Cape No. 7


Originaltitel:
Hai Jiao Che Hau 海角七號
Kinostart im Produktionsland: Taiwan 2008
Genre: Romanze, Musikdrama, Komödie

Regie: WEI Te-Sheng 魏德聖
Drehbuch: WEI Te-Sheng 魏德聖
Kamera: CHIN Ting-Chang
Musik:
LO Chi-Yi, Fred Lu, Van Fan 范逸臣
DarstellerInnen: Van Fan 范逸臣, TANAKA Chie 田中千絵, Johnny C.J. Lin 林宗仁, MING Hsiung 民雄, YING Wei-Min 應蔚民, MA Nien-Hsien 馬念先, Joanne Yang 楊蕎安, MA Ju-Lung 馬如龍, LIN Shino 林曉培, CHANG Chin-Yen 張沁妍, Rachel Liang 梁文音, KOUSUKE Atari 中 孝介

 

Story:

Nach einem fehlgeschlagenen Versuch in der Taipeier Musikszene Fuß zu fassen, kehrt Musiker Aga in seine Heimatstadt Hengchun zurück. Dort nimmt er vorübergehend eine Stelle als Briefträger an und wird so in die Geschichte einiger 60 Jahre alter, scheinbar unzustelbarer Liebesbriefe aus Japan verwickelt.
Zur gleichen Zeit versucht Agas Stiefvater, einer der Stadtrepräsentanten von Hengchun, eine lokale Rockband als Vorgruppe für das Konzert eines berühmten japanischen Popstars zu engagieren. Da sich eine solche jedoch nicht finden läßt, soll kurzerhand eine gegründet werden, bei der auch der widerspenstige Aga mitwirken soll.
Genausowenig begeistert von dem Laien-Bandprojekt wie Aga selbst ist die junge Japanerin Tomoko, die man als Konzertorganisatorin engagiert hat. Die Abneigung, die beide diesem Vorhaben gegenüber empfinden, wird jedoch noch von ihrer Abneigung gegen den jeweils Anderen übertroffen…


Kommentar:

Filme mit Beititeln alla „erfolgreichster Film aller Zeiten“ rufen – wie bei anderen Filmfreunden auch – bei mir immer eine gewisse Skepsis hervor. Dementsprechend lange habe ich das Ansehen des „Erfolgreichsten Kinofilms Taiwans“ alias „Cape No 7“ aufgeschoben. Zumal mich auch die Story – da sie mir allzu bekannt vorkam – nicht so sehr angesprochen hat.
Tatsächlich ist wohl auch die Originalität der Geschichte die größte Schwäche des Films. Es finden sich jeoch genügend andere Punkte, durch die der Film für mich wider Erwarten zu einem Sehvergnügen wurde und die wohl auch seine Popularität erklären.
„Cape No 7“ würde ich grob gesprochen als eine Mischung aus Komödie alla Jang Jin und taiwanesischem Liebesfilm bezeichnen. An dem genannten Regisseur erinnert der sanfte Humor, der viel eher als laut herauszulachen zu anhaltendem Schmunzeln führt (womit ich persönlich besser zurecht komme) und die eigenwilligen und liebenswerten Nebencharaktere, die einen vergessen lassen, daß man eben ihre Geschichte bereits öfter Mal gesehen hat. An taiwanesische Liebesfilme erinnert die Gestaltung der beiden Liebesgeschichten, der nostalgischen, die den Hintergrund bildet und der modernen, die die unterschiedlichen Thematiken des Films verbindet und zusammenhält. Beide werden – und das scheint mir sehr typisch taiwanesisch – vor allem durch die Musik erzählt, weniger durch Worte oder Schauspiel.
So spielt auch in diesem taiwanesischen Film Musik wieder eine sehr zentrale Rolle und der aus Rock, Pop und mehr traditionellen bestehenden, sehr gut eingesetzte Soundtrack, der es einem leicht macht, in den Film hineinzufinden, wurde dann auch zurecht mit einigen Preisen und Nominierungen bedacht.
Im Vordergrund stehen des weiteren auch noch die Bilder, vor allem natürlich die Landschaftsaufnahmen von Taiwan, denn im Grunde genommen ist der Film eine einzige große Liebeserklärung an die Insel und ihre Bewohner und macht durchaus Lust, sich in den nächsten Flieger zu setzen, um dort Urlaub zu machen. 😉
Mir persönlich war die bildhafte Gestaltung manchmal allerdings etwas nah am Kitsch. Vor allem bin ich kein allzu großer Fan davon, nostalgische Rückblenden in verwaschene Pastellfarben zu kleiden… Im Großen und Ganzen ließ sich aber damit leben und es befand sich noch alles innerhalb der Grenzen des guten Geschmacks.


Fazit:

So, wie sich vielleicht aus den von mir angeprochenen Punkten sehen läßt, ist „Cape No 7“ im Grunde genommen ein seichtes aber amüsantes, gleichzeitig sehr ordentlich und mit Lust und Liebe umgesetztes Feel-Good Movie, daß ich guten Gewissens an alle weiterempfehle, die auch mal ein Filmchen nur zur Unterhaltung sehen wollen.


Übrigens:

Trotz des dem Film fehlenden Tiefganges, hatte der Film durchaus mit Problemen aufgrund seines angeblichen politischen Inhaltes zu kämpfen. Stein des Anstoßes war die Liebesgeschichte zwischen einem Japaner und einer Taiwanesin während des zweiten Weltkrieges, die hier dazu dient, Liebende zu zeigen, die das Schicksal trennt und die dabei den richtigen Moment zum Handeln verpassen. Theoretisch spielt dabei Geschichte und Nationalität gar keine zentrale Rolle. Trotzdem wurde diese Liebesgeschicht aber vor allem in der Volksrepublik China und wie ich hörte auch in Japan nicht ganz wohlwollend aufgenommen.
Insgesamt kann man daran sehen, welch schwieriges, belastendes und nicht verarbeitetes Thema die japanische Kolonialherrschaft in Ostasien bis heute noch ist.


Anmerkung: In diesem Artikel wurden die chinesischen und japanischen Namen in der Reihenfolge «englischer Vorname FAMILIENNAME chinesischer/japanischer Vorname» geschrieben.

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