Persepolis

Frankreich 2007
Regie: Vincent Paronnaud, Marjane Satrapi
Drehbuch: Vincent Paronnaud, Marjane Satrapi (Comic)
Musik: Olivier Bernet
Genre: Animationsfilm, Biographie

Ich habe eine Revolution und einen Krieg überlebt, aber an einer Liebesgeschichte wäre ich beinahe zugrunde gegangen…“


Story:

Die kleine Marjane Satrapi liebt Bruce Lee Filme und Bee Gees und möchte Prophet werden, wenn sie einmal groß ist. Das Leben des persischen Mädchens verläuft völlig unbeschwert, bis sie erfährt, daß ihr Onkel und ihr Großvater unter der Regierung des Schah ins Gefängnis geworfen wurden. Aber die Proteste gegen den Schah sind groß und schließlich wird er gestürzt. Als der Onkel zurück nach Hause kommt, meint Familie Satrapi in eine bessere Zukunft blicken zu können…
Das einzige, was auf sie wartet sind jedoch Unterdückung und Krieg und die rebellische Marjane wird schließlich von ihren Eltern zur Sicherheit ins Ausland, ins ferne Europa geschickt…


Kommentar:

Marjane Satrapi hat ihr bewegtes Leben in Form eines Comics festgehalten und dieser wurde voriges Jahr zu einem Animationsfilm verarbeitet, lief international in den Kinos und wurde schließlich für einen Oskar nominiert.
Als ich den Film ansah, war ich überhaupt nicht vorbereitet, was da auf mich zukam. Ich hatte mich nicht über den Film informiert, sondern ich kannte nur das Kinoposter, meine Cousine versicherte mir, ich „müßte“ diesen Film unbedingt anschauen und mir war bekannt, daß der Film irgendetwas mit dem Iran zu tun hat.
Da ich beim ersten Mal Sehen also nicht wußte, daß ich es mit einer Biographie zu tun hatte, hat mich „Persepolis“ zuerst ziemlich verwirrt. Er wechselt nämlich in der Mitte des Films, wenn Marjane in eine neue Lebensphase eintritt, die Thematik, was bei einer Lebensgeschichte eigentlich normal ist. Der Comic geht in der Beziehung vielleicht etwas geschickter vor, denn Marjanes Kindheit und ihre Jugend sind jeweils in einem eigenen Band erschienen.
Ich möchte mich gerne am Comic orientieren und ebefalls beide Hälften des Films, beide Lebensabschnitte getrennt vorstellen.


Marjanes Kindheit:

Im ersten Teil des Films lernen wie Marjane als Kind einer Linksintellektuellen Familie kennen. Wie bei Kindern so üblich, beschäftigt sie sich viel mit dem, was auch ihre Eltern beschäftigt, in diesem Fall mit der politischen Entwicklung des Landes. Wir erfahren von den negativen Seiten der Regierung des Schahs, seinem Sturz, der Verwandlung des Landes in die islamische Republik unter Khomeini und dem Iran-Irak Krieg.

