Sunflower

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Originaltitel: Haebaragi 해바라기
Kinostart im Produtionsland: Südkorea 2006
Genre: Drama, Action

Regie: Kang Suk-bum
Kamera: Kim Woo-jae
Drehbuch: Kang Suk-bum
Musik: Lee Wook-hyun

DarstellerInnen: Kim Rae-won, Kim Hae-sook, Heo Yi-jae, Kim Jung-tae, Han Jung-soo, Kim Byung-wook, Ji Dae-han


Story:

Nie wieder trinken. Nie wieder kämpfen. Nie wieder weinen.“

Tae-sik saß wegen Totschlags zehn Jahre im Gefängnis. Nach seiner Haftentlassung möchte er einen Neuanfang wagen und kehrt in seinen Heimatort zurück. Dort wird er von der verwitweten Besitzerin des Restaurants Sonnenblume aufgenommen und findet nach anfänglichen Schwierigkeiten in ihr und ihrer Teenagertochter Hee-ju Familie und Geborgenheit.
Doch schon bald ziehen die Schatten der Vergangenheit wie dunkle Wolken über seinem neuen Leben herauf…


Kommentar:

Gangsterdramen blicken in Korea auf eine sehr lange Tradition zurück und neuere Werke in dieser Richtung werden daher gerne von Kritikern in Grund und Boden verdammt, weil sie nichts Neues mehr zu bieten haben. Umso erstaunlicher scheint es daher im ersten Moment, daß „Sunflower“ nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Berufsschreibern sehr gut ankam, läuft der Film doch eigentlich auch nach dem altbekannten Konzept: Gangster, der aussteigen will, wird von der Vergangenheit eingeholt und findet sich schließlich zwischen allen Fronten wieder.
Interessanterweise schafft es „Sunflower“, daß einem während des Schauens gar nicht so stark bewußt wird, daß der Film eigentlich einem allzu vertrauten Rezept folgt.
Grund dafür ist wahrscheinlich, daß „Sunflower“ viel stärker als Drama aufgebaut ist als andere Filme dieser Art. Und mit Drama meine ich jetzt nicht den langsamen Aufbau einer melancholischen Atmosphäre, sondern das, was ein Drama nach koreanischer Auffassung auszeichnen sollte: Eine Kombination von Elementen, die einen zum Lachen bringen und Elementen die einen zum Weinen bringen.
„Sunflower“ ist auf diesem Gebiet sehr erfolgreich. Vor allem in der ersten Phase, in der Tae-sik sich erst wieder resozialisieren muß, überzeugt durch einen Humor, der sich aus der anfänglich ablehnenden Haltung Tae-siks neuer Schwester Hee-joo, aus dem Misstrauen und dem Schrecken seiner ehemaligen Kumpanen und der örtlichen Polizei und einiger Lacher wegen seiner Tatoos ergibt. Die tragischen Elemente flechten sich erst langsam ein. Im Gegensatz zu anderen Filmen erfolgt aber kein Bruch zwischen lustig und traurig, sondern das eine gleitet langsam in das andere über.

Das erklärt natürlich noch nicht, warum man einige sehr konstruierte Stellen in der Story ohne mit der Wimper zu zucken hinnimmt. Dies hat einen anderen Grund und liegt in einer Mischung aus Charakterzeichnung und gutem Schauspiel. Die Figuren, auch die Nebenfiguren, besitzen alle eine eigene Persönlichkeit und werden auch ausführlich eingeführt, so daß sie sehr real wirken und dadurch kleine Zufallsanhäufungen in der Geschichte erfolgreich ausgleichen.
Eine kleine Ausnahme davon ist die Gestalt des Bösewichts Jo Pan-soo, die zwar auch sehr gut von Kim Byung-wook verkörpert wird, aber trotzdem keine Gelegenheit hat, als Person aus ihrem Klischee hervorzutreten.

Da wir nun schon bei den Schauspielern sind, möchte ich hier den Hauptdarsteller Kim Rae-won (Mr. Socrates, My Little Bride) noch einmal lobend erwähnen. Es war eine sehr schöne Leistung, die er hier abgeliefert hat. Die Gestalt des ehemalig toughen, jetzt eher von sich selbst erschreckten Tae-sik, der gegen seinen Willen zum Äußersten getrieben wird, wirkt den ganzen Film über durchaus glaubhaft. Um ehrlich zu sein, ist mir durch „Sunflower“ erst aufgegangen, daß der Junge tatsächlich schauspielern kann…

Die Kameraarbeit von „Sunflower“ ist sehr ordentlich. Und auch, wenn sich das jetzt ein bisschen doof anhört: die Winkel waren wirklich gut ausgewählt.

Auch am Sunflowerscore kann man nicht merken. Die Mischung aus klassischer Musik und melancholischem Pop wurde an den passenden Stellen eingesetzt.

Was mich ein wenig gestört hat und mir momentan sowieso an vielen asiatischen Filmen unangenehm aufstößt, war der Einsatz von künstlichem Sonnenuntergang. Ich finde so etwas eher kitschig als ästhetisch. Es kam hier aber zum Glück nur in einer Szene vor und war daher noch zu verkraften. 😉


Fazit:

„Sunflower“ ist keine Revolution des Genres, aber holt alles, was möglich ist, aus seiner Geschichte heraus und ist erstklassige Unterhaltung. Persönlich finde ich, dass es einer der schönsten Filme ist, die 2006 in Korea erschienen. Er hätte auch ein deutsches DVD-Release viel eher verdient, als die meisten koreanischen Filme aus dem gleichen Jahr, die bei uns erschienen sind.


Anmerkung: In diesem Artikel wurden die koreanischen Namen in der Reihenfolge „Familienname Vorname“ geschrieben.

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