Meister aller Klassen

  • Kinostart:

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Originaltitel: Shi di chu ma 帥弟出馬
Internationaler Titel: The Young Master
Erstausstrahlung im Produktionsland: Hong Kong 1980
Genre: Martial Arts, Komödie

Regie: Jackie Chan
Drehbuch: TANG King-Sang
Kamera: CHAN Ching-Kui
Musik: INOUE Akira, UZAKI Ryudo
Actionchoreographie: Jackie Chan, FENG Ke-An

DarstellerInnen:
Jackie Chan … Lung
HWANG In-shik … Meister Kim
YUEN Biao … Sam Kungs Sohn
LI Lili … Sam Kungs Tochter
SHIH Kien … Sam Kung
WEI Pei … Jing
TIEN Feng … Meister Tien

 

Story:

Als sich Jing, der beste Schüler der Tien Kampfkunstschule verletzt, soll Lung ihn bei einem Löwentanz vertreten. Dabei bemerkt Lung schnell, daß Jing seine Verletzungen nur vorgegeben hat, um für die konkurrierende Schule am Wettkampf teilzunehmen. Der Schwindel fliegt bald auf und Jing wird von der Schule verwiesen. Der nun arbeits-und obdachlose junge Mann sieht sich gezwungen, irgendwie sein Brot zu verdienen und läßt sich darauf ein, ein paar zwielichten Figuren zu helfen, einen gefährlichen Gefangenen, Meister Kim, zu befreien.
In der Zwischenzeit reut Meister Tien seine Entscheidung und er schickt Lung los, Jing zu suchen. Durch sein ähnliches Auftreten wird Lung von der Polizei mit Jing verwechselt, der nun steckbrieflich gesucht wird. So muß Lung sich mit allerlei Polizisten und einigen Bösewichten rumschlagen, um den verlorenen Sohn, nach Hause zurückzubringen…


Kommentar:

Ich möchte meine Filmvorstellung mit einigen einleitenden Worten beginnen: ich habe in meinem Leben nie Kampfsport betrieben und bin daher vielleicht nicht qualifiziert, über solche Filme zu schreiben. Ich bitte darum alle Leser, keine professionellen Analysen zu erwarten, sondern ich werde diese Vorstellung einfach in einem sehr persönlichen Stil abfassen.

„The Young Master“ wird oft als Jackies Regiedebut bezeichnet, was theoretisch nicht ganz korrekt wäre, denn tatsächlich hat er zuvor schon „The Fearless Hyena“ gedreht. Der Grund, warum „The Young Master“ trotzdem diesen Titel erhielt, liegt daran, daß Jackie bei „Fearless Hyena“ noch an einen extrem einengenden Vertrag mit Loh Wei gebunden war, bei „The Young Master“ arbeitete Jackie für Golden Harvest, die ihm mehr Freiraum zur Verfügung stellten und auch einen neuen Abschnitt in seiner Karriere darstellen.
Jackie nutzte das auch aus und legte einen Film vor, der sich zum großen Blockbuster meisterte.
Heutzutage wird er leider allzu oft für die „gefakten“ Kämpfe kritisiert. „Gefakte“ Kämpfe bedeutet, daß dieselbigen langsam ablaufen und die Kämpfer wenig tatsächlichen Körperkontakt haben.
Ich finde diese Kritik ein wenig traurig. Erstens weil es so wirkt, als wäre es möglich „echte“ Kämpfe zu choreographieren – ein Widerspruch in sich – zweitens weiß ich vom Fechten und Theaterfechten (ich habe beides gemacht), daß ein echter Kampf dem Zuschauer wenig bietet und ich glaube nicht, daß das bei Kampfsportarten anders ist und drittens sind gerade in „The Young Master“ die Kämpfe mit soviel Liebe choreographiert und mit so viel Perfektionismus aufgenommen (alleine der Kampf mit dem Fächer brauchte weit über 300 Takes!!!), daß es eine Freude macht, diese anzuschauen…
Natürlich ist das Geschmackssache und mich hat es von vornherein nie interessiert, ob ein Kampf „Fake“ ist oder nicht… 😉

So, jetzt aber erst einmal zur Geschichte. Da der Film ursprünglich um einiges zu lang war, mußte er auf Kinolänge gekürzt werden und wirkt nun fast ein wenig episodenhaft und hat ein paar Logikfehler. Ich würde ihn mal grob in drei Teile teilen. Der erste Teil hat fast mehr dramenhafte Züge und behandelt die Einleitung bis Lungs (also Jackies.. ;)) Weggang von der Schule. Meines Erachtens ist das der schwächste Teil des Films, denn er hat ein paar Längen und Jackies hält da einen ausgedehnten Monolog, der einen etwas aufgesetzt wirkenden, melodramatischen Touch hat. Stärke Nummer Eins diesen Abschnittes sind der Löwentanz – habe ich schon gesagt, daß „The Young Master“ besonders schön choreographiert ist 😉 – bei dem die Löwen über allerlei Zuber tanzen müssen und nicht auf den Boden fallen dürfen. Stärke Nummer Zwei ist die Figur des Meisters, die einen sehr realen Zug hat und einem einen Einblick in die Master-Schüler Verhältnissen einer solchen Schule gibt und auch über die Probleme, mit der ein Meister zu kämpfen hat.

