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Wild at Heart Filmkritik

 
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plam
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BeitragVerfasst am: Di Feb 12, 2008 16:00    Titel: Wild at Heart Filmkritik



WILD AT HEART

USA 1990

Regie: David Lynch

Drehbuch: David Lynch

Darsteller: Nicolas Cage; Laura Dern; Willem Dafoe; Harry Dean Stanton; Isabella Rossellini

Laufzeit: 124 min.

Kinostart (D): 20. September 1990

Trailer:

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Inhalt:

Mariella hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Liebe zwischen ihrer Tochter Lula und dem kriminellen Sailor zu zerstören. Als dieser aus der Haft, wo er wegen Totschlags saß, entlassen wird, erwartet Lula ihren Geliebten bereits sehnsüchtig. Zu allem bereit und fest entschlossen, setzt Marietta einen Killer, ihren heimlichen Geliebten Johnny, auf Sailor an.

Sailor und Lula machen sich mit ihrem 65er Thunderbird auf die Flucht vor dem Killer. Doch dieser ist nicht der Einzige, der Sailor gern tot sehen will. Auch Marcello bittet Marietta darum, ihren ungeliebten Schwiegersohn zu töten. Daneben verfolgt Marcello jedoch auch noch einen ganz eigennützigen Plan: er will am liebsten auch Johnny "beseitigen", um sich so mit Marietta verbinden zu können.

Es folgt eine Jagd, deren Verlauf einen immer tieferen Abgrund aufreisst...


Kritik:

David Lynch ist inzwischen nicht mehr nur einem kleinen Kreis ein Begriff, wenngleich auch seine Filme, auch heute noch, nicht für die breite Masse zugänglich sind. Zuletzt, genau genommen seit Mullholland Drive, beschäftigt sich der einzigartige Regisseur und einstige Kunststudent Lynch vor allem mit dem Wesen des Kinos selbst. Umso kryptischer und verschlossener bleibt schließlich auch sein bislang letztes Werk "INLAND EMPIRE", bei dem nicht mehr definitiv entschieden werden kann, was Film, Film im Film, Traum, Erinnerung, Vergangenheit oder Gegenwart sind. Lynch hat offensichtlich Spass daran, die kinotypische Zeitachsenmanipulation und Wahrnehmungsverschiebung des Mediums Film auf die Spitze zu treiben.

WILD AT HEART verfolgt jedoch noch einen anderen Ansatz, der in dieser Eigenart eindeutig dem "frühen" Lynch zuzuschreiben ist, auch wenn der Regisseur nicht erst seit 1990 die Filmwelt mit aussergewöhnlichen Werken erfreut. Sein erster abendfüllender Spielfilm - ERASERHEAD - deutet schon versteckt an, worum es Lynch knapp zehn Jahre später gehen wird: Der Alptraum Amerika. Die erste große Dekonstruktion der bislang "heilen Welt USA" erfolgt 1986 mit dem verstörend, schockierenden "Blue Velvet".

1990 legt Lynch schließlich nach und beendet den amerikanischen Traum letztlich ohne Hoffnung auf Rettung. WILD AT HEART, der 1990 zudem als bester Film in Cannes ausgezeichnet wurde, beendet damit zugleich das Kino der 80er Jahre und kann in diesem Sinne als definitiver Anfangspunkt eines neuen Kinos der 90er Jahre angesehen werden. Kino am Nullpunkt, wenn man so will.

Was in "Blue Velvet" noch im Untergrund, im Schutze der Dunkelheit der Nacht, für kurze, aber heftige Momente aufblitzte, greift nun um sich und taucht auf der Oberfläche auf.

Der sich in WILD AT HEART langsam entwickelnde Roadmovie, wunderschön erzählt in kleinen Episoden, die immer wieder unterbrochen werden durch Rückblenden und Parallelmontagen zu den unerbitterlichen Killern, die dem Liebespaar auf der Fährte sind, legt die Dunkelheit der Gesellschaft damit Stück für Stück frei. Moral und Ethik war gestern. Die guten Zeiten sind vorbei.

Dass es dabei, typisch Lynch, allerlei Skurrilitäten zu sehen gibt, muss nicht weiter erwähnt werden. Neu ist hierbei auch die offenkundige Darstellung von Gewalt, welche ebenso in "Blue Velvet" zwar schon zu erwahnen war, hier nun doch entfesselt ihren Lauf nehmen kann.

Fast schon konsequent kann man Lynch in diesem Sinne bis zu TWIN PEAKS weiterverfolgen. Die anfänglich gezeigte Dorfidylle wird gleich zu Beginn durch den Mord gestört, doch dieser Mord ist nur das notwendige Mittel zum Zweck, um die verlogene, scheinheilige "Friede-Freude-Eierkuchen"-Welt der USA bis in die letzten Winkel als Heuchelei zu entlarven.

WILD AT HEART ist somit, allein betrachtet, bereits ein bemerkenswert offener, direkter und kalter Film, und dies, obwohl die Liebe doch stets die Hauptrolle spielt. Daneben fügt sich dieser Film, wie ansatzweise gezeigt wurde, nahtlos in das filmische Gesamtwerk Lynchs zwischen "Blue Velvet" und "Twin Peaks" ein. Für Lynchanfänger immerhin ein guter Einstieg, denn gerade die letzten Filme (Mullholland Drive, INLAND EMPIRE) bedürfen schon einiger Geduld und Kenntnis und sind daher für den Ersteinstieg in das filmische Schaffen des US-Amerikaners nicht zu empfehlen.

Für Lynch-Fans ist dieser Film sowieso, wie immer, ein absolutes Muss. Lynch überlässt auch in WILD AT HEART mal wieder nichts dem Zufall. Ein Großteil des Casts arbeitete bereits davor und zum Teil auch noch bis heute stets mit Lynch zusammen. Laura Dern und Harry Dean Stanton konnte man so bereits in "Blue Velvet" sehen und die tragen auch wieder ihren Teil in "INLAND EMPIRE" zum Gelingen des Filmes bei. Auch Angelo Badalamenti, der Chefkomponist David Lynchs, der nahezu für jeden Film den Soundtrack komponierte, zeichnet sich für die Musik in "Wild at Heart" veranwortlich. Was sollte dann noch schief gehen?

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