6.2

Bichunmoo

      • Kinostart: 13. Januar 2000

China, irgendwann in der Mitte des 14. Jhd., während der mongolischen Oberherrschaft. Der Koreaner Jin-ha, genannt Jaharang, beobachtet das Haus einer Pro-Mongolischen Familie, das er im Autrag der chinesischen Widerstandskräfte mit seiner Gruppe Schwertkämpfer angreifen soll. Als sein Blick auf die mongolische Dame des Hauses fällt, werden Erinnerungen an ihre gemeinsame Jugend und ihre unglückliche Liebe wach. Aber Jaharang hat geschworen, die Mongolen zu vernichten…


Kommentar:

Die Handlung des Films beruht auf dem gleichnamigen Manhwa (Comic) von Kim Hye-rin. Und spielt zu der Zeit ab, als Koryeo (heutiges Korea) und Teile Chinas unter Herrschaft der Mongolen stand und diesen tributpflichtig war. Mitglieder aus der Königsfamilie von Koryeo wurden außerdem als Geiseln/Pfand in China angesiedelt. In Bichunmoo naht bereits das Ende der Mongolenherrschaft, die schließlich von Chinesen der Ming-Dynastie vertrieben wurden.

Bichunmoo war der erste groß angelegte Schwertkampf-Historienfilm Koreas, Er orientiert sich- vor allem durch sein „Hauptitem“, einem Buch über eine geheimnisvolle, magische Kampfkunst, mit dem Jin-ha kämpfen lernt und hinter dem alle her sind – teilweise an chinesischen Wuxia-Geschichten, erinnert aber durch seinen Plot um drei Familien, deren Schicksal auf tragische Weise miteinander verbunden ist und durch die starke Betonung der melodramatischen Liebesgeschichte auch an mittelalterliche Rittersagen aus dem westeuropäischen Raum.

Die Enstehung des zur damaligen Zeit hochbudgetierten Films, war eigentlich ein großes Risiko, denn es war nicht nur ein Erstlingswerk des Genres, sondern auch noch der erste Kinofilm des Regisseurs Kim Young-jun. Das Problem, das alle koreanischen Crewmitglieder keine Erfahrungen in diesem Genre hatten, versuchte man dadurch zu lösen, daß man chinesische Hilfe für die Action in Anspruch nahm. Diese wurden auch in China gedreht. Leider hatte das wiederum den Nachteil, daß die koreanischen Beteiligten mit Essen, Klima und daraus resultierendem Heimweh zu kämpfen hatten. Hinzu kam, daß man sich mit Zeit und Laufzeit des Films verschätzt hatte und der Film schließlich in aller Eile zu Ende gestellt werden mußte und außerdem sehr stark auf die von der Produktionsfirma geforderte Minutenzahl geschnitten wurde.

Das alles hat dem Film leider nicht gut getan. Denn durch das Schneiden wird der Handlungsstrang der Geschichte sehr schnell abgehandelt und bei manchen Charakteren wurde auf eine Einführung vollständig verzichtet. Auch hätte einigen wenigen Szenen eine Überarbeitung nicht geschadet.

Ansonsten hat der Film aber durchaus einiges zu bieten. Die Kampfszenen wären nach koreanischer Manier nicht unbedingt erfolgsversprechend im wirklichen Leben, sind aber besonders schön anzusehen. (Wenn sie vielleicht auch etwas schnell geschnitten sind).

Die SchauspielerInnen waren alle sehr engagiert, was man ihnen auch anmerkt. Besonders die zwei männlichen Hauptpersonen Shin Hyun-jun, der Jin-ha spielt und Jung Jin-young, der den Ehemann von Jin-has großer Liebe Sulli spiel,t verstehen es, nicht nur wortlos ein breites Spektrum an Gefühlen auszudrücken, sondern agieren auch sehr gut miteinander.
Über die Darstellerin der Sullie, Kim Hee-sun (im Westen wahrscheinlich eher für ihre Rolle an Jackie Chans Seite in „The Myth“ bekannt) wurde mir gesagt, daß sie in Korea eher als sehr hübsch als als gute Schauspielerin gilt (damals als Buchunmoo anlief, heutzutage denkt man hierüber wieder etwas anders). Mir ist sie nicht negativ aufgefallen, obwohl ich zugeben muß, daß sie in dem Film auch überwiegend nur gut aussehen muß und auf mitleiderregende Weise weinen muß und letzteres gehört wahrscheinlich zur Grundausbildung jeder koreanischen Schauspielerin.

Der Film besticht außerdem durch ein Fülle an hübschen Kostümen, die zusammen mit dem Teil der aufwendig gestalteten Settings, die nicht am Computer entstanden sind, ein optisch eindrucksvolles Sehvergnügen bieten.

Die Musik in Bichunmoo ist zu guter Letzt auch wiederum ein Punkt, über den sich die Kritiker nicht einig sind. Diese besteht nämlich hauptsächlich aus trommellastiger Orchestermusik und gefühlvoller Flöten-und Klavierstücke, welche an zwei, drei Stellen auf einmal von Metal-Einlagen unterbrochen werden. Die eine Seite der Kritiker empfindet diese Mischung als total daneben gegriffen, während sie die andere mit einem amüsierten Lächeln beschenkt.


Fazit:

Bedenkt man die Tatsache, daß Bichunmoo in so vielen Dingen fast noch experimentell war, ist es ein wirklich eindrucksvoller Film. Fans von Kostümfilmen oder gefühlsbetonten (um nicht zu sagen „schmalzigen“ :wink:) Rittersagen werden auf jeden Fall ihre Freude daran haben.
Fans von Wuxia-Filmen sollten den Film aber vielleicht zuerst lieber einmal in der Videothek ausleihen.

Ich würde empfehlen, den Film zweimal zu sehen, weil einem dann auch die auf den ersten Blick vielleicht etwas verwirrende Story (immerhin gibt es hier vier Gruppen: Mongolen, Pro-Mongolische Chinesen, Anti-mongolische Chinesen und dann noch Jin-ha mit ein zwei anderen Exil-Koreanern, die sich nicht nur gegenseitig ausschalten wollen, sondern zu Teil auch noch hinter Jin-has Schwertkampf-Buch her sind) viel klarer wird.

Der Comic wurde übrigens einige Zeit nach dem Film in China als TV-Serie verfilmt.

Anmerkung: In diesem Artikel wurden die koreanischen Namen in der Reihenfolge „Familienname Vorname“ geschrieben.

 

 

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