Sozialdrama handelt, der hat sich irreführen lassen. Der Film ist recht spannend und hat Schwertkämpfe und Duelle und Ehre und Selbstmorde wie es sich für einen Samuraifilm gehört. Er ist stellenweise auch ganz lustig, vor allem an den Stellen, an denen die „Landei-Samurai“ von dem Ausbilder aus Edo mit westlichen Waffen vetraut gemacht werden sollen.
Die Aufnahmen sind wieder sehr ästhetisch.
Und die DarstellerInnen sind auch sehr gut gewählt. Kein Sanada Hiroyuki und keine Miyazawa Rie zwar, aber Nagase Masatoshi (Cold Fever), der Munezo gespielt hat, ist ja auch als Charakterdarsteller bekannt und die Rolle hat ihm ganz gut gestanden. Matsu Takako (April Story) fand ich auch ziemlich überzeugend. Die Frauen in Japan mußten ja früher immer lächeln und daß heißt, es gibt da diese Szenen in denen die Schauspielerinnen immer weinen und gelichzeitig lächeln müssen und daß wirkt auf westliche Zauschauer oft etwas befremdend. Bei ihr war es aber wirklich traurig.





Also, insgesamt denke ich schon, daß man „The Hidden Blade“ weiterempfehlen kann. Außer vielleicht an Leute, die eine ganz genau Rekonstruktion des Endes der Edozeit wünschen. Ansosnten bietet er wieder eine gelunge Mischung aus Drama, Spannung, Romantik, schönene Aufnahmen und schönen Kostümen, daß wahrscheinlich für jeden etwas dabei ist.
(„The Twilight Samurai“ ist aber natürlich trotzdem besser!)


Japan Normal Edition
Shochiku Home Video
R2 / NTSC
DVD 9
Keep Case
Laufzeit: ca. 132 min
Bild: 1,85:1 anamorphic widescreen
Ton: Japanisch DD %.1
Untertitel: Japanisch, Englisch
Extras: Trailer

Es gibt auch noch eine limitierte 3-Disc Edition aus Japan zu „The Hidden Blade“, die noch Making Of, Geschichtliche Hintergründe usw. enthält. Außerdem sind auch mehrere Hong-Kong- Versionen mit englischen Untertiteln erhältlich.
Für Leute, die PAL benötigen, gibt es ein U.K. Release von Tartan.
Ein deutsches gibt es jedoch nicht. Ich hoffe sehr, daß es sich dabei aber nur, um ein „noch nicht“ handelt, „Twilight Samurai“ hat ja auch eine Weile gebraucht und kam schließlich doch in unserem Ländchen raus.


Weitere Filme von Yamada Yôji bei cineglobe:
The Twilight Samurai
Love and Honor
Kabei



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Namu
Die CineGLobe Perle


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BeitragVerfasst am: Di März 24, 2009 09:18    Titel:

Juhuu, the Hidden Blade wird diese Woche auf deutscher DVD erscheinen! Very Happy
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GAMBIT
CineMaster
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Beiträge: 744
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BeitragVerfasst am: Di März 24, 2009 13:32    Titel:

Ist die Qualität dann wieder so schlecht wie bei TWILIGHT SAMURAI – wäre super wenn hier jemand berichten kann. Bei E-M-S ist halt stets Vorsicht geboten.
_________________
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yun
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Beiträge: 2262


BeitragVerfasst am: So Okt 04, 2009 00:24    Titel:

@gambit ... mit der bild- und tonqualität der deutschen ausgabe von 3L kann man ganz zufrieden sein ... zwar ist sie nicht überragend, aber auch nicht schlecht ... nur auf der linken seite ist ein schmaler streifen zu sehen, der eigentlich auf der rechten seite des bildes gehört ... der ton liegt auf japanisch und deutsch vor ... die deutsche synchro ist recht schön geworden ...











mein eindruck zum film ... in ergänzung zu @namus sehr schönen vorstellung ...


Der Samurai Munezo Katagiri lebt in einer Zeit des Aufbruchs und des gesellschaftlichen Wandels, vor allem aber in einer Zeit des moralischen und ethischen Verfalls. Mehr als einmal muss Katagiri mitansehen wie sein eigener Lehnsherr seine Stellung missbraucht und ein früherer guter Freund von ihm sich weigert, die richtige Entscheidung zum Wohle der eigenen Familie zu akzeptieren.

Darüber hinaus deutet sich mit dem Einzug westlicher Waffentechnologien eine nicht mehr aufzuhaltende Veränderung des Selbstverständnisses der Samurai an.