Zwischen erstem Teil und zweitem Teil, gibt es einen kurzen Zwischenteil, der weitgehend aus dem bereits angesprochenen, legendären Fächertanz mit den hunderten von Takes besteht.

Der zweite Teil des Films ist meines Erachtens das Herzstück de Films. Hier beginnt die Verwechslungsgeschichte und Jackie muß sich wie gesagt mit allerlei Polizei und Angehörigen des Polizeiwachtmeisters rumschlagen. Der Stil wechselt ab hier auch vollends zur Komödie, die aus diesen Verwechslungen Kapital schlägt. Hong Kong Humor ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber hier ist er gar nicht mal so Over the Top und die Späße kommen sehr gut rüber. Die großen Stärken in diesem Teil sind die Sam Kung Angehörigen, denen man allen einen Charakter verliehen hat, Jackies wunderbare Beziehung und Dialoge mit Sam Kung und das Zusammenspiel beider Akteure und natürlich Yuen Biaos „Kämpfe“ mithilfe einer Bank… Wer schon immer mal wissen wollte, woher der Ausdruck, „jemanden vermöbeln“ kommt, der sollte „Young Master“ schauen. – Hm, war da nicht etwas mit schöner Choreographie…? –
Jackies Peking Opern Brüderchen Yuen Biao war in Young Master übrigens nicht nur als „der Junge mit der Bank“ tätig, sondern hat auch fleissig für die anderen Doubel gespielt. So wie üblich eben…

Ups, beinahe hätte ich es vergessen: Im zweiten Teil erfahren wir von Lily Li auch, was es heißt, wenn man im Haus den Rock anhat! Für die berühmte Shawbrothersikone war diese Szene ihr erster Ausflug von südchinesischem Kampfstil zu nordchinesischem Kampfstil. Sie hatte ein wenig Angst davor und hat daher fleißig geübt, was sich bezahlt gemacht hat. Die Kampfkunstart mit Rock gibt es übrigens wirklich…!

Im letzten Teil räumt Jackie dann mit Meister Kim und Gefährten auf. Der Endkampf ist für seine Länge – knapp 20 Minuten je nach Fassung – berühmt. Viele sind mit diesem Kampf aber nicht ganz glücklich, denn Jackie tut hier relativ wenig. Ich fand es konsequent, immerhin ist Lung nur ein Schüler und Meister Kim ein berühmt-berüchtigter Meister. Aber bei 20 Minuten kann das schon etwas lang werden und es braucht leider so etwas wie eine Deus Ex Machina Lösung, um das Ganze dann glücklich zu beenden.
Andererseits ist es auch nicht uninteressant Meister Kims Techniken anzusehen, auch wenn Jackie mehr wie ein lebender Punchingball wirkt. Immerhin ist aber der Koreaner Hwang In-shik heutzutage einer der angesehensten Hapkidomeister überhaupt. Er war übrigens einer von Jackies Hapkido-Lehrern, als seine Firma einige Actiondarsteller zur „Weiterbildung“ nach Korea geschickt hat…
Der arme Jackie hatte ein bißchen Probleme mit Hwang In-shiks Tempo mitzuhalten. 😉
Im Film merkt man das nicht mehr, aber Jackie hat sich mal in einem Interview darüber „beschwert“. 😀

Übrigens dachte ich früher immer, daß soviele Koreaner die Bösen Buben in Hong Kong Filmen spielen, läge daran, daß koreanische Kampfsportarten beinlastiger sind und daher natürlich auf der Leinwand gefährlicher aussehen. Aber Joy hat mich jetzt darüber aufgeklärt, daß nordchinesische Kampfstile auch die Beinarbeit vorziehen und nur die Südchinesen fleißig mit den Ärmchen kämpfen. Also ist es wohl doch einfach nur Zufall…


Fazit:

Nun zum Ende wie immer meine ganz, ganz subjektive Meinung zum Film: „The Young Master“ ist mein LieblingsJackieChanFilm! Strich! Punkt! Fertig! Aus!

Und wenn ihr noch wissen wollt, wem ich den Film ampfehlen würde: Jedem, der immer mal einen alten Hong Kong Martial Arts Film sehen wollte, aber davon eigentlich keine Ahnung hat, jedem Jackie Fan der Vollständigkeit halber, jedem Yuen Biao Fan der Vollständigkeit halber und dann jedem anderen, der solche Filme aus reinen Unterhaltungsgründen schaut und das Ganze nicht so ernst nimmt!


Sonstiges:

Ach ja, noch eine kurze Bemerkung zu den DVDs: Man könnte fast sagen, daß jede Young Master DVD einen anderen Film enthält! 😉
Nein, das stimmt natürlich nicht so ganz, aber es sind verschiedene Versionen in der Welt in Umlauf, die tatsächlich variierende Zusammenschnitte des Films enthalten. Es dürfte daher für manche Leute empfehlenswert sein, sich vorher zu informieren, welche Szenen man unbedingt dabei haben möchte, bevor man sich eine der DVDs zulegt.


Anmerkung: In diesem Artikel wurden die chinesischen und japanischen Namen in der Reihenfolge „englischer Vorname FAMILIENNAME chinesischer/japanischer Vorname“ geschrieben.

Darsteller:

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