An American Crime

Darsteller: Ellen Page, Catherine Keener, Hayley McFarland, Ari Graynor, Evan Peters, Bradley Whitford, Hannah Leigh
Regisseur: Tommy O’Haver
Drehbuch: Tommy O’Haver, Irene Turner
Genre: Drama
Land: USA
Länge: 98 Minuten
Jahr: 2007

„She sacrificed me to protect her children, then sacrifices them to protect herself.“

Darum geht’s:
Indiana im Jahre 1965,
Sylvia und ihre Schwester Jenny sind die Kinder eines Schaustellerehepaars. Immer auf Reisen, immer mal bei einer anderen Familie zur Pflege, weil ihre Eltern arbeiten müssen. Beide finden dies aufregend, bis sie in die Obhut von Gertrud kommen, die nach eigener Aussage keinen Unterschied dazwischen macht, ob sie nun sechs oder acht Kinder versorgen muss.
Für 20 Dollar die Woche soll sie für die beiden sorgen. Anfangs erwählt sich die älteste Tochter Paula, Sylvia als beste Freundin aus. Doch schon bald steigt der Neid in ihr auf, denn Sylvia ist beliebter als sie. Als Paula ihr gesteht schwanger zu sein, verspricht Sylvia, ihr beizustehen. Als Paula jedoch in eine brenzlige Situation kommt und vom vermeintlichen Vater beinahe vergewaltigt wird, hält ihn Sylvia mit dem Geständnis, dass diese schwanger sei davon ab. Ein absolutes Tabu zu dieser Zeit und so zieht sie den Hass ihrer Stiefschwester auf sich, die versucht, dieses Geheimnis auf jeden Fall geheim zu halten.
Doch sie hat die Rechnung ohne den freakigen Ricky gemacht, der sich Sylvia als Objekt seiner Begierde auserwählt hat und diese Information sofort verbreitet. Pflegemutter Gertrud geht davon aus, das Sylvia diese gemeine Lüge in die Welt gesetzt hat und so überschlagen sich die Ereignisse.
Blind glaubt Gertrud alles was Paula ihr berichtet und schmiedet zusammen Rachepläne gegen die ungewollte Stieftochter und plötzlich hat sie ein Ventil gefunden um ihren Hass über ihren Exfreund, die Geldnot, der Unzufriedenheit mit ihren Leben, zu finden, sie quält Sylvia und jeder sieht der davon weiß, sieht einfach weg.

Meinung:
Erst einmal musste ich von meinem neuzeitigen Ansichten Abstand nehmen und mich an die Kleidung und Frisuren gewöhnen. Immerhin spielt der Film in der Mitte der 60 er Jahre und da war der Trend nun mal ganz anders. Also kurz umgedacht und es konnte weiter gehen. Nach dem Song „Downtown“ von Petula Clark, der mich kurzweilig an „Durchgeknallt“ erinnerte, konnte es also weiter gehen.

Wahrlich einer der intensivsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Davon abgesehen, dass ich gar nicht glauben konnte, was sie alles mit dem Mädchen angestellt haben, (ich habe immer die Zähne zusammengebissen) erinnerte mich der Verlauf der Story an eine Geschichte die ich mal gelesen habe, was vielleicht auch etwas erklärt, warum keiner Sylvia zur Hilfe geeilt ist, obwohl sie alle davon wussten. Ganz kurz, es ging um eine Klasse, die von ihrem Lehrer unterdrückt wurde. Jeder war total sauer und plötzlich entdeckten sie eine kleine Maus. Sie umkreisten sie und einer nach dem anderen schubste sie mit dem Schuh. Als die Maus versuchte sich zu befreien und um ihr Leben kämpfte wurden sie immer brutaler, bis sie ihren Verletzungen erlag. Ähnlich ist es hier. Gerade als man denkt, Sylvias Strapazen seien endlich vorbei, beteiligen sich die vermeintlichen Retter an ihrer Qual.

„I haven’t told any lies.“

Ich muss gestehen, bis zum Ende mit einem Happy End gerechnet zu haben, ich fühlte praktisch das befreiende Gefühl, als sie mit Hilfe von Paula, die zu Vernunft gekommen zu schien, fliehen konnte und ihr Mitpeiniger Ricky unter Reue sie zu ihren Eltern gefahren hat. Meine einzige Sorge galt dann ihrer Schwester Jenny. „Hoffentlich geschieht ihr nichts.“ Doch als Sylvia dann an den Ort des Verbrechens zurückkehrte und Jenny praktisch als erstes zu sehen war, war ich leicht irritiert und dann schockiert. Ja, diese Szene hat mich wahrlich zu Tränen gerührt. Ich bin jetzt noch voll dabei, diese Bilder im Kopf abzuspielen. Genau so ging es mir bei A tale of two sisters, als Su-yeon rausfindet, was in Wirklichkeit mit ihr geschehen ist.

An American Crime zeigt, was Neid für eine zerstörerische Kraft sein kann, bei dem es am Ende keine Gewinner gibt.

Ganz großes Kompliment an Ellen Page, die ich kurzweilig in eine bestimmte Schublade stecken wollte, da die Schlagfertigkeit die sie in Hard Candy und Juno bewies, etwas ähnelte.
Doch hiermit hat sie bewiesen, dass viel mehr in ihr steckt. Sie hat den Charakter des „armen“ Mädchens mit Leben erfüllt und ich bin noch gespannter als zuvor, was ihre Karriere noch alles für Rollen bereithält.

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Info:
*Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit.
*Im gleichen Jahr wurde die selbe Geschichte erneut unter dem Titel Jack Ketchum’s The Girl next Door verfilmt.

 

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4 Kommentare

  1. Ist auf jeden Fall ein Film, der noch eine Weile nachwirkt und den man sich mal nicht ebenso nebenbei ansieht.

    Wenn der Film auch gut ist, muss ich doch sagen, dass mir die Verfilmung ‚Jack Ketchum’s The Girl Next Door‘, die auch den Fall der Sylvia Likens behandelt, besser gefällt. Da geht es dann doch wesentlich fieser zur Sache und hinterlässt noch mehr von diesem unguten Gefühl, welches man auch schon bei ‚An American Crime‘ erlebt.

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    • Danke Erebos für den Tipp mit der Jack Ketchum Verfilmung. Kenne nämlich nur dass Buch dazu welchen den den Titel Jack Ketchum´s Evil trägt (im deutschen Verlag). Fand das Buch noch ne Ecke härter als den Film „an american crime“. Wobei ich diesen auch sehr gut umgesetzt fand.

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      • Joar die Bücher von Ketchum sind um einiges heftiger. Aber die Verfilmung – wenn auch ein wenig anders als im Buch – steht dem im nichts nach und auch die anderen Verfilmungen zu Ketchum seinen Büchern sind recht sehenswert.

        Red hat mir ganz gut gefallen und haben sie gut umgesetzt. The Woman ist auch super und dann gibt es da noch den Film Beutegier.

        Nur The Lost fand ich etwas träge. Aber wenn man Ketchum mag, kann man ruhig mal einen Blick auf die Filme werfen.

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  2. Pingback: Ellen Page - Cineglobe.de

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