Katagiri fürchtet aber nicht so sehr um den Verlust der mit seinem Stand verbundenen Privilegien, an denen er auch gar nicht so sehr wie andere Samurais zu hängen scheint, vielmehr ist es eine sich immer stärker veränderte Welt, die ihm zu schaffen macht, in der seine Vorstellung von einem Richtig und Falsch ihren Wert und ihre Bedeutung zu verlieren scheint.

Darüber hinaus leidet er auch sehr unter den Grenzen, die ihm sein Stand setzt.

Diese Welt ist nicht mehr die seine.

Schließlich wird ihm das alles zu viel und Katagiri beschließt seinen Stand und den damit verbundenen Status aufzugeben und mit dem einzigen Menschen, der ihm etwas bedeutet, in den Norden zu ziehen.

So weit wie es nur geht, weg von Edo.

Denn von Edo aus kamen alle diese Veränderungen (indirekt ist damit der Einfluss der Ausländer aus Europa und den USA gemeint - nicht so sehr im Sinne eines Ressentiment ihnen gegenüber, als wegen ihrer überlegenen Waffentechnologien und neuen Ideen und Gedanken und den damit verbundenen Veränderungen für die Samurais > die Bildung einer Berufsarmee auf Kosten der Samurais und damit einhergehend den Verlust ihrer Wertevorstellungen und Identität).
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Namu
Die CineGLobe Perle


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BeitragVerfasst am: Mo Okt 05, 2009 22:36    Titel:

Ah Yun, vielen Dank, daß Du Dich daran erinnert hast, daß ich mir eine genauere Darstelllung der Thematik des Films (auch im Vergleich zu Twilight Samurai) gewünscht hatte!
Deine Ergänzungen helfen mir sehr viel weiter. Ich denke zwar, daß ich in der Zwischenzeit (trotz Japantrauma Wink) ein besseres Verständnis für das Land entwickelt habe, als ich damals, als ich obige Review schrieb, noch hatte, aber das heißt nicht, daß ich mich sonderlich mit Japan auskennen würde... (und damals, war ich auch noch dazu irritiert davon, daß der Film bei unseren Japanologen so schlecht ankam)

Ich bin froh, daß ich mit den Beobachtungen, die ich mir insgeheim zum Film gemacht habe, doch nicht gänzlich falsch lag! Very Happy
Deine Ergänzungen sind natürlich viel präziser und gehen wieder ein ganzes Stück tiefer, ich hatte da einiges übersehen, was mir jetzt, da ich Deinen Text gelesen habe, doch eigentlich ziemlich auf der Hand liegend erscheint...

Vielen, vielen Dank für die Denkanstöße und Erläuterungen!
(Es scheint so, daß ich heute, da ich endlich mal Zeit und Muße finde, überall, wo ich noch etwas Ausführlicheres schreiben wollte, zu schreiben, vor allem damit beschäftigt bin, Dir zu danken! Wink Mr. Green)
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yun
CineMaster
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Anmeldedatum: 28.03.2008
Beiträge: 2262


BeitragVerfasst am: Mi Okt 07, 2009 20:26    Titel:

Namu hat Folgendes geschrieben:
Das Interessante ist, daß der Film dabei darüber hinausgeht, zu kritisieren, wie Frauen behandelt wurden, sondern noch zu Kritik an der heutigen Zeit übergeht. Wenn also Munezo wegen/für Kie Dinge tut oder Dinge sagt, die nicht zum Bild eines Samurai passen, sollte man auch im Hinterkopf behalten, daß der Film für eine Gesellschaft geschrieben wurde, in der in unserer Zeit Kurse mit dem Motto „Wie behandel ich meine Frau richtig“ abgehalten werden, in denen die Teilnehmen so einfache Dinge lernen, wie „Danke“ zu ihren Ehefrauen zu sagen und in der ältere Männer immer noch glauben, daß es unmännlich ist, seiner Frau etwas Nettes zu sagen.
Munezos Verhalten hat in diesem Sinne eine Vorbildfunktion.


ich glaube, dass es yamada wirklich darum geht und das was ich beschrieben habe nur als trojanisches pferd benutzt, um die köpfe eines männlichen publikums zu erreichen ...

regisseure wie mizoguchi, kurosawa, shindo, ozu und andere gingen ganz ähnlich vor, um ihr jeweiliges anliegen unter die leute zu bringen ... Wink
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