The Hidden Blade

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Originaltitel: Kakushi Ken, Oni no Tsume 隠し剣 鬼の爪
Kinostart im Produktionsland: Japan 2004
Genre: Jidai Geki, Chambara

Regie: Yamada Yôji
Kamera: Naganuma Mutsuo
Drehbuch: Fujisawa Shuuhei (Kurzgeschichte), Yamada Yôji, Asama Yoshitaka
Musik: Tomita Isao
Kostüme: Kurosawa Kazuko

DarstellerInnen: Nagase Masatoshi, Matsu Takako, Ozawa Yukiyoshi, Takashima Reiko, Tanaka Min, Tabata Tomoko, Yoshioka Hidetaka, Ogata Ken, Kobayashi Nenji


Story:

I’m sick of being a samurai!“

Nach dem rituellen Selbstmord des Vaters führen die verbliebenen Mitglieder der Familie Katagiri – Mutter, Sohn Munezo, Tochter Shino und das Bauernmädchen Kie, daß die Katagiris aufgenommen haben, damit es Kochen, Nähen usw. lernen kann – ein ruhiges, aber doch recht glückliches Leben zusammen.
Die Idylle nimmt jedoch ihr Ende als die Mädchen verheiratet werden und die Mutter stirbt. Munezo bleibt alleine zurück und schlägt sich mit dem Erlernen von westlicher Kriegsführung, mit der wenig anfangen kann, herum. Nach einem zufälligen Treffen mit Kie keimt in ihm der Verdacht, daß die junge Frau von der Familie ihres Ehemannes mißhandelt werde.
Auch seine eigene Lage verkompliziert sich, als ein alter Freund, Hazama Yaichiro, wegen eines Rebellionversuchs festgenommen wird und Hazamas Bekannte nun ebenfalls unter Verdacht geraten.


Kommentar:

Meine Review zu „The Hidden Blade“ möchte ich ausnamhsweise nicht in meinem üblichen Stil beginnen, sondern etwas persönlicher gestalten.
Ich habe den Film damals sofort gekauft, als die DVD in Japan erschien, weil ich „The Twilight Samurai“ oder „Samurai der Dämmerung“ wie er in Deutschland heißt, den vorherigen Film von Yamada Yôji für einen wirklich großartigen Film hielt und immer noch halte. Ich habe ihn damals angesehen, fand ihn rein subjektiv gesehen nicht so gut wie Twilight Samurai, aber trotzdem ganz nett. Anschließend gab ich ihn einer Freundin von mir, die Japanologie studiert und die ebenfalls ein großer Fan von Twilight Samurai ist. Nachdem sie ihn sich angesehen hatte, gab sie ihn mir zurück mit dem vernichtenden Urteil, daß der Film der letzte Mist sei, er sei schmalzig und vollkommen irreal. So würde sich kein Samurai benehmen…

Nun damals hat mich das ziemlich eingeschüchtert. Die meisten Bekannten von mir sind zwar der Meinung, daß wenn jemand Koreanistik studiert, er dann automatisch Japan und China kennt. Aber leider ist das nicht so. Und sie weiß also garantiert wesentlich mehr über Japan als ich. Also habe ich mich ihrem besseren Urteil gebeugt, den Film ins Regal gestellt und nichts blieb als dieser eine Gedanke: Aber die Figuren in Twilight Samurai sind auch nicht real, sondern modern und sie findet den Film trotzdem gut…

