Folgen

Epitaph (2017) – Kritik

Bewertung: 6.5

„Epitaph“ ist ganz klar Style Over Substance. Eine tiefergehden Story sollte man nicht erwarten und auch Fans des Horrorgenres könnten eventuell nicht auf ihre Kosten kommen, denn der Film ist eher ruhig fließend als spannend und es kommen auch keine größeren Schockmomente vor.
Der Film besticht durch andere Dinge. Da wäre zum einen der Aufbau der Erzählung zu erwähnen, die von drei Geschichten handelt, die zuerst nacheinander, und nur etwas überschneidend, indem der Film wieder zurückspringt und manche Szenen wiederholt und erweitert werden, erzählt werden und die am Ende zeitlich ineinanderfließend. Das Ganze ist dann nochmal eingebettet in die eine Geschichte, die eine Einleitung und einen Schluß aus rückblickender Perspektive bilden kann.
Man erlebt also das Geschehen im Krankenhaus in diesen vier Tagen dreimal aus anderer Perspektive, wobei die Geschichten trotzdem einzeln für sich stehen. Sie haben wenig inhaltlichen Bezug und sind nur durch Zeit und Ort miteinander verbunden. Gerade das ist eigentlich so reizvoll. Dinge, die hier das Leben einzelner Personen vollkommen verändern, nehmen auf das anderer überhaupt keinen Einfluß, werden sogar nicht einmal wahrgenommen…

Die Geschichten fließen, wie gesagt, sehr ruhig dahin, aber sie wurden sehr ästhetisch umgesetzt. Die Cinematographie ist abwechslungreich, oft auch sehr bildhaft. Wenig schnelle Schnitte oder schnelle Kamerafahrten. Es wird einem viel Zeit gelassen, visuelle Eindrücke aufzunehmen. Außerdem wird viel mit Licht, Schatten, Kerzenlicht usw. gearbeitet. Es wird reichlich Schnee und fallende Blüten benutzt und außerdem machte man sich die Zeit zu Nutze, in der das Ganze spielt, um Gegenstände, Räumlichkeiten etc. einzubringen, die im koreanischen Film selten gezeigt werden, da der geschichtliche Abschnitt unter der japanischen Kolonialherrschaft eher selten als purer Hintergrund eines Films benutzt wurde.
Es überrascht wenig, daß „Epitaph“ bei den Blue Dragon Film Awards 2007 mit einem Preis für die Beste Cinematographie und einen weiteren für Beste Art Direction ausgezeichnet wurde und zudem noch für die besten Special Effects und Bestes Lighting nominiert war!

Der Film ist mir klassicher Musik unterlegt, die das Stimmungsvolle der Bilder betont. Etwas weniger gelungen sind dafür die Geräusche, die die Geistererscheinungen begleitet. Diese sind schon fast stereotyp und da der Film auch wirklich nicht wirklich spannend ist, vielleicht auch etwas überflüßig, fast sogar störend.

Die Rollen sind sehr gut besetzt und wurden von allen Beteiligten gut und überzeugend gespielt. Die anspruchsvollsten Rollen waren wohl die von Kim Bo-kyung (Sword in the moon) und Kim Tae-woo (Return, Woman On The Beach, Don’t Look Back), die das Arztehepaar spielen, aber das zu meistern schien für beide kein größeres Problem gewesen zu sein. Für Jin Goo (Ice Bar, A Bittersweet Life, Straßen der Gewalt), der den Medizinstudenten spielt, war das die erste „Hauptrolle“ und hoffentlich nicht die letzte.
Und Go Joo-yun, die Kinderschauspielerin, war hervorragend wir immer.
Wie gesagt, alle andern waren auch überzeugend, aber auf diese vier hatte ich einfach besonders geachtet. 🙂

Fazit:

Im Großen und Ganzen hat mich dieser Jeong Brothers Film ein wenig an ein anderes Brüderpaar erinnert, nämlich die Pang Brothers, die ja ebenfalls für ihre schön anzusehenden Filme bekannt sind.
Also würde ich den Film zuerst einmal deren Anhängern empfehlen.
Leute, die einen tiefen Sinn im Film suchen, sollten aber die Finger von „Epitaph“ lassen. Das Gleiche gilt für Leute, die einen Horrorfilm suchen.
Wer hingegen durch stilvolle Bilder zufrieden gestellt wird, sollte sich diese Werk nicht entgehen lassen.
Mir hat er übrigens sehr, sehr gut gefallen.

Was man für den Film unbedingt wissen sollte:
Unter der japanischen Kolonialherrschaft mußten die Koreaner ihre Namen durch japanische Namen ersetzen. Also nicht verwundert sein, wenn Personen mal japanisch, mal koreanisch angesprochen werden.

Deine Meinung!

0 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.Pflichtfelder sind markiert *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Passwort vergessen?

Bitte gib deinen Nutzernamen oder die E-Mail Adresse ein. Du bekommst dann einen Link via E-Mail geschickt, mit dem du ein neues Passwort erstellen kannst.