Bin Jip – Leere Häuser

    • Kinostart:


Originaltitel:
Bin Jip 빈집
Auch bekannt als: 3-Iron
Kinostart im Produktionsland: Südkorea 2004
Regie: Kim Ki-duk
Kamera:
Jang Sung-baek
Drehbuch:
Kim Ki-duk
Künstlerische Gestaltung:
Kang Chang-gil, Jeon In-han
Genre:
Drama
DarstellerInnen:
Jae Hee als Tae-suk, Lee Seung-yeon als Sun-hwa


Story:

Tae-suk zieht jeden Tag mit seinem Motorrad durch die Stadt und sucht nach Häusern, die von ihren Besitzern temporär verlassen wurden, um Abends in diese einzubrechen. Er erkundet die Häuser und die Spuren der Besitzer, erledigt kleinere Reparaturen, bedient sich am Essen, schläft sich aus, wäscht die Wäsche und ist bis spätestens Mittags wieder verschwunden.
Als er sich Zutritt in das Haus von Sun-hwa und ihrem Mann verschafft, rechnet er nicht damit, daß die Herrin des Hauses nicht durch Abwesenheit glänzt, sondern sich nach einem handgreiflichen Streit mit ihren Ehegatten in ein Eckchen verkrochen hatte und ihn nun bei seinem Tun beobachtet.


Über den Film:

Um ehrlich zu sein, ich bin nicht glücklich über Bin Jip zu schreiben, weil ich den Film für ein sehr schönes, ästhetisches Werk halte, das einen in seiner Gesamtheit anspricht. Wenn man darüber zu reden beginnt, fängt man automatisch an, anslyieren zu wollen und das Werk in seine Bestandteile zu zerlegen, was ich schade finden würde. Allerdings kann man auch nicht darüber reden, wenn man nicht irgendwie und irgendwo einen Anfang macht.

Zuerst einmal ist anzumerken, daß „Bin Jip“ wahrscheinlich Kim Ki-duks erfolgreichster Film war (wenn auch nicht unbedingt an den Besucherzahlen in der Heimat gemessen; wenn ich mich recht erinnere, konnte da „Bimong“ mehr Leute ins Kino locken). Es ist ein Film, den Filmliebhaber in der Regel kennen und an den die meisten zuerst denken, wenn sie Kim Ki-duk hören.
Persönlich finde ich das einerseits überraschend, andererseits wundert es mich nicht.
Überraschend finde ich es, weil Filmliebhaber normalerweise gerne Kontroversität mögen, Kim Ki-duk ein kontroverser Filmemacher ist, aber Bin Jip zur Zeit als es erschien, das wirklich unkontroverste Werk des Regisseurs war. Es hat noch nicht einmal exzessive Darstellungen von Sex und Gewalt, was normalerweise westliche Cineasten am asiatischen Film bewundern und wovor auch Herr Kim sonst durchaus nicht zurückschreckt.
Warum sich trotzdem gerade Bin Jip so vieler westlicher Liebhaber des Film erfreuen darf, ruft in mir, wie bereits gesagt, trotzdem keine große Verwunderung hervor, denn im Endeffekt ist Kontroverität auch nur ein Aspekt von Film, an dem nicht das Ganze Produkt gemessen werden sollte. Bin Jip ist vielleicht weniger kontrovers als andere Filme des Regisseurs, dafür ist die Erzählung in sich abgeschlossener und verheddert sich weniger in den Ideen als dies schon in manch anderem seiner Filme geschehen ist. Und die Thematik des Films, auch wenn er eigentlich ein recht getroffenes Bild der koreanischen Gesellschaft zeichnet), ist sehr universell.
Es ist sehr einfach sich in Bin Jip wiederzufinden, während man sich bei einigen anderen Film des Regisseurs schon einmal die Fragen stellen kann, ob Kim Ki-duk wirklich in derselben Welt lebt, wie man selbst. Oder anders ausgedrückt: es ist leichter einen persönlichen Zugang zu Bin Jip zu bekommen, als zu einigen seiner anderen Filme.

Was ich an Bin Jip persönlich besonders schön finde (außer natürlich, daß er sehr, sehr ästhetisch ist, aber das versteht sich bei einem Kim Ki-duk Film irgendwie von selbst), ist die Art und Weise, wie in dem Film kommuniziert wird. Die meisten werden ja wissen, daß die Hauptpersonen in dem Film nur wenig sprechen, die männliche Hauptperson spricht sogar während des Films kein einziges Wort. Die Hauptfiguren drücken sich durch Blicke, Mimik, Körpersprache aus, durch das, was sie tun und durch die Art, wie der Regisseur die Bilder gestaltet.
Dem Film fehlt die lautliche Sprache, aber er ist sehr reich an Kommunikation und der Zuschauer wird wenig Probleme haben, zu erkennen, was in den Figuren und zwischen den Figuren vorgeht.
Man könnte sagen, daß Kim Ki-duk hier das Medium Film genutzt hat, um wirklich Dinge bildlich zu erzählen.
Interessanterweise wird der Film dadurch (und natürlich dadurch, daß er auch ein wenig surrealistisch ist) fast auch ein wenig meditativ.

So, das war jetzt mehr eine etwas brainstormartige Art von Vorstellung. Wie gesagt, ich wollte nicht allzutief in die Analyse gehen und überlasse das Interpretieren nun gerne allen weiteren Lesern…


Anmerkung: In diesem Artikel wurden die koreanischen Namen in der Reihenfolge „Familienname Vorname“ angeordnet.

Darsteller:

Regie:

Länder:

Diese Filme könnten dir auch gefallen