Im Dezember kam dann Yamada Yôjis dritter Samuraifilm „Love & Honor“ heraus. Und sobald er auf DVD herauskam, habe ich ihn mir angesehen. Das ist jetzt einige Tage her und seitdem habe ich das Gefühl, daß ich ein totaler Esel war, was „The Hidden Blade“ betrifft. Ich habe vor lauter Respekt vor dem Fachwissen meiner Freundin eine ganz wichtige Sache übersehen: Filme tragen immer mehr als eine Botschaft mit sich, ob das jetzt absichtlich oder unabsichtlich ist. Und dafür wird Historizität geopfert, auch bei Historienfilmen. In „Twilight Samurai“ waren die Protagonisten viel zu modern, was half die zwei Zeitalter in Kontrast zu setzen.
In „The Hidden Blade“ ist es Munezos Einstellungen zu Frauen, die nicht „real“ ist und meine Freundin so auf die Palme brachte. „The Hidden Blade“ portraitiert die Stellung der Frau in der japanischen Geschichte an drei Frauengestalten: Shino, Kie und Hazamas Ehefrau. Shino stellt so etwas wie einen Sollzustand da. Sie und ihr Mann haben aus Liebe geheiratet und Respekt und Zuneigung sind die Grundlage ihrer Ehe. Kies Schicksal und das von Hazamas Frau hingegen sind das totale Gegenteil. Beide werden von benutzt und als Objekte betrachtet. Kie als Arbeitstier und für Hazamas Ehefrau müßte ich jetzt ziemlich spoilern.
Das Interessante ist, daß der Film dabei darüber hinausgeht, zu kritisieren, wie Frauen behandelt wurden, sondern noch zu Kritik an der heutigen Zeit übergeht. Wenn also Munezo wegen Kie Dinge tut oder Dinge sagt, die älteren Japanern heute noch schwer fallen würden zu sagen, sollte man auch im Hinterkopf behalten, daß der Film für eine Gesellschaft geschrieben wurde, in der Kurse mit dem Motto „Wie behandel ich meine Frau richtig“ abgehalten werden, in denen die Teilnehmen so einfache Dinge lernen, wie „Danke“ zu ihren Ehefrauen zu sagen und in der ältere Männer immer noch glauben, daß es unmännlich ist, seiner Frau etwas Nettes zu sagen.

Also um das Thema abzuschließen: Ja, der Film ist schmalzig, denn es ist eine Liebesgeschichte, in der der Protagonist Dinge sagt und tut, die in Japan nicht unbedingt üblich sind. Also auch ja, der Film ist in dieser Beziehung nicht real. Aber, daß er deshalb schlecht ist, würde ich nicht unbedingt sagen. Eher im Gegenteil. Denn es gibt nur sehr wenig Filme, die überhaupt auf weibliche Seite der japanischen Geschichte eingehen. Mizoguchi Kenji ist mir sonst noch bekannt, der sich dieses Themas angenommen hat.
Yamada hat es außerdem auch noch massentauglich gemacht und in seiner Kritik die heutige Zeit eingeschlossen. Insofern hat er sich damit meinen vollen Respekt verdient!

So nach diesem langen Roman noch ein bißchen praktischeres zum Film:
Wenn ich jetzt auch viel über Frauen usw. geredet hat, ist das nicht das, was oberflächlich behandelt wird. Der Film hat zwei Themen. Eines ist die verbotene Liebe zwischen Kie und Munezo. Die andere hat mehr mit dem Titel (müßte so etwas wie Verstecktes Schwert, Teufelskralle) heißen zu tun. Munezo hat von seinem Lehrer Toda eine geheime Technik mit dem Namen Teufelskralle gelernt, deren Einsatz den eigentlichen Höhepunkt des Films bildet.
Also, wer nach meiner langen Einführung dachte, daß es sich bei dem Film um ein langweiliges Sozialdrama handelt, der hat sich irreführen lassen. Der Film ist recht spannend und hat Schwertkämpfe und Duelle und Ehre und Selbstmorde wie es sich für einen Samuraifilm gehört. Er ist stellenweise auch ganz lustig, vor allem an den Stellen, an denen die „Landei-Samurai“ von dem Ausbilder aus Edo mit westlichen Waffen vetraut gemacht werden sollen.
Die Aufnahmen sind wieder sehr ästhetisch.
Und die DarstellerInnen sind auch sehr gut gewählt. Kein Sanada Hiroyuki und keine Miyazawa Rie, aber Nagase Masatoshi (Cold Fever), der Munezo gespielt hat, ist ja auch als Charakterdarsteller bekannt und die Rolle hat ihm ganz gut gestanden. Matsu Takako (April Story) fand ich auch ziemlich überzeugend. Die Frauen in Japan mußten ja früher immer lächeln und daß heißt, es gibt da diese Szenen in denen die Schauspielerinnen immer weinen und gelichzeitig lächeln müssen und daß wirkt auf westliche Zauschauer oft etwas befremdend. Bei ihr war es aber wirklich traurig.


Fazit:

Also, insgesamt denke ich schon, daß man „The Hidden Blade“ weiterempfehlen kann. Außer vielleicht an Leute, die eine ganz genau Rekonstruktion des Endes der Edozeit wünschen. Ansosnten bietet er wieder eine gelunge Mischung aus Drama, Spannung, Romantik, schönene Aufnahmen und schönen Kostümen, so daß wahrscheinlich für jeden etwas dabei ist.
(„The Twilight Samurai“ ist aber natürlich trotzdem besser! ;))


Anmerkung: In diesem Artikel wurden die japanischen Namen in der Reihenfolge „Familienname Vorname“ geschrieben.

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