Mit den Schrecken der Zeit wurde sehr feinfühlig umgegangen. Die Bilder sind stets beklemmend, aber beschränken sich auf Andeutungen und eindeutige symbolische Darstellungen.
Dadurch, daß die Geschehenisse aus Kindersicht erzählt werden, können sie dem Zuschauer mit einfachen Worten erklärt werden.
Ich bin jetzt im Nachheinein öfter auf Kommentare zu diesem Film gestoßen, die gerade diese Einfachheit kritisieren. Dazu möchte ich gerne etwas bemerken: Ich hatte beim Ansehen des Filmes nicht den Eindruck, Frau Satrapi wolle eine wissenschaftliche Arbeit über die Geschichte des Irans vorlegen, sondern ihr Anliegen lag wohl eher darin, Land und Leute vorzustellen, Vorurteile abzubauen – in dem sie sehr betont, daß die Menschen im Iran auch nicht anders denken oder andere Interesse als die Menschen in Europa – und zu zeigen, daß nationale Probleme manchmal doch mehr international sind, als man annimmt. Die Zielgruppe des Films sind ganz klar Leute wie ich, die im Grunde genommen keine Ahnung davon haben. Ich finde es richtig, daß bei einem Film mit so einem konkreten Anliegen, Leuten wie mir – also Leute, die keine Ahnung haben – nicht alle Dinge haargenau vorgekaut werden und manches auch etwas provozierend formuliert sein mag, denn das weckt schließlich auch das Interesse und den Wunsch sich mehr zu informieren.
Ich würde daher diesen Teil des Films eher so einschätzen, daß einem als ignorantem Zuschauer genau so viel hingelegt und genau so viel vor einem zurückgehalten wird, wie nötig. Das heißt, man lernt etwas von der Geschichte Irans kennen und wie bestimmte Gruppen dazu stehen, aber es ist nicht so viel, daß man sich nach dem Film zurücklehnen könnte, in dem falschen Bewußtsein, man hätte seine Schuldigkeit getan und wisse jetzt alles über den Iran, was es zu wissen gäbe.

Übrigens, falls sich das jetzt anhört, als wäre diese erste Hälfte sehr traurig und ernst, dann ist das ein falscher Eindruck. Der Film, auch die zweite Hälfte, wird stets durch Marjanes kleine persönliche Geschichten und durch ihre trockenen Kommentare aufgelockert. Und durch die enge Verbundenheit, die zwischen den Mitgliedern von Marjanes Familie besteht, vermittelt der Film zudem sehr viel Wärme.


Marjanes Erwachsenwerden:

In der zweiten Hälfte des Films wird die Geschichte weniger politisch dafür viel persönlicher, denn nun kommt Marjane nicht nur nach Europa, nach Österreich um genau zu sein, sondern auch noch dazu in de Pubertät und da spielt die eigene Person auch eine größere Rolle.
Zusammenfassend würde ich sagen, die Hauptthematik dieses Teils – außer Marjanes „normaler“ Entwicklung vom Kind zum Teenager, vom Teenager zur jungen Frau und den im ersten Teil angesprochenen Punkten – sind Vorurteile und Identitätsverlust und die Problematik sozusagen zwischen zwei Welten zu stehen und weder so richtig zu der einen noch so richtig zur anderen zu gehören.

Und wieder muß ich sagen, daß ich finde, Marjane Satrapi geht mit der Thematik sehr feinfühlig um. Ihre Erlebnisse werden geschildert, wie sie sich wohl zugetragen haben, ohne anzuklagen, ohne verbittert zu sein, sondern mit viel Selbstironie und Selbsteinsicht.
Es wird außerdem richtig deutlich, wie schwer diese Probleme wirklich auf einem lasten können!


Abschließende Bemerkungen:

Ich kann jetzt nicht behaupten, daß ich persönlich die Erfahrungen gemacht habe, die Marjane Satrapi gemacht hat, denn ich lebe in dem Land, in dem ich geboren bin, aber Marjanes Erlebnisse (im zweiten Teil) spiegeln sehr genau das wieder, was meine Freunden und einige Familienmitglieder, die in ihrer Lage sind, fühlen und erleben. Mich hat es wirklich sehr stark beeindruckt, daß sie einen solchen Film/Comic erschaffen kann, ohne die negativen Gefühle, die sie ja auch haben wird, hineinzupacken.

Außerdem finde ich den Film sehr schön gestaltet, da ich aber kaum Animationsfilme sehe, erlaube ich mich hier lieber kein Urteil…

Ich denke, man kann seine Zeit wesentlich schlechter investieren als in diesen Film und würde ihn gerne weiterempfehlen!

Deine Meinung!

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Keine Kommentare

  1. Vielen Dank für diese Vorstellung. Bisher noch nie gehört von diesem Film, aber jetzt bin ich neugierig.

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