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The Housemaid (1960) – Kritik

„The Housemaid“ von Kim Ki-young gilt heute als Klassiker des koreanischen Kinos und hat viele der heutigennamhaften koreanischen Regisseure beeinflußt.
In letzten Jahren wurde er aufwendig restoriert, lief zu Beginn des Jahres 2009 auf diversen, internationalen Festivals und kam dann schließlich und endlich auch auf DVD heraus. Da an der Restauration auch das Korean Film Archive beteiligt war, ist diese DVD Ausgabe nicht nur regionfree und englisch-untertitelt ausgefallen, sondern es liegt ihr auch ein englischsprachiges Begleitheft bei. In diesem Begleitheft wiederum gibt es eine Seite, auf der Ausschnitte aus Kritiken zum Film aus seinem Erscheinungsjahr zitiert wurde. Ich fand das sehr interessant, denn man gewinnt aus den Zitaten den Eindruck, die Schreiber waren etwas hin-und hergerissen. Einerseits waren sie beeindruckt von Regieführung und Neuartigkeit des Films, andererseits taten sie sich mit der Umsetzung schwer. Da ist zum Beispiel vom „vulgären Geschmack“ des Regisseurs zu lesen oder daß er das Grotesque übertriebe, nicht um der Geschichte sondern um des Grotesquen selbst willen.

Tatsache ist, daß Kim Ki-young in „The Housemaid“ ein Drama und dazu auch noch eines, das von einer wahren Begebenheit beeinflußt wurde, in das Gewand eines Genrefilms (bzw. fast zwei Genre, den es ist schwer zu sagen, ob man The Housemaid als Thriller- oder als Horrordrama bezeichnen sollte) gepackt und sozusagen zum Unterhaltungsfilm gemacht hat. Ulkigerweise ist dieser Punkt, der damals die Kritiker scheinbar vor den Kopf stieß, das was heutzutage „The Housemaid“ immer noch – und auch für Nichtkoreaner – attraktiv macht.

Das Thema der Familie, die sich in den Ruin treibt, ist zwar auch für sich interessant, aber als Ausländer würde man da wahrscheinlich eher auf eigene Werke zurückgreifen, als sich an einen koreanischen Film aus den 60ern mit all der Andersartigkeit in Formulierungen und Schauspielweise zu wenden, wenn der Film einen eben nicht noch durch die Art, wie er durch die Horror-und Thrillerelemente Spannung aufbaut, bei Stange halten würde.

Und sowohl das Drama, als auch der Spannungsteil sind in „The Housemaid“ sehr gut gemacht.
Denn zwar trägt das Hausmädchen für den „Horror“teil gewissermassen das Böse über die Schwelle, letztendlich ist es aber eine Verkettung von stets nachvollziehbarem Fehlverhalten und Charakterschwächen von allen Beteiligten, die zum Ruin der Familie führen. Das Hausmädchen mag zwar furcheinflößend wirken, aber sie ist nicht darauf reduziert: die Täter-Opferrollen werden im Laufe der Handlung von „The Housemaid“ stets neu verteilt.
Ich fand es ziemlich faszienierend, daß sich dieses Fehlen eines Sündenbocks, an dem man alles festmachen könnte, schon so früh in koreanischen Filmen finden läßt!
Trotzdem wird man den ernsthaften Teil des Films aus heutiger Sicht vielleicht als etwas zu moralisierend empfinden.

Die Spannung wird in „the Housemaid“ einerseits dadurch erzeugt, daß sich im Hause, was von den Eltern über das Hausmädchen bis zu den Kindern auch alle wissen, eine leicht zugängliche Flasche Rattengift befindet. Den Rest erledigen die Aufnahmen (sehr nett zum Beispiel umgesetzt, wie das Hausmädchen meistens durch die Türen aufgenommen wurde, was sowohl ihre Außenseiterrolle betont, als ihr auch einen beobachtenden, lauernden Zug gibt) und eine sehr gute schauspielerische Umsetzung der Hauptfigur durch Lee Eun-jim und Lee Yoo-ri, die die Tochter spielt und durch ihre Angst und ihr Mißtrauen erst die unheimliche Atmophäre schafft, die der Zuschauer meint, um das Hausmädchen zu spüren.
Sie – also die Spannung – baut an keiner Stelle ab und ist den gesamten Film über spürbar.

Fazit:

Um ehrlich zu sein, ich bin kein so großer Fan von koreanischen Filmen aus den 60ern. Wie oben erwähnt, ist das Schauspiel doch anders als heute und die Ausdrucksweise auch und die Filme sind oft sehr dialoglastig, so daß ich mich manchmal schon gefragt habe, ob ich jetzt ein Radioprogramm mit ein paar Bildern gesehen habe und normalerweise schalte ich da mental immer ziemlich schnell ab. „The Housewife“ ist der dritte „alte“ koreanische Film (die anderen beiden sind „The Aimless Bullett“ – 1961 – von Yoo Hyun-mok und „Thousand Years Old Fox“ – 1969 – von Shin Sang-ok), den ich angesehen habe, ohne mich beim auf die Uhr Starren ertappt zu haben.

Oder kurz formuliert: Ich finde „The Housemaid“ alles in allem tatsächlich so sehenswert, wie man von ihm sagt